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Das hier kenn' ich /Tady to Znám: Gedichte, zweisprachig
 
 
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Das hier kenn' ich /Tady to Znám: Gedichte, zweisprachig [Taschenbuch]

Jáchym Topol , Olaf Nicolai , Natascha Drubek-Meier , S Anderson
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 128 Seiten
  • Verlag: Galrev Druck- u. V.-G. (1996)
  • Sprache: Deutsch, Tschechisch
  • ISBN-10: 3910161707
  • ISBN-13: 978-3910161702
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13 x 1 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.688.492 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

JÁCHYM TOPOL: DAS HIER KENN‘ ICH.

-Wie Fische im Wasser. Gedichte Von Jáchym Topol- „Es kommt auf die Wahrheit an / wie auf eine Fischgräte / Im richtigen Moment / An der richtigen Stelle“ Wie Fische im Wasser, so das Umschlagmotiv, lebt jeder in der Masse für sich, frißt, bewegt sich fort, treibt dahin. Das Leben in der Stadt, womöglich das Leben an sich, ist ein Fressen-und-gefressen-werden; es geht zwar grausam zu, aber das Grausame ist belanglos. Ob sich nun zwei Betrunkene prügeln oder die Nutten an der Straße stehen, ist und bleibt für den Außenstehenden eine nüchterne Betrachtung im Vorübergehen. Doch so ganz allein gelassen mit dem Biorhythmus ist man doch nicht. Es gibt ja Leute, die man trifft – irgendwo, Menschen, die bespitzeln, mit denen man Sex hat oder Krieg. So entsteht und verwebt sich die eigene, persönliche Geschichte mit anderen Dingen, anderen Menschen; sie gerät dabei sogar in Berührung mit der Weltgeschichte, von der das Leben in Prag bestimmt sein kann und in diesem Jahrhundert oft genug bestimmt worden ist. Dann ist man größeren Mächten ausgeliefert, die man wohl oder übel walten lassen muß. Manchmal hilft in dieser Lage nur noch Bier, um alle diese Erlebnisse für Phantasierereien halten zu können. Nein, in eine totale Gleichgültigkeit fällt Topol dabei nicht, seine Sprache ist dafür zu gewalttätig, sein Leben in Underground-Kreisen ist dafür zu aufgeladen. Es ist kein Geplätscher von Worten: da wird gekackt, durchlöchert, zerrissen; da trifft man auf Stromstöße, Propangasbomben und Hackfleischmesser; da bewegt man sich noch mit Absicht gegen etwas, wie unbestimmt und zufällig diese Bewegung auch sein mag, und auch wenn dabei nur Zerstörung / Selbstzerstörung herauskommen sollte. Es ist immerhin eine Reaktion auf Asphalt, Blech und Beton. An derben Sprachelementen mangelt es Topols Texten gewiß nicht, dennoch hütet er sich, ganz in die Alltags-, Umgangs- bzw. Szenesprache abzudriften. Er verwendet die Elemente als Bausteine, die in die Sprachlandschaft Stadt gehören, einer Stadt, die ringsum eher an aufgetürmte Müllhaufen erinnert als an einen (H)Ort hoher Zivilisation. „Würdest du gehen in die Stadt / dich an ihren Scherben erspüren. / Alles kannst du erreichen / und noch das Klirren der Aschetonnen im Wind ist ja ein / Lebenszeichen.“ Sechs verschiedene Autoren – darunter Sascha Anderson, Jörg Schieke und Thomas Kunst – haben sich an die Übersetzung der Texte gemacht, herausgekommen ist ein Band, der eine Auswahl von Topols Gedichten aus drei tschechischen Originalbänden zusammenführt und vorstellt. Die für ein Paperback her angenehme Aufmachung des Bandes aus dem Berliner Druckhaus Galrev ist ausgestattet mit dem Photozyklus Die Launen der Natur von Olaf Nicolai. Die Gegenüberstellung von tschechischen Original und deutscher Übersetzung durch sechs verschiedene Autoren ist sehr erfreulich. Bis auf ein paar orthographische Schnitzer ist dieses Bändchen durchaus empfehlenswert. --Adrian Kasnitz, Kolon, I/98

