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Das kooperative Gen: Evolution als kreativer Prozess
 
 
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Das kooperative Gen: Evolution als kreativer Prozess [Taschenbuch]

Joachim Bauer
3.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (16 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 224 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (8. Februar 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453601335
  • ISBN-13: 978-3453601338
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 11,8 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (16 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 108.150 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Joachim Bauer
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Gute Argumente, solide Forschungsergebnisse und eine leichte Feder machen das Buch zu einem spannenden Lesevergnügen." (Deutschlandradio )

Kurzbeschreibung

Wie wir wurden, was wir sind

Die Evolution ist weniger ein »Kampf ums Dasein« als vielmehr ein kreativer Prozess – das verdeutlicht Bestsellerautor Joachim Bauer auf der Grundlage aktuellster Forschungsergebnisse. Nicht zufällige Mutation bestimmt die Evolution, sondern aktive Veränderungen der Gene, die den Prinzipien Kooperation, Kommunikation und Kreativität folgen.



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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
41 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Die Taschenbuchversion von "Das kooperative Gen" ist gegenüber dem Hardcover-Orginal im Wesentlichen unverändert. An einigen Stellen wurden kleine Fehler ausgemerzt und neue Ergebnisse (welche die Thesen des Autors weiter unterstützen) hinzugefügt. Durch die Verlagerung einiger allzu detailreicher Abschnitte in den Anhang wird das Buch jetzt für Nicht-Fachleute noch leichter lesbar. Warum der Autor den Untertitel verändert hat, wird von ihm im Vorwort überzeugend erklärt. Im Übrigen gilt, was ich bereits über die Orginaversion schrieb:

Über dieses Buch, das ich mit grossem Gewinn gelesen habe, sollte vorneweg eines gesagt werden: Es lässt die Kirche im Dorf und alle Tassen im Schrank. Der Autor, der Freiburger Medizinprofessor Joachim Bauer, steht auf dem Boden der Abstammungslehre, er lehnt Kreationismus und die Thesen vom Intellligent Design ausdrücklich ab. Bauer unterscheidet zwischen Charles Darwin (dem er am Ende seines Buches eine Huldigung widmet) und dem "Darwinismus" (ein auf Ernst Haeckel zurückgehendes Sammelsurium von teilweise abstrusen Theorien). Wie der Autor im Vorwort der Taschebuchausgabe schreibt, hat er, da viele Zeitgenossen den Begriff "Darwinismus" irrtümlicher Weise mit der Evolutionslehre gleichsetzen, den ursprünglichen Untertitel ("Abschied vom Darwinismus") geändert.

Was Bauers Buch zu einem spannenden Lesevergnügen macht, ist die Darstellung fundamental neuer Erkenntnisse über die Entwicklung des Erbgutes als Voraussetzung für die Entstehung neuer Arten im Verlauf der Evolution. Erst in den letzten Jahren gelang die vollständige Aufklärung des Erbgutes (der "Genome") verschiedener Arten (siehe u. a. das Anfang dieses Jahrzehnts abgeschlossene "Human Genome Project"). Daraus ergab sich die Erkenntnis, dass Genome über ein kreatives (d. h. schöpferisches) Potential verfügen.

Im Erbgut aller Arten, so Bauer, wurden "genetische Werkzeuge" nachgewiesen, die in der Lage sind, das eigene Erbgut umzubauen (die Fachbezeichnung für diese Werkzeuge: "transposable elements"). Ein solcher Umbau des Erbgutes findet jedoch nur statt, wenn Lebewesen (bzw. wenn ihre Zellen) durch schwere ökologische Veränderungen vital bedroht sind. Da sowohl die Art und Weise, WIE der Umbau passiert (er erfolgt nicht nach dem Zufallsprinzip, sondern führt in systematischer Weise zu einem Zuwachs an Komplexität) als auch die Zeitpunkte, WANN der Umbau erfolgt, nicht zufällig sind, muss ein zentrales Prinzip Darwins aufgegeben werden, welches lautete: Neue Arten entstehen auf der Basis rein zufälliger Veränderungen des Erbgutes (mit nachfolgender Selektion).

