Zur Zeit (Januar 2011) läuft dieser Film noch in guten Kinos, ist aber direkt beim Vertrieb auch schon als DVD erhältlich. Ich habe mir die DVD angesehen und finde den Film sehr sehenswert. Er schafft es, die Balance zwischen dem s.g. gesicherten Wissen und Spekulation zu waren, ohne in wirre Phantastereien wie in "Bleep" abzugleiten, verkündet aber auch keine dogmatischen Glaubens- und Wissensanschauungen. Die gestellte Frage bleibt letztlich (noch) offen und muss von Jedem für sich selbst beantwortet werden.
Für jemanden wie mich, der sich nun schon seit längerem mit dem Thema einer ganzheitlichen Weltsicht befasst und die Bücher z.B. von Hans-Peter Dürr und Rupert Sheldrake gelesen hat, enthält der Film nicht wirklich Neues. Es sind vielmehr die Denkanstöße, die den Film für mich interessant machen, auch von mir inzwischen lieb gewonnene Gewissheiten noch einmal zu hinterfragen. Und natürlich sind die Gedanken, wie man von der dualistischen Auffassung, der Trennung von Geist und Materie wieder weg kommt nicht zu Ende gedacht, wird dieses Denken doch durch die in unserer Gesellschaft tief eingegrabenen Glaubensdogmen der Religionen und Wissenschaften und ihren Vertretern ständig bekämpft.
Ein wesentlicher Aspekt wird nach meiner Auffassung auch in diesem Film ausgespart und nicht weiter thematisiert: Welche Erkenntnisfähigkeit besitzt unser Bewusstsein? Das, was wir wahrnehmen, ist nicht zwangsläufig das, was Ist. Sowohl unsere äußere wie innere Wahrnehmung sind offensichtlich begrenzt, im wesentlichen durch unsere Körperlichkeit. Aber auch unsere geistigen Fähigkeiten und unsere Intuition sind durch unsere Individualität subjektiv bestimmt. Dieses wird in einigen Äußerungen der Wissenschaftler auch sehr deutlich, wenn es z.B. um die Vorstellbarkeit eines nicht fein abgestimmten Universums geht - hier stoßen einige an ihre eigenen Grenzen. So bleibt die Frage, ob wir eben nur genau diese "Feinabstimmung" innerhalb eines chaotischen Rauschens selektiv wahrnehmen unerörtert und auch das in dem Film eröffnete erweiterte Gesichtsfeld anthropomorph, und zwar nicht nur als menschliche Sicht, sondern zuweilen sogar anthropozentrisch, auf den Menschen als vorgeblich Höchstes in der Entwicklung des Lebens fixiert. Da waren schon einige der griechischen Philosophen weiter.
Auch die mit im Zentrum des Films stehende Ästhetik sollte die Frage aufwerfen, in wie weit diese Schönheit nur im Auge des Betrachters entsteht. Und spätestens seit Kant kommen wir auch an der Frage der apriorischen Anschauungen unser Sinneswahrnehmungen - Raum und Zeit - nicht mehr vorbei. Ist es unser Bewusstsein welche die Vorstellung von Raum und Zeit generiert um überhaupt etwas wahrnehmen zu können? Sehr interessant ist Hüsser in diesem Zusammenhang: Es ist der Mensch, der Anfang und Ende setzt. Nur wenige können sich entsprechend von der Vorstellung eines (von Was oder Wem auch immer ausgelösten) Urknalls lösen - freilich nur unter Umgehung der Frage nach dem, was vor dem Urknall war und was außerhalb des expandierenden Universums ist. Eben wegen dieser Unvorstellbarkeit ziehen wir Grenzen in Form von Raum und Zeit um überhaupt eine Vorstellung haben zu können. Aber Raum und Zeit sind deshalb keineswegs reale Größen, sie sind nur unser Vergleichsmaßstab, damit wir in dieser Welt zurechtkommen. Könnte es also nicht sein, dass Alles prinzipiell völlig offen, unbestimmt und unbegrenzt ist? Dieses ist auch eine Position in dem Film - nur denke ich, es ist noch viel radikaler als wir es uns vorstellen. Wir erkennen vermutlich nur den für uns erkennbaren Teil einer Realisation von unendlich vielen Möglichkeiten. Und so kann ich es nur mit Karl Popper halten - Alles ist nur Vermutung!
Dennoch kann ich der in dem Film nicht nur implizit geäußert These folgen, unsere Fixierung und Reduzierung auf eine materialistische Weltanschauung, auf Wirtschaftswachstum und globalen Handel aufzugeben. Mit dieser Anschauung sind wir dabei, die Probleme der Menschheit zu verschärfen anstatt sie zu lösen. Gleichzeitig müssen wir uns aber auch von dem überholten Gottesbild eines Herrn und Herrschers über uns befreien, egal wie gnädig und tröstend wir ihn uns vorstellen - es ist eben auch genau dieses Gottesbild, welches zu den Grausamkeiten der Kriege und Terror verleitet, indem Menschen ihrem Gott die Eigenschaften eines Richtenden und Bestrafenden zumessen, dessen auserwähltes Volk sich in dem Recht glaubt einen heiligen Krieg gegen "Un- und Falschgläubige" zu führen - ein Phänomen aller, sogar nicht nur der monotheistischen Religionen. Wir müssen die willkürliche gedankliche Trennung von Geist und Körper, von Gott und Welt tatsächlich überwinden. In sofern sollten wir "Gott" aus seiner Verbannung jenseits von uns und des Universums befreien und in Frieden bei all den alten Göttern ruhen lassen. Denn anstatt uns Götter und Götzen zu erschaffen müssen wir wieder eine neue Demut gegenüber diesem Wunder der Welt in der wir Leben entwickeln. Nur eine solche Haltung kann uns wirklich eine lebenswerte Welt gestalten lassen - und wie ich meine sogar unabhängig davon, ab wir in dem Universum eine Allem innewohnende Kraft wähnen, und ob wir diese nun göttlich, geistig oder kreativ nennen.
Diese Überzeugung hat der Film in mir bestärkt.