Aus der Amazon.de-Redaktion
Eine gelungene und lehrreiche Annäherung an die islamische Kultur ermöglicht das Buch
Das islamische Jahr. Zeiten und Feste der renommierten Orientalistin Annemarie Schimmel. Auf verständliche und anschauliche Weise bringt es dem Leser den islamischen Mondkalender samt Jahreszählung, Wochentagen und Monaten nahe.
So wird zunächst verdeutlicht, dass das islamische Jahr sich gegenüber dem christlich-abendländischen Sonnenjahr jährlich um zehn bis elf Tage verschiebt, um dergestalt den Rhythmus aller gefeierten islamischen Feste vollkommen von den Jahreszeiten zu lösen. Hingewiesen wird innerhalb der Zeitrechnung auch auf die zentrale Stellung der Mondsichel, die schließlich zum Symbol für den Islam wurde. Im Folgenden erklärt die Autorin die Bedeutung der sowohl durch positive als auch negative Eigenschaften gekennzeichneten Wochentage, wobei der Freitag als Versammlungstag der Gemeinde im Mittelpunkt der Betrachtungen steht.
Analog dazu analysiert sie die Bedeutung jedes einzelnen Monats -- den für islamische Feierlichkeiten oder sonstige Ereignisse besonders wichtigen Monaten ist jeweils ein eigenes Kapitel gewidmet. Beschrieben werden hierbei sämtliche in islamischen Ländern zelebrierten Feierlichkeiten -- vom schiitischen Aschura-Fest als Trauertag um den Tod des Prophetenenkels Husain und dem Geburtstag des Propheten über das Fest des Fastenbrechens am Ende des Fastenmonats Ramadan und das Opferfest in Gedenken an das Opfer Abrahams bis hin zum iranischen, allerdings nicht islamischer Tradition entstammenden Neujahrsfest Nauruz. Auch versäumt es die Autorin nicht, auf solche für die Gläubigen bedeutsamen Ereignisse einzugehen, wie die Himmelsreise des Propheten im Monat Radschab, die erste Offenbarung des Korans in "Gottes Monat" Ramadan und nicht zuletzt die Pilgerfahrt nach Mekka einschließlich aller hierbei zu berücksichtigenden Regeln und Riten.
Dank der vergleichenden Gegenüberstellung von lokalen Traditionen und Bräuchen, nach denen die oben genannten Feste auf oftmals unterschiedlichste Art und Weise, je nach Region teilweise auch überhaupt nicht zelebriert werden, offenbart sich der Fassettenreichtum der islamischen Kulturen. Wie der Leser erfährt, sind ohnehin nur das Fest des Fastenbrechens und das Opferfest durch den Koran geboten. Feierlichkeiten, wie sie beispielsweise anlässlich des Prophetengeburtstags vielerorts begangen werden, lehnen Strenggläubige als unerwünschte Neuerung ab.
Lobenswert erwähnen muss man schließlich die vielen interessanten Abbildungen und Quellen, derer sich die Autorin zur Veranschaulichung ihrer Schilderungen bedient. So greift sie sowohl auf historisches als auch auf literarisches Material unterschiedlichster nationaler Herkunft zurück. Sehr wirkungsvoll baut sie auch eigene Erfahrungen sowie volkstümliche Berichte und Legenden ein, die sich um bestimmte Ereignisse der islamischen Geschichte ranken und die zahlreiche orientalische Dichter und Mystiker zu ihren Werken inspirierten. --Susan Radwan
Kurzbeschreibung
Wer eine fremde Religion oder Kultur verstehen will, sollte sich zuerst mit ihren Festen und ihren Zeitvorstellungen vertraut machen. Das gilt in besonderer Weise für den Islam, dessen Kalender stark von unserem abweicht. Dieses Buch führt allgemein-verständlich in den islamischen Mondkalender, die Bedeutung der einzelnen Monate und Wochentage sowie die Jahreszählung ein. Es beschreibt die wichtigsten Feste wie das Opferfest oder das iranische Neujahrsfest, die Pilgerfahrt nach Mekka und den Fastenmonat Ramadan. Annemarie Schimmel versteht es meisterhaft, aus dem reichen Schatz ihrer persönlichen Erfahrungen in vielen Gegenden der islamischen Welt zu schöpfen und zugleich die Geschichte der Feste unter Rückgriff auf bisher kaum bekanntes Quellenmaterial zu erzählen.