Der Ansatz des Autors unterscheidet sich ziemlich von dem, was sonst so auf dem "Psycho-Markt" vertreten wird, teilweise weicht er sogar radikal ab. Man muß sich deshalb erst ein wenig in die Gedanken des Autors einfinden. Mit zunehmender Lektüre stimmt man ihm dann aber immer mehr zu, und man erkennt, daß man hier wirklich innovative, ja beinahe revolutionäre Gedanken vor sich hat. In manchen Fragestellungen hat mir Jesper Juul die "Augen geöffnet", und vieles, was der Autor schreibt, blieb mir sehr im Gedächtnis, z.B. seine Überzeugung, daß Kinder ja eigentlich (fast immer) kooperieren wollen und Eltern diese Bereitschaft häufig durch zu wenig Einfühlungsvermögen, durch zu wenig eigenes Selbstwertgefühl oder durch Unkenntnis zerstören (mit allen fatalen Folgen für die Eltern-Kind-Beziehung). Man bekommt beim Lesen Mitleid mit all den Kindern, die "falsch" erzogen werden und möchte sich umgehend dafür einsetzen, eine "bessere Welt" für alle Kinder zu schaffen, das Buch hat also hohen Aufforderungscharakter. Dabei ist es sowohl für Eltern, als auch für psychologische, therapeutische und sozialpädagogische Fachleute geeignet. Man merkt auch, daß der Autor weiß, von was er spricht, daß er selbst jahrzehntelange Erfahrung als Therapeut und Vater hat. Der Ton ist sehr warmherzig und menschlich, auch das hat mir gut gefallen. Das Buch ist aber eher schwer zu lesen, man muß sich recht konzentrieren, es ist keiner der üblichen "Erziehungsratgeber", sondern eher ein grundlegendes pädagogisches Fachbuch. Trotzdem ist es empfehlenswert.