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Das kommunikative Gedächtnis
 
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Das kommunikative Gedächtnis [Taschenbuch]

Harald Welzer
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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Broschiert EUR 14,95  
Taschenbuch, September 2002 --  


Produktinformation

  • Taschenbuch: 210 Seiten
  • Verlag: C.H. Beck Verlag; Auflage: 1. Aufl. (September 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 340649336X
  • ISBN-13: 978-3406493362
  • Größe und/oder Gewicht: 21,1 x 12,1 x 1,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 962.361 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2002
Manuela Lenzen zeigt sich recht angetan von Harald Welzers Buch "Das kommunikative Gedächtnis". Der Soziologe und Sozialpsychologe geht darin der Frage nach, was unser Erinnern letztlich bestimmt und beeinflusst, berichtet die Rezensentin. Sie hebt hervor, dass Welzer im Unterschied zu den meisten neueren Büchern über Gedächtnis und Erinnerung nicht nur die neuronalen und emotionalen Grundlagen des Erinnerns darstellt, sondern darüber hinaus die soziale Dimension des Gedächtnis in den Blick nimmt. Nur in der Gemeinschaft und in der Kommunikation mit anderen bildet sich Erinnerung, bringt die Rezensentin Welzers Grundthese auf den Punkt. Der Einfluss der Kommunikation auf Gehirn und Gedächtnis beginne bereits im Mutterleib, setzte sich mit dem "memory talk", mit dem Erwachsene Kleinkinder unwillkürlich in die Formulierung und Gewichtung von Erinnerung einweisen, fort und reiche bis zum Ausfüllen von Erinnerungslücken aus dem Fundus des "kommunikativen Unbewussten" (Welzer). Zur Freude der Rezensentin versteht es der Autor, die graue Theorie auch noch äußerst verständlich aufzubereiten: Entstanden ist ein "gut und durch zahlreiche Beispielgeschichten unterhaltsam zu lesendes Buch", lobt Lenzen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Spektrum der Wissenschaft

Erinnern ist nicht einfach das Abrufen von irgendwelchen Bildern, die in unserem Gehirn abgelegt sind, sondern eine komplexe und von vielen Faktoren beeinflusste Rekonstruktionsleistung. Die Forschung der letzten zwanzig Jahre hat uns zwischen verschiedenen Arten von Gedächtnis zu unterscheiden gelehrt (Spektrum der Wissenschaft 9/1996, S. 52): Mit Hilfe prozeduraler Gedächtnissysteme erschließen wir nichtbewusste Erinnerungen, zum Beispiel an die Bewegungsfolgen beim Schwimmen oder Autofahren, während deklarative Gedächtnissysteme uns erlauben, zurückliegende Erlebnisse und Ereignisse zu rekonstruieren und für das Alltagshandeln nutzbar zu machen. Zudem gewähren rasante Fortschritte im Bereich der funktionellen Bildgebung faszinierende Einblicke in die Gehirnsysteme, die zur Realisierung dieser unterschiedlichen Gedächtnisvorgänge beitragen.

Der Essener Sozialpsychologe und Soziologe Harald Welzer hat sich ein hohes Ziel gesteckt. Er will nicht nur, gestützt auf die neuesten Befunde der Neurowissenschaften, darstellen, wie unser Gedächtnis arbeitet, wie es sich im Laufe der Kindheit aus dem Wechselspiel von vererbten und Umwelteinflüssen entwickelt und welche Rolle Emotionen bei seinen Leistungen spielen. Sondern er will darüber hinaus diesen auf die Einzelperson zentrierten Forschungsansatz auf soziale Prozesse der Erfahrungsbildung erweitern und letztlich die "sozialkommunikativen Mechanismen" verstehen, mit deren Hilfe wir unsere persönliche Vergangenheit rekonstruieren.