Auf der Basis neuer Erkenntnisse aus den letzten Jahren zeigt Bauer in überzeugender Weise: Neue Arten entstanden, weil Lebewesen (bzw. weil ihre Zellen) kreative, zu einem Zuwachs an Komplexität führende Umbauschübe im eigenen Erbgut veranstalten können. "Das kooperative Gen" ist ein beeindruckendes, wichtiges Buch, das ich als Naturwissenschaftler vorbehaltlos empfehlen möchte.

"Das kooperative Gen" ist eine auch für Nichtfachleute geeignete, anregende und sehr gut verständliche Lektüre. Naturwissenschaftlichen Kollegen empfehle ich die ergänzende Lektüre eines Artikels von James Shapiro, auf den sich Bauer vielfach bezieht (Shapiro ist Mikrobiologe und Evolutionsgenetiker an der Universität Chicago). Shapiro, J.A.: A 21st Century View of Evolution: Genome System Architecture, Repetitive DNA, and Natural Genetic Engeneering. GENE 345:91 (2005).

Last but not least: Ein sehr schönes Beispiel für die von Bauer dargelegten Evolutions-Mechanismen findet sich in einer vor Kurzem erschienenen Arbeit von Marques-Bonet und Kollegen: A burst of segmental duplications in the genome of the African great ape ancestor. Nature 457, 877-881 (12. Februar 2009).

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49 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
"Das kooperative Gen" ist also nun als Taschenbuch erschienen. Das Buch ist durch einige Veränderungen (z. B. Details in den Anhang) tatsächlich etwas leichter lesbar geworden. Am drögen Inhalt hat sich dadurch aber nichts geändert. Auch wenn seine Apologeten dies nicht wahrhaben wollen: Bauer hat grundlegende Mechanismen der Evolution einfach nicht verstanden (und das unterscheidet ihn von Autoren wie Jablonka und Lamb). So findet man auch in der Taschenbuchversion immer noch völlig unreflektiert Sätze wie (S.121/122): "Die Annahme, Zufallsmutationen hätten aus einem einzelligen Lebewesen einen vielzelligen, vermehrungsfähigen Organismen entstehen lassen können, gleicht der Erwartung, es bilde sich - nach dem Zufallsprinzip - schliesslich ein Wolkenkratzer, wenn man die dazu notwendigen Komponenten nur oft genug auf einen Haufen schütte". Was soll man denn von einem Menschen erwarten, der nicht einmal verstanden hat, dass so Selektion nicht funktioniert (nebenbei: dies ist das Lieblingsargument der Kreationisten; mag wohl sein, dass Bauer mit diesen nicht gerne in einen Topf geworfen werden möchte; aber dann hätte er einfach seinen "Dawkins" mal etwas genauer lesen sollen). Dies ist kein Einzelbeispiel. Ähnliche Klöpse und Unkorrektheiten finden sich an allen möglichen Stellen des Buches (z. B. vernimmt man auf S.184 mit Erstaunen Bauers seltsame, etwas an eine Märchenwelt erinnernde Definition der Selektion), und ich habe auch in meiner Rezension zur gebundenen Ausgabe bereits auf einige verwiesen. Da kann man eigentlich nur sagen: Evolutionslehre: 6! Setzen!

