*Stuart Clive Shorter - als ich ihn das erste Mal sah, 1998, hockte er in einem Hauseingang neben dem Discount-Bilderrahmen-Shop in der Strasse hinterm Sidney Sussex College in Cambridge. Er saß da merkwürdig verdreht auf seinem viereckigen Pappkarton, als wäre er halb aus Gummi. Käsige Haut, grüne Bomberjacke, kaputte Turnschuhe, kahl rasierter Schädel und ein Siebentagebart; sein Gesicht, die linke Hälfte lebhafter als die rechte, war fast mongoloid. Mehrere Zähne fehlten ihm; sein Mund war ein Schlitz.
"Bei der ersten Gelegenheit mach ich mich alle", sagte er leise.
Die Tätowierungen an seinen Händen waren selbstgemacht. Ein großes FUCK auf dem rechten Arm begann am Bizeps und ging fast bis zum Handgelenk.
"Ja, ich mach mich alle, und es soll aussehen, als wär's jemand anders gewesen. Aber wenn Sie mir nix geben wollen, würden Sie dann bitte weitergehen? ...*
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"Das kurze Leben des Stuart Shorter" ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem Schriftsteller und Illustrator ("ein Mittelschichts-Arschloch, wenn man ehrlich ist, Alexander") und einem chaotischen Obdachlosen, den er bei einer Kampagne kennen lernt, die zwei Sozialarbeiter aus dem Gefängnis befreien soll.
Damit verwoben ist Stuarts Bekenntnis: Die Geschichte seines Lebens, ganz unten. Mit Witz und Mitgefühl, wie auch mit Wut, arbeitet sich Masters durch Postüberfälle und Gefängniskrawalle zurück bis exakt zu dem Tag, an dem Stuart die Gewalt für sich entdeckt - um zu begreifen, warum sich ein fröhlicher kleiner Junge in eine drogen- und alkoholsüchtige Dr. Jekyll-und-Mr.Hyde-Persönlichkeit verwandelt hat.
Alexander Masters ist ein ungewöhnliches Buch gelungen!
Witzig -- verzweifelt -- und zugleich aufbauend -- brilliant geschrieben -- und voller Überraschungen. Eine Biographie, die mit großer Empathie die Besonderheit eines Lebens erzählt und einen Einblick in Verhältnisse gewährt, die für immer mehr Menschen Realität sind ( und dieses sollte uns sehr nachdenklich machen !! ).
Zugegeben: Kein leichtes Buch. Aber ist man erst einmal eingetaucht in die Geschichte und die einprägsamen Charaktere - dann, ja dann, fällt das Loslassen ungemein schwer. Von daher, nach anfänglichen Zweifeln, von mir besten Gewissens die Höchstnote von 5 Sternen ...