EIN KLEINES BIER UND GROSSE GEFÜHLE. -Jáchym Topols Gedichte in deutscher Übersetzung-

Jáchym Topol, Rock-Texter und Dichter der Prager Peripherie, wird allmählich auch in Deutschland entdeckt. Anfang 1997 soll sein Roman Andel in deutscher Übersetzung erscheinen, und seit diesem Jahr liegen zwei Bände vor, die sein lyrisches Werk zweisprachig in Auszügen präsentieren: Das hier kenn‘ ich / Tady to znám (Edition Galrev) und K vodojemu 24 / Zwischen Kirche und Western (Verlag C. Weihermüller). Besticht ersterer wegen seine ansprechenden Aufmachung (mit Bildern von Olaf Nicolai) und den vertrauteren Namen der Übersetzer (darunter Sascha Anderson, Thomas Kunst, Lutz Seiler), liegen die Stärken von K vodojemu in der Präsentation des Autors. Neben einer überzeugenden Übersetzung liefern Anja Tippert und Eva Profousová in ihrem Vorwort Informationen zur Person und zum Schaffen Jáchym Topols, die vor allem Leser in Deutschland als wertvolle Einführung begrüßen werden. Wer im Werk des 34jährigen Biographisches und Dichtung strikt trennen möchte, kommt kaum klar. Zwar handelt es sich bei seinen Texten nicht bloß um die chiffrierte Nabelschau eines Rebellen und Außenseiters. Doch das lyrische Ich weiß bestens Bescheid im Leben des Autors, teilt seine Haßliebe zum Prag vor und nach ´89 und kennt die Kinohelden seiner Kindheit: Wenn die US-Kavallerie auf dem Bildschirm gegen die Apachen ritt, schlug er sich auf die Seite der Roten. Es sei denn, die Schlacht fand am Sonntag statt. Da ging er mit den Eltern in die Kirche – was zu Zeiten der „Normalisierung“ auch eine Art zu kämpfen war – und Gojko Mitic mußte allein klar kommen. Dafür rächte sich der Ost-Winnetou, indem er ihn später hängen ließ, bei den Verhören durch die Geheimpolizei, beim Rackern in Lagerräumen und beim Saufen in Vorortkneipen. Topol hält sich an seine Maxime, der Schriftsteller habe „die Welt in sich und um sich scharf zu beobachten und über diese seine Beobachtung die Wahrheit zu schreiben“. Dieses Postulat gilt sowohl für die Themen als auch für die der literarischen Form. Topols Sprache ist straßentauglich, versetzt mit Slang, im Ton manchmal pathetisch, meist aber rotzig wie Rock’n Roll: „… vielleicht sollte ich zum Priester gehen / ihm erzählen vom dritten Monat / den ich in dieser Scheiße im Kanal sitze / aber den Priester haben sie in den Wald mitgenommen / ich könnte mich besaufen / aber das kann man nicht jeden Tag …“ (in „Kinos haben ein Programm, du eine Goldkette“). Oft erzählen die Gedichte Geschichten, wobei die Erzählebene wie in einem Film der Nouvelle Vague „geschnitten“ werden: Erlebtes steht neben Gelesenem, literarische Zitate neben solchen aus Filmen oder Songs, ein kleines Bier neben großen Gefühlen. Was dabei entsteht, sind Innenaufnahmen von der Schnittstelle zwischen dem Augenblick und dem Immer, treibend und dicht wie ein Schlagzeugsolo. --Geoprg Pacurar, Prager Zeitung, 19.12.96