Auch wenn es bedauerlich ist, dass der Autor von dem Gebiet, über das er schreibt (und das er zu revolutionieren vorgibt), so gar keine Ahnung hat, spricht natürlich nichts dagegen, dass er seine These - die eine biologischen Organismen inhärente Fähigkeit zur kreativen Veränderung ihres Genoms postuliert - zur Diskussion stellt. Wie bei jeder wissenschaftlichen These sollten (im korrekten Falle) die Fakten über "richtig" oder "falsch" entscheiden. Hier hat Bauer allerdings noch einiges an Erklärungsbedarf. Man würde sich beispielsweise - statt diffuser mechanistischer Theorien - über ein paar experimentelle Befunde freuen, z. B. dahingehend, dass die Aktivität von Transposons das Genom - und insbesondere das von Keimzellen - tatsächlich in statistisch vorteilhafter Weise verändert. Auch bleibt der Autor bislang die Antwort auf die Frage schuldig, wie denn diese "inhärente Kreativität des Genoms" einst entstanden sein soll. Hat sie sich durch natürliche Selektion entwickelt (die Bauer ja ablehnt)? Oder ist sie selbst wieder das Resultat eines "kreativen" Prozesses? (Der dann naheliegende Folgegedanke, dass damit der "göttliche Funke" ja auch nicht mehr fern liegt, würde sicherlich den sofortigen Bannstrahl der Bauer-Apologeten nach sich ziehen). Es bleibt hier für Herrn Bauer also noch einiges zu tun. Auf korrekter, d.h. unverfälschter, Grundlage (siehe oben), bin ich jedoch - und das gilt sicherlich für jede an der Materie ehrlich interessierte Person - für eine Diskussion jederzeit offen.

Ärgerlich stimmt einen dann jedoch noch eine weitere Änderung in der Taschenbuch-Ausgabe. In dieser wurde der reisserischen Untertitel der gebundenen Ausgabe, "Abschied vom Darwinismus", durch das weniger reisserische "Evolution als kreativer Prozess" ersetzt. Das wäre zu begrüssen, zeugte es von einer Einsicht des Autors, sich mit der ersteren Aussage vielleicht doch etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt zu haben. Dagegen spricht jedoch die absurde Begründung: Der "böse" Haeckel soll an allem schuld sein (inklusive der Nazis), weil durch ihn der Begriff "Darwinismus" so sehr in Misskredit gebracht worden sei. Ich kann mir nicht helfen: Wenn jemand ständig den angeblichen Dogmatismus anderer betonen muss, wie Bauer dies im Exzess tut, dann riecht das für mich sehr nach Ablenkung von den eigenen Schwächen. In Wirklichkeit hat jede Person, die etwas von der Materie versteht - ob Laie oder Wissenschaftler -, sehr zu Recht den Sinn des ursprünglichen Untertitels als "Abschied von der Selektionstheorie" verstanden. Denn um nichts anderes geht es ja schliesslich in Bauers Buch. Dass dieser nicht den Mut aufbringt, sich dazu zu bekennen, und sich stattdessen hinter dem Feigenblatt "Dogmatismus der anderen" versteckt, finde ich mindestens unaufrichtig.
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19 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Sieht man sich die Statistik der Rezensionen von Joachim Bauers Buch "Das kooperative Gen" einmal genauer an (Stand: Mitte Februar 2010 / bezogen auf die Erstausgabe mit dem Untertitel "Abschied vom Darwinismus"), dann scheint es hier im Wesentlichen entweder nur "sehr gut" (fünf Sterne) oder nur "mangelhaft" (ein Stern) zu geben -- also eine Polarisierung in den Meinungen und Bewertungen dieses Buches.

Das ist insofern sehr überraschend, als das Thema und der Inhalt nun schon seit ca. 15 Jahren nachzulesen sind -- allerdings nicht von deutschen Autoren -- da scheint Joachim Bauer wohl einer der ersten zu sein, der dieses Thema mit seinem Buch "Das kooperative Gen" auf dem neuesten Stand der Forschung sehr verständlich und vor allen Dingen gut lesbar aufgearbeitet hat.

