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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Freundschaft,
Von
Rezension bezieht sich auf: Das kaputte Knie Gottes: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dennis ist seit Schulzeiten der beste Freund von Mark. Und hat sich der Kunst verschrieben. Der Betonkunst. Plastiken aus Beton, genauer gesagt. Unter anderem das 'kaputte Knie Gottes' eben. Völlig erfolglos., natürlich. Zunächst jedenfalls. Ein Leben für die Kunst, Studium nach drei Semestern geschmissen, Geld immer Mangelware und zudem entsteht schon der Eindruck, dass die Werke des Dennis, mit Verlaub, einfach inhaltlichen Schrott darstellen. Aber welcher Künstler will das schon hören. Und welcher Freund würde das so ungeschminkt einfach sagen? Und wer weiß, wie die Welt noch drauf reagieren wird, damals, in den 90ern.Mark dagegen. Der Solide. Der Student des Lehramtes, der sich nebenbei an einem Roman versucht, aber, als er hier ins Risiko gehen müsste, ein Stipendium lieber sausen lässt und dafür brav sein Lehrerexamen macht und Katharina heiratet. Einer, der beziehungstreu ist, so muss man es sagen, vor allem Dennis gegenüber. Eine Treue, die ihm nicht immer gedankt wird und zunehmend Belastungen erfährt. Dennis, der oft bedürftig ist nach Hilfe, diese kommentarlos entgegen nimmt (seine Eltern verkaufen sogar ihr Auto, um einem seiner Hunde eine Operation zu ermöglichen). Interessant, dass gerade da, wo Dennis durch Zufall (und einen weiblichen Mäzen) plötzlich Oberwasser bekommt und gar anfängt, seine Werke zu verkaufen, er zunächst aus dem Leben von Mark verschwindet. Interessant auch, dass viele der bestbezahlten Kunstwerke des Dennis auf Ideen seiner Freunde zurückgehen (was Dennis beständig vergisst, zu erwähnen). So entpuppt sich das Buch, angekündigt als 'Zeitgeist der 90er' und 'Persiflage auf die Kunstszene', trotz mancher Spitzen und situationskomischer Verweise auf den überkandidelten Kunst-, Medien- und Fernsehbetrieb samt urkomischer Szenen um manche Kunstwerke und deren Ausstellungen herum, im Kern als ein eher leises Buch. Ein Buch über eine (fast nur) lebenslange Freundschaft, deren Nähen, Distanzen und der Zeit, die es dauert, bis Mark merkt, was er wirklich von Dennis zu halten hat. Angesiedelt im Ruhrgebiet um Bochum herum, versehen mit einigen exotischen Charakteren (Erik, der 'Porno Künstler', große Klappe, nix dahinter, Dennis, der betonierende Hundeliebhaber mit eigenem Betonmischer, Lily, die Pseudo-Marxistin, die bei erster Gelegenheit ins kapitalistische Beratungsgeschäft überwechselt und leider auf Dennis hoch allergisch reagiert) versteht es Marc Degens, die unbeirrte Kraft der Ignoranz köstlich zu schildern, das Staunen über künstlerische Erfolge für so gut wie gar keine Leistung (ein echtes Merkmal der 90er!) und, vor allem, die inneren Beziehungen der Figuren untereinander fast nebensächlich, aber immer präsent, als roten Faden durch das Buch laufen zu lassen. In Teilen wird dies zum Ende hin einfach auch langatmig, manches an Techno-Disco- Erlebnissen interessiert nicht wirklich, dafür kommt der Kunstbetrieb, als es endlich richtig losgeht, tatsächlich ein wenig zu kurz im Buch. Alles in allem eine gelungene 'Freundschaftsgeschichte' mit nachfühlbarer, innerer Entwicklung, einigen guten Einfällen, die zur anregenden Situationskomik führen und manchen Seitenhieben auf eine übertrieben Lebensart, über die man aus der Distanz heraus nur den Kopf schütteln kann. Keine umwerfende, aber eine durchaus anregende Lektüre. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Zwischen Pommesbude, Pornokino und Weltstadt,