AUSSER ATEM. -Jáchym Topol und die Wiederentdeckung der Poesie-

„Trinkfester Dissident“ (Der Tagesspiegel), „junger Wilder aus Prag“ (FAZ), „Kultautor der 89er Generation in Tschechien“ (Berliner Morgenpost), „Shooting-Star der Prager Literaturszene“ (taz), „enfant terrible der tschechischen Literatur“ (Main-Echo“), „Vordenker der polit-literarischen Szene Prags“ (Freitag) – ein erbitterter Drang zur ultimativen Schlagzeile scheint die Literaturkritiker zu beseelen, wenn von Jáchym Topol (Jg. 1962) die Rede ist. Kaum hat er die internationale Bühne betreten, werden seine Biografie und seine Bücher schon für einen Mythos ausgeschlachtet. Dem einen ist er ein Romantiker im byronschen Sinn, der andere sieht in ihm einen zornigen Beatnik und holt Jack Kerouac aus der Trickkiste, der dritte stellt ihn als Prager Jean Genet jenseits aller gesellschaftlichen Konventionen hin; sogar Dante Alighieri mußte bereits herhalten. Topol verwahrt sich dagegen, daß die Medien aus ihm einen anderen Dichter gemacht haben, als er ist: „Sie möchten über einen Poeten schreiben, der zwanzig Bier trinken kann, der mit Dutzenden von Frauen schläft. Irgendwie haben sie mich zu so einer Figur gemacht, und ich muß mich mit diesem Etikett herumschlagen.“ Was aber läßt erwachsene Menschen, ehrwürdig gereifte Literaturauguren zu solchem Stargestammel hinreißen? Oder, weit wichtiger: was begeistert ein mehrheitlich junges Publikum an diesem Autor? Denn mögen die zitierten publizistischen Schaumschlägereien auch mißtrauisch stimmen, Topols Lyrik und Prosa haben einen ganz eigenen Ton jenseits der literarischen Mittellage, sie faszinieren, sie stoßen ab, aber sie lassen kaum jemanden kalt. Bisher sind von Topol in Tschechien zwei Gedichtbände (Ich liebe dich bis zum Irrsinn, 1988/91 und Am Dienstag gibt es Krieg, 1992) ein Band Erzählungen (Ausflug zur Bahnhofshalle, 1993/95) und zwei Romane (Die Schwester, 1994 und Engel Exit, 1995) erschienen. Deutsche Übersetzungen von Gedichten sind in zwei Auswahlbänden enthalten (Das hier kenn` ich, K Volojema 24), Engel exit ist heuer im Frühjahr erschienen, der „Wenderoman“ Die Schwester wird nächstes Jahr herausgebracht. Übersetzungen gibt es außerdem noch in zehn andere Sprachen. Kein Zweifel, ein hoher Grad an internationaler Aufmerksamkeit für jemanden, der keine Bestsellerthemen vermarktet. Als Sohn einer Dissidentenfamilie – der Vater, ein bekannter Dramatiker, gehört zu den Erstunterzeichnern der Charta 77 – erfährt Jáchym Topol von früh an die Absurditäten des realsozialistischen Alltags. Moby Dick und Winnetou, Abenteuerroman und Wildwestfilm, Undergroundliteratur und Beat sind die Räume, in die er ausweicht, die er mit seinen Fantasiewelten auffüllt. „Was kann man in diesem Loch machen? / Ameisen töten? / Fliegen? / Motten? / auf die Sterne scheißen? /(…) also onanieren? / Schon wieder? / Alles andere ist verboten /(…) Onanieren / und ständig schreiben“ (aus dem Gedicht: Kriegslyrik). Die Aufnahme auf die Universität bleibt ihm wegen seiner Herkunft verwehrt, als Wehrdienstverweigerer landet er in der Irrenanstalt („das gehörte zur Folklore…“). Den Einschränkungen, Verboten, dem gesellschaftlichen Stilstand setzt er seine Opposition entgegen, selbst verlegte Zeitschriften (Revolver Revue), Rocktexte für die Band seines Bruders Filip (Psí vojáci, Hundesoldaten). Von der älteren Dissidentenszene setzt er sich, gemeinsames Merkmal seiner Generation, deutlich ab, man will in den Kreisen des jungen Undergrounds nicht erst lange herumtheoretisieren, man möchte Schluß machen mit dem ausgehagerten Leben. Es ist eine emotional stark aufgeladene Szene, die sich auf die Suche nach einem neuen Lebensgefühl begibt. Der Drang nach Freiheit, der Versuch, offen zu sein, nicht in der Sklavensprache zu