Welzer führt zunächst in die zentralen Befunde und Konzepte der Gedächtnisforschung ein. In anschaulicher Art und Weise arbeitet er die vier Grundformen des Langzeitgedächtnisses heraus: episodisches, semantisches, prozedurales Gedächtnis und das Bahnungs-(Pri-ming-)System. Dass Erinnerungen weitgehend Rekonstruktionen sind, wird aus Untersuchungen deutlich, in denen Versuchspersonen vom Kontext aufwühlender Ereignisse wie der Ermordung des schwedischen Regierungschefs Olof Palme oder der "Challenger"-Katastrophe nach Jahren völlig andere Erinnerungen haben - und von ihrer Korrektheit überzeugt sind - als sie kurz nach dem Ereignis zu Protokoll gaben.

Eine wichtige Rolle für das autobiografische Erinnern spielt der momentane emotionale Zustand einschließlich seiner körperlichen Manifestationen. Wir ändern also Erinnerungen, wenn wir sie ins Gedächtnis rufen, je nach Gemütslage immer wieder aufs Neue ab. Das wird bestätigt durch neuropsychologische Befunde an Patienten, bei denen die Verarbeitung emotional gefärbter autobiografischer Information selektiv beeinträchtigt ist.

Anhand von Interviewtexten und Gesprächsbeispielen wird aufgezeigt, dass unser lebensgeschichtliches Erinnern nicht ausschließlich auf selbst Erlebtem basiert. Die geschilderten Beispiele lassen die These, dass Information aus ganz unterschiedlichen Quellen, wie Kinofilme oder Erzählungen, in die eigene Lebensgeschichte eingebaut werden, plausibel erscheinen. Was letztendlich in die eigene Lebensgeschichte einfließt und was dabei identitätsstiftend ist, wird durch sozial-kommunikative Konventionen bestimmt. Das "kommunikative Gedächtnis" Welzers ist demzufolge ein durch emotional gefärbte soziale Austauschprozesse entstandenes autobiografischen Gedächtnis.

Der Schlussteil des Buches basiert fast ausschließlich auf Plausibilitätsabwägungen und ist damit losgelöst von wissenschaftlichen Erklärungszusammenhängen. Hier wird deutlich, dass Welzer sein hoch gestecktes Ziel nicht erreicht hat. Seine Theorie des kommunikativen Gedächtnisses ist nicht eigentlich falsch, aber nutzlos. Sie erklärt nichts, was ohne sie nicht auch erklärt werden könnte. Insbesondere erlaubt sie keine empirisch prüfbaren Vorhersagen.

Unterliegen nicht Erinnerungen, die auf sozial-kommunikativen Prozessen basieren, denselben Mechanismen wie Erinnerungen an nicht kommunikativ vermittelte Ereignisse? Die ausgiebig zitierten Schilderungen eines DDR-Flüchtlings ein Jahr und zehn Jahre nach dem Ereignis weichen auffällig voneinander ab. Ist dieser Unterschied nicht ebenso durch Fehlkodierungen oder Quellenamnesien zu erklären wie unsere - ebenfalls fehlerhafte, aber nicht nennenswert kommunizierte - Erinnerung an ein besonders spannendes Buch oder ein beeindruckendes Gemälde? Sind nicht autobiografische Erinnerungen denselben empirischen Prüfungen zugänglich wie andere Formen des episodischen Erinnerns?

Nach meiner Überzeugung besteht die große Herausforderung an eine biologisch fundierte Theorie des menschlichen Gedächtnisses darin, zu verstehen, wie sich Gedächtnissysteme unter dem Einfluss natürlicher Auslese entwickelt und - in historischer Zeit - an veränderte soziale Umwelten angepasst haben. Ein solcher "sozial-neurowissenschaftlicher Ansatz" würde nicht nur die von Welzer konstruierte Spaltung zwischen einem individuumzentrierten und einem sozialzentrierten Forschungsansatz aufheben, sondern obendrein intersubjektive Erfahrungen einer neurowissenschaftlichen Untersuchung zugänglich machen. Rezensent: Axel Mecklinger

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
26 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Rainbow
Format:Broschiert
Dieses spannende und gut verständliche Buch über die Entstehung und Funktionsweise des autobiographischen Gedächtnisses räumt mit einigen Vorurteilen auf. So erfährt man, dass das Gedächtnis eben nicht wie ein Videoband oder eine DVD funktioniert, auf denen Bilder und Ereignisse sozusagen "objektiv" gespeichert werden, sondern Erlebnisse werden mit Emotionen verknüpft "gewertet" gespeichert.
Bei jedem Aufruf wird die Erinnerung an ein Ereignis verändert und ergänzt.

