Normalerweise hagelt es bei derlei Anlässen neunmalkluge Bücher von Wissenschaftlern und Technokraten, doch diesmal schweigen diese lieber. Zu recht, den ihre "Alles halb so wild, alles unter Kontolle!"-Kommentare aus sicherer Entfernung waren nicht nur kaltschnäuzig, sondern auch falsch, falsch, falsch. Johannes Hanno war vor Ort, hat alles miterlebt und das Lügengebäude der japanischen Atomindustrie mit eigenen Augen gesehen. Und auch wenn er zuweilen in eine überemotionale Mediensprache abzugleiten scheint, seine Schilderung ist glaubwürdig und addiert einiges, was die kurzlebigen Nachrichten nicht transportieren können, z.B. den Gestank unzähliger, unter Trümmern begrabener Leichen. Oder wie die Japaner dann doch der angedrillte Mut verlässt, um Zivilcourage Platz zu machen. Zu flüchten, obwohl der allmächtige Vorgesetzte mit Kündigung droht. Die vielzitierte Tapfer- und Diszipliniertheit der Japaner war eher eine Art Duldungsstarre der Desinformation. Summa summarum ist Hannos Buch eine absurde Neufassung des Märchens "Von einem, der auszog, dass Gruseln zu lernen". Lesenswert, auch für Menschen, die nicht wie ich viel zu nahe an einem Zwilling von Fukushima Daichii leben. Der Wikipedia-Eintrag über das KKW Gundremmingen sei ihnen trotzdem als Sekundärliteratur empfohlen.