sprechen, all diese emanzipativen Äußerungen schwanken stets zwischen Wut und Ohnmacht, zwischen Haß und Verzweiflung gegenüber einer erdrückenden Realität. Der erste Gedichtband Topols, noch in der Undergroundpresse erschienen, spiegelt die widerspruchsvolle Gefühlslage in hohem Maße. Aber auch das andere Element ist vertreten, das Erfinden von Wirklichkeiten, der imaginierte Frei- oder Fluchtraum. Vielleicht rührt der Eindruck hoher Authenzität gerade aus der Spannung, die durch das Vermischen verschiedener Welten entsteht; der Fluchtraum wird nicht nur zum Ort des Rückzugs, sondern Topol öffnet ihn dem Leser. Gegenüber einer Umwelt, in der Verstellung und Lüge dominieren, setzt er auf größtmögliche Ehrlichkeit. Dabei sind seine Gedichte nur zum Teil autobiografische Splitter. In das lyrische Ich übernimmt er verschiedene Rollen, die er sich ganz zu eigen macht. Dem Publikum wird ein breites Repertoire an Identifikationsmöglichkeiten angeboten, das um so leichter angenommen werden kann, als nichts Belehrendes in den Gedichten enthalten ist (siehe Gedicht „Das hier kenn‘ ich“). „Ich spielte eine menschliche rose, ich hatte eine stunde zeit um wachsen, knospen, blühen, welken und verblühen“ (aus: Die Schwester). Plötzlich bricht die bleierne Welt auf, „die Zeit explodiert“, die festgefahrenen Ordnungen und Werte zerstauben, nichts bleibt, wie es ist – oder? Bald nach der Wende zeigen sich schon grundsätzlich verschiedene Tendenzen in der Literatur der ehemaligen Dissidenten. Zahlreiche „Erinnerungsbücher“ (Vaculík, Divis; Zábrana) erscheinen, die versuchen, „die Welt zu erklären“ – man ist sozusagen zur Normalität zurückgekehrt, setzt die Westorientierung als jene Zivilität, für die man gekämpft hat, und denkt mit Schrecken daran, wie man einst von ihr abgekommen ist, wie man eingetaucht ist in eine staatlich monopolisierte Gesellschaftsform mit all den erfahrenen Deformationen. Diese Bücher „erfüllten … das aktuelle Bedürfnis nach einem zwar subjektiven, jedoch nicht korrumpierten, die kürzlich beendete historische Misere bezeugenden geschichtlichen Material“ (Jirí Penás). Dagegen mißtrauen der neuen Normalität vor allem Angehörige der jungen Generation des Undergrounds; die in den achtziger Jahren angetreten sind und bereits Grundzüge einer alternativen Kultur entwickelt haben. Sie sind gar nicht so scharf darauf, von der sozialistischen in die kapitalistische Moderne zu übersiedeln, von einem parteipolitisch verordneten Fortschritt in einen ökonomisch verordneten Fortschritt. Mit den Parteifossilien haben sie absolut nichts zu tun, im Gegenteil, aus der Jugend kommen auch die zündenden Funken zur samtenen Revolution, die ja mit einer Studentendemonstration ihren Auftakt nimmt. Doch fehlt ihnen die Gutgläubigkeit der 68er, daß sich die Menschen und ihre Welt einfach revolutionieren lassen. Die Welt erscheint ihnen vielmehr als etwas Undurchschaubares, kein Spiegel reflektiert sie wahrheitsgemäß, sie haben bereits die Erfahrung gemacht, daß je nach Perspektive völlig verschiedene Reflexionen möglich sind. Und doch äußerst sich hier keine nihilistische Postmoderne, „nicht jene Sinn- und Inhaltsleerung, jenes Bestreben nach grinsender und ironischer Skepsis, vor der keine einzige Autorität, kein verbindlicher Wert besteht“ (Penás). Wohl ist diese „Bewegung“ vielgestalt und schillernd, in ihr finden solipsistische Spielereien ebenso Platz wie Kopien westlicher Produkte, der Nachholebedarf ist hoch. Doch verlangt sie nach Ideen, Utopien, Fantasien, ihr Motto lautet: „neue Welten schaffen“. Es gibt keine alles vereinende Perspektive der Welt, man muß sich erst in ihre fiktionalen Räume hintasten. Auch das Menschenbild hat sich geändert, man sieht sich nicht länger als in die Falle der Welt geworfene Kreatur, sondