Was für EINE Enttäuschung! Nachdem ich mit "Quattro Stagioni: Ein Jahr in Rom" bereits ein anderes Buch aus dieser Reihe des ullstein-Verlags gelesen UND mich dabei köstlich amüsiert hatte, griff ich in der BUCHHANDLUNG spontan zu "Das kommt mir spanisch vor", da es mir genau die richtige Lektüre ZUR Einstimmung auf unseren Urlaub in Spanien schien. Mir ist unbegreiflich, was sich der Verlag DABEI dachte, dieses Manuskript durchzuwinken und auch noch in den Handel zu bringen.
Hatte "Quattro Stagioni: Ein Jahr in Rom" JEDE Menge Witz und Esprit, machte regelrecht Lust auf einen Trip nach Rom und neugierig auf DIESE tolle Stadt, so fehlt dies bei "Das kommt mir spanisch vor" vollkommen. In einem EIGENARTIG leblosen und unpersönlichem Stil geschrieben, schafft das Buch eine merkwürdige distanzierte Stimmung. Denn bei den Mitgliedern der ausgewanderten Familie handelt es sich offenbar um namenlose Wesen, die nur mit Kindsmutter (Autorin), Kindsvater sowie mit "...der eine Sohn, der ältere" ODER "...der andere Sohn, der kleine..." betitelt werden - da ist der arme nach Madrid mitgeschleifte Hund NOCH am sympathischsten.
Weder weckt dieses MACHWERK Interesse an Madrid und seinen angeblich so lebenslustigen Einwohnern, noch gelingt es der Autorin, irgendeine Beziehung zum Leser herzustellen. Abgesehen vom Ärger, hierfür auch noch Geld AUSGEGEBEN zu haben, wurden zumindest bei mir keine Gefühle geweckt. Falls Sie sich übrigens fragen, was diese sinnlose und nervige Großschreibung hier soll, geht es Ihnen wie mir bei der Lektüre dieses Buchs. Auch mir blieb ein Rätsel, weshalb Frau Parr manche Wörter auf diese Weise herausstellte, aber dies fällt wohl in den Bereich der künstlerischen Freiheit.
Die beste Beschreibung ihres Buchs liefert Frau Parr übrigens selbst im Kapitel "(M)e(h)r-Leben" - das heißt tatsächlich so. Dort geht es um HABLAR, was sich mit REDEN übersetzen lässt.
Zitat: "Man redet mit anderen oder monologisiert/doziert vor anderen oder am Handy, das hier movil heißt, oder man babbelt einfach so vor sich hin, wie zur Selbstbestätigung, zur Daseinsberechtigung, zur Existenzversicherung seiner selbst.
Meist ist HABLAR laut und meist ist es durcheinander." Zitatende.
Natürlich erfährt man auch noch einige Fakten über die Spanier bzw. den Alltag in Spanien. Beispielsweise, dass es in Madrid (wie wohl in den meisten Großstädten weltweit) so gut wie keine Parkplätze gibt. Dass der Spanier an sich scheinbar IMMER mit dem Lift fährt und Treppensteigen möglichst vermeidet. Und dass nach Hause wankende Zecher nachts auf der Straße lärmen (ist nicht wahr, echt?).
Insgesamt wirkt das Buch, ungeachtet des von mir persönlich als nervig empfundenen Schreibstils, wie eine willkürliche Aneinanderreihung von Fakten über Madrid bzw. Spanien, die man auch jedem guten Reiseführer entnehmen kann. Wobei letzterer noch den Vorteil bietet, wirklich Wissenswertes über das anvisierte Urlaubsziel zu enthalten.
Hätte ich noch den Kassenzettel der Buchhandlung und hätte das Buch nicht etwas gelitten, als ich es genervt zuunterst in meiner Tasche verstaute, ich würde es sofort zurückbringen und mir das Geld wiederholen. So bleibt mir nur, anderen Spanienurlaubern auf der Suche nach einer vergnüglichen Lektüre dringend vom Kauf dieses Buchs abzuraten.