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In erster Linie wendet sich das Buch an Hörfunk- und Fernsehjournalisten, denn auf Besonderheiten des Printinterviews gehen die Autoren nicht ein. Das muss kein Nachteil sein, aber ein Hinweis auf diese Spezialisierung wäre im Klappentext wünschenswert.
In leicht verdaulichen Portionen und anhand zahlreicher Beispielinterviews vermitteln Schwinges und Friedrichs viel Wissenswertes über das „erlernbare Handwerk" Interviewen. Bleiben nach dem theoretischen Lektüreteil beim Leser keine Fragen offen, kann dieser die dazugehörigen Beispiele auch einfach überspringen und sich gleich dem nächsten Themenschwerpunkt zuwenden. Die Kapitel sind in beliebiger Reihenfolge lesbar. Sollte der Leser über einen ihm unbekannten Fachbegriff stolpern, beispielsweise über die Frage, was man unter einer „interpretierenden Nachfrage" versteht, kann er dies, Dank der übersichtlichen Gliederung, schnell und unkompliziert nachschlagen.
Die Analysen und Beurteilungen der Beispielinterviews durch die Autoren sind den Interviews manchmal voran- und manchmal nachgestellt. Günstiger scheint letztere Variante, da der Leser dann die Chance hat, den Text zunächst unvoreingenommen zu lesen und zu bewerten, bevor er seine Sichtweise mit der Autorenmeinung vergleicht.
Beim Lesen fällt angenehm auf, dass sich die Verfasser nicht als „Maß aller journalistischen Dinge" sehen. Nicht nur ihre persönlichen Meinungen und Erfahrungen kommen zum Tragen, sondern auch die etlicher anderer Journalisten und Seminarteilnehmer. Da es sich um ein Fachbuch handelt, welches zum großen Teil von praktisch tätigen Journalisten gelesen wird, haben die Autoren gut daran getan, einen beratenden und nicht allzu belehrenden Ton anzuschlagen.
Ein kleiner Wermutstropfen bei der Lektüre ist die Tatsache, dass die Beispielinterviews schon recht alt sind, im Durchschnitt liegt ihre Veröffentlichung 13 Jahre zurück.
Einen Anspruch auf Vollständigkeit kann und möchte das Buch nicht erheben. Obwohl inhaltlich unterschieden wird zwischen „Grundlegendem" und „Aufbauendem", handelt es sich insgesamt eher um die Vermittlung von Basiswissen. Ihr Informationsziel, „möglichst viele Rezepte zu geben", erreichen die Autoren zweifellos. Sollte der Leser darüber hinausgehende Informationen suchen, beispielsweise zu medienwissenschaftlichen Aspekten oder zur historischen Entwicklung des Interviews als journalistischer Darstellungsform, empfiehlt sich als fortführende Lektüre „Das Interview" von Michael Haller.
Juliane Schoenherr, Deutscher Fachjournalisten-Verband e. V. (2004)
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