Erinnerungen können sogar Bestandteile aus Filmen, Büchern oder Erzählungen, also aus Fremdquellen, enthalten, die man in sein Leben "importiert" hat, ohne sich dessen bewusst zu sein.
Jede neue Erfahrung verändert vorangegangene Erinnerungen und wird selbst durch sie geprägt.

Die Gedächtnisentwicklung setzt erst mit der Sprachentwicklung ein, da sie einen kommunikativen Prozess voraussetzt. D.h. Kinder haben ihre frühkindliche Phase nicht vergessen oder "verdrängt" (wie Freud meinte), sondern sie haben noch nicht "gedacht", daher auch kein Gedächtnis ausgebildet. Erinnerung ist eine erlernte Fähigkeit und kulturspezifisch.

Die exakte Wiedergabe von Wahrgenommenem ist absolut die Ausnahme - nicht die Regel - schon deshalb, weil unsere Wahrnehmung lückenhaft ist und unser Gehirn die Lücken "sinnvoll" füllt. D.h. objektive Wahrnehmung gibt es nicht.

In diesem kompakten Taschenbuch werden sehr gute Grundlagen für das Verständnis des autobiographischen Gedächtnisses gelegt.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Martin Schnackenberg TOP 1000 REZENSENT
Format:Broschiert
Harald Welzer bündelt in diesem Buch die neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung, speziell zum Thema Gedächtnis - und die sind hochinteressant! Sehr viele herkömmlichen Vorstellungen dazu, wie wir etwas erinnern, werden in dem Buch hinterfragt oder sogar widerlegt. Es ist ein Buch, welches allerdings sprachlich und von den Inhalten her einiges vom Leser verlangt, insofern muss man diejenigen warnen, die einfach ein interessantes populärwisschaftliches Buch zum Thema erwartet haben, welches man nebenbei am Strand lesen kann (was absolut nicht negativ gemeint sein soll!). Hätte man eine noch breitere Leserschaft ansprechen wollen, so hätten die letzten Kapitel, die z.B. durch ausführliche Beispiele wesentlich anschaulicher gestaltet sind als der erste Teil des Buches, der den theoretischen Hintergrund bietet, noch ausgebaut werden müssen. Das ist der einzige "Vorwurf", den ich dem Autor mache: Anschaulichkeit muss immer möglich sein, auch wenn die Inhalte sehr kompliziert erscheinen - nicht immer ist dieser Ansatz in diesem Buch zu finden. Ansonsten ist dies ist eher ein Buch z.B. für Studierende, die sich einen Forschungseinblick verschaffen wollen (der ausführliche und gut geordnete Anhang erlaubt dies), für Historiker, die erfahren wollen, wie glaubwürdig mündliche Quellen sein können oder für Menschen, die sich beruflich mit dem Thema beschäftigen (z.B. Lehrer/Sprachwissenschaftler/Kulturwissenschaftler).
Es ist ein Buch, welches man langsam lesen muss, welches man bisweilen erneut lesen muss, welches man sacken lassen muss. Und es bringt einen zum Nachdenken über die eigenen Erinnerungen. Was daran ist eigentlich "wahr", wie interpretiere ich mich und mein Leben selber, wem und wessen Erinnerungen kann ich "trauen". Mit einem Wort: Wirklich was zum Grübeln, nicht immer einfach, manchmal ein wenig ermüdend, insgesamt aber hochinteressant und den "Leseaufwand" wert!
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Interessant! 20. Februar 2012
Von Lilac
Format:Broschiert
Eine gute Zusammenstellung gedächtnistheoretischer Erkenntnisse und neuer Ansätze.

Gut zu lesen! Mit zeitgemäßen Beispielen und Erwähnung von relevanten Studien und weiterführender Literatur.

Und auch wenn ich "gut zu lesen" schreibe, sei gesagt, dass es als Fachbuch zu verstehen und auch so zu lesen ist!
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