Von Thomas Krüger (Cologne, Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Das kaputte Knie Gottes: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich mag dieses Buch. "Das kaputte Knie Gottes" gehört zu jener Sorte Romanen, die dem Lesenden nicht mit einer zweiten Stimme so unschöne Sachen zuflüstern wie: "Vielleicht drückst du dir jetzt mal eine Zigarette auf dem Unterarm aus." Bücher, die sowas suggerieren, verhalten sich nicht nur Rauchern gegenüber meist sehr intellektuell. Was in ihnen steht, verstehen nur wenige, und diese wenigen müssen nichts belegen. Nun gut: sowas ist nicht mein Ding. Der gar nicht unintellektuelle Marc Degens hingegen hat einen sehr lesenswerten Roman über das Ruhrgebiet geschrieben, und der lesende Mensch weiß ja, daß der Ruhrgebietsroman seiner Art nach ein Akt der Vergangenheitsbewältigung ist. Ruhrgebietsromane müssen sich freistrampeln aus den Fußangeln der Nostalgie - was im "Kaputten Knie Gottes" auf elegante Weise gelingt. Vielleicht kam dem Autor entgegen, daß sein Buch zugleich ein Berlin-Roman ist, von dem der bereits genannte lesende Mensch gelernt hat, dass er der Zukunft zugewandt ist und das Wilde, Gute, Aufregende der sexy Metropole zur Sprache bringt. Ergo stolpern Berlin-Romane gern mal über die Wirklichkeit oder die Realität (was immer das ist). Doch auch dieser Falle entgeht Degens - vielleicht mithilfe des Ruhrgebiet-Anteils... Na, wir drehen uns im Kreis.Marc Degens schildert die fiktiv-autobiographische Geschichte der Freundschaft zwischen dem Lehramtsstudenten Mark und Dennis, der seit dem zehnten Schuljahr Bildhauer werden will. Zunächst oszillieren sie beide in diesem speziellen Kosmos zwischen Pommesbuden und Pornokinos, Bochumer Campus-Irrsinn und Reihenhaussiedlungs-Aktivismus. Mark entwickelt eine ausgesprochen beneidenswerte Haltung zum Thema Beischlaf, vernascht Nacht für Nacht Kommilitoninnen und läßt sich vom Studium treiben, während Dennis mit den Widrigkeiten seiner Plastiken kämpft. Was er bildhauerisch schafft, d.h. in Beton gießt, trägt so wunderschöne Namen wie "Fuß ohne Meinung" und ist i.d.R. überkommerziell schwer. Dennis schmeißt das Studium nach dem dritten Semester, um sich ganz der Kunst zu widmen. Um seine Leidenschaft zu finanzieren, jobbt er - im Pornokino "Kurbel", wo sich kassenbrillentragende Bergmann-Fans ihren Voyeurismus schönreden, oder in der Geflügelfabrik, dessen Betriebsratsvorsitzender Hieronymus Bosch heißen könnte. In der Hähnchen-Hölle lernt Dennis Lily kennen, eine zigarillorauchende Salonkommunistin, die den Horizont seiner Erfahrungen erweitert. Kapitel für Kapitel wird die Handlung nun absurder, ohne den Bodenkontakt zur Wirklichkeit zu verlieren - und dies ist die vielleicht erstaunlichste Eigenschaft des Romans. Je größer die Ausschläge werden, die das Leben Dennis abverlangt, desto klarer erscheint dahinter die Kritik am überdrehten, überintellektualisierten, problemzonenbeackernden berlinrepublikanischen Wesen der Gegenwart. Dennis schafft es irgendwann, ein gefragter Bildhauer zu werden - das vollzieht sich in Berlin und nimmt ihm seine menschlichen Eigenschaften. Sein Leben verzerrt sich in Bizarre, während Mark Kurs nimmt aufs "Normale", Eintönige. Wo der Roman das Ruhrgebiet verläßt, zeigt er sich einerseits am kritischsten, andererseits aber verliert die Prosa hier bisweilen auch ihren eigentümlichen Glanz, ihren schillernden Witz. Dennoch ist die Geschichte