Wenn man an Bauers Buch eine Kritik anbringen will, dann ist es vielleicht die Wahl des Untertitels "Abschied vom Darwinismus" der Hardcover-Version. Hier wäre "Abschied vom Darwinismus wie er bis heute wissenschaftlich bearbeitet und immer noch gelehrt wird" ein zwar viel zu langer, aber aus inhaltlicher Sicht sicherlich zutreffenderer Untertitel gewesen. In der gerade erschienenen überarbeiteten Taschenbuch-Ausgabe ist der neue Untertitel "Evolution als kreativer Prozess" eine wesentlich bessere Wahl, ob das allerdings die Kritiker und Anhänger der eindimensionalen "Synthetischen Theorie" -- also die Neo-Darwinisten -- befriedigen wird, das ist nach der Lektüre der teilweise recht bizarren Kritiken zu bezweifeln.

Was die Kritiker ganz offensichtlich übersehen haben, ist beispielsweise das Buch von Eva Jablonka und Marion Lamb ("Evolution in Four Dimensions"), das 2005 im MIT-Verlag erschienen ist. Hier ist besonders interessant, dass die beiden Autorinnen bereits 1995 ein Buch mit dem -- für Neo-Darwinisten sicherlich provozierenden -- Titel "Epigenetic Inheritance and Evolution: The Lamarckian Dimension" veröffentlicht haben. Sieht man sich einmal die Rezensionen zu "Evolution in Four Dimensions" bei www.amazon.com an, dann findet man dort keine derartige Polarisierung der Meinungen wie dies bei dem Buch von Joachim Bauer in Deutschland der Fall ist. Wer beide Bücher gelesen hat -- und es gibt noch eine Reihe weiterer Titel, die man hier anführen könnte --, reibt sich verwundert die Augen und kann nur vermuten, dass wir es bei einigen Evolutionsbiologen in deutschen Landen mit einem merkwürdigen Hinterwäldlertum zu tun haben. Dieser Eindruck wird noch verstärkt, wenn man sich einmal zu diesem Thema in anderen Kulturen umsieht -- also z.B. in Japan. Seit 2002 gibt es eine deutsche Übersetzung von "Seibutsu no Sekai" (deutscher Titel: "Die Welt der Lebewesen") des japanischen Anthropologen Kinji Imanishi (1902-1992). Die inhaltliche Verwandtschaft zu den Büchern von Joachim Bauer, Eva Jablonka & Marion Lamb und anderen Autoren wie Evelyn Fox Keller, Maximo Sandin, Lily E. Kay oder Mae-Wan Ho -- um nur solche Autor(inn)en zu nennen, deren Bücher ins Deutsche übersetzt wurden --, lässt sich hier förmlich mit den "Händen greifen".

Es lohnt sich in jedem Fall, Joachim Bauers Text zu lesen, da ihm ein tiefes (intuitives) Verständnis des Autors für die Komplexität lebender Prozesse, die sich vor allem durch ihre Selbstrückbezüglichkeit auszeichnen, zugrunde liegt. Wer das Thema nach der Lektüre dieses Buches noch weiter vertiefen möchte, dem kann man die Beschäftigung mit den Büchern einer der oben zitierten Autorinnen nur wärmstens empfehlen.

Ein Problem bleibt natürlich bestehen, nämlich die Frage nach der formalen Darstellung, nach der Modellierung kreativer evolutionärer Prozesse. Mit dem geistigen Werkzeug der klassischen (aristotelischen) Logik und der auf ihr basierenden Mathematik allein ist das nicht zu bewerkstelligen -- aber das ist bereits ein anderes Thema. Anstatt herumzugeifern sollten sich die Evolutionsbiologen einmal mit dem Problem, d.h. der Entwicklung einer standpunktabhängigen formalen (System-)Theorie als einer ersten Ausgangsbasis für ihre Wissenschaft auseinandersetzen. Das wäre dann ein wichtiger evolutionärer(!) Schritt auf dem Weg zu einem besseren Verständnis der Evolution des Lebens, anstatt sich mit dem schlichten eindimensionalen Denken von 'Zufall und Notwendigkeit' zu begnügen.
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