rund. Mark wird Lehrer, heiratet, macht auf Familie. Dennis, der ihn als Trauzeuge im Stich läßt, verschwindet im Kosmos Berlin. Marks Biographie - in einer Gegenbewegung zu dem, was Dennis widerfährt - wird banal in einem Grad, dass der Literaturkritiker versucht ist, sich zu beklagen. Doch Marc Degens tut nichts anderes, als den Roman zum Ende hin in jener Wirklichkeit landen zu lassen, der zu entkommen die Protagonisten angetreten sind. Daß sie es nicht schaffen bzw. sich dabei verlieren, setzt einen Stempel unter das Buch, der nicht zuletzt für Qualität steht: Realismus. Ein Realismus mit schönem Witz und Feuerwerk zwischendurch. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Also der Titel ist schon originell,
Rezension bezieht sich auf: Das kaputte Knie Gottes: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das Originellste am 'Knie' ist für mich der Titel. Deswegen ' und weil es 'das Lebensgefühl einer Generation spiegeln und ganz nebenbei eine Persiflage auf den Kulturbetrieb schaffen' soll ' habe ich das Buch bestellt.Das Motto hat mir noch sehr zugesagt: 'Ich habe dieses Buch nicht geschrieben, um mich an Dennis zu rächen. Aber verzeihen kann ich ihm auch nicht.' Und die ersten drei Kapitel waren witzig und unterhaltsam, vor allem die Passagen, wo ein paar StudentInnen Brechts 'Die Mutter' aufführen wollen und auf ganzer Linie scheitern. (D.h. eigentlich untersage die berüchtigten Brecht-Erben die Aufführung; aber wahrscheinlich wäre eh nichts Gutes dabei herausgekommen.) Doch dann wurde das Buch für mich langweilig. ' Ich schob das auf meine Gemütsverfassung und legte es ein paar Tage zur Seite. Aber auch nach diesen paar Tagen wurde ich des 'kaputten Knies' nicht froh. Da gibt es den Kunst (genauer: riesige Steinplastiken) produzieren müssenden Dennis und seinen Freund Mark, der Schriftsteller werden will und uns die Geschichte auch berichtet. Es gibt da auch noch die relativ radikal denkende Lily, die eine Beziehung mit Dennis eingeht. Das träufelt so dahin und man weiß nicht, worauf das hinauslaufen soll. Auf mich hat es wie eine wahre Geschichte gewirkt, die mit (zu) wenig Distanz erzählt wird. Die Freunde verlieren sich jedenfalls aus den Augen und Dennis wird später mal zu einem anerkannten Künstler, den der Erfolg korrumpiert. Am Schluss lässt er seinen Freund im Stich, und das kann ihm dieser nicht verzeihen. Vielleicht kann ich nicht mitreden, was das Lebensgefühl der um 1971 Geborenen anbelangt, aber ich habe im 'kaputten Knie' bloß eine simple Desillusionierungsgeschichte vorgefunden, wie sie schon oft (und besser) erzählt worden ist. Und die angebliche Persiflage auf den Kulturbetrieb ist meiner Ansicht nach sehr oberflächlich geraten. Weitaus mehr hat mich gestört, dass dieses Buch keine Innenspannung hat. Es wird nicht nur (stilistisch) beiläufig erzählt, es weist für mich auch keine beabsichtigte Konstruktion auf. Es ist ein Roman, 'wie's Leben halt so spielt'. Nur lässt sich 'das Leben' in einem Roman halt nicht 1:1 abbilden. Ein bisserl Gestaltungswille sollte meiner Meinung nach schon dabei sein, und sei es nur, das Unwichtige auszusondern oder das, was sich 'wirklich' abgespielt hat, dramaturgisch zuzuspitzen. Weil Marc Degens das nicht getan hat, wirkt das 'kaputte Knie' wie eine spontane Lagerfeuer-Erzählung unter Freunden. Von einem 40jährigen, nicht unbeachtet gebliebenen Autor hätte ich mir allerdings bedeutend mehr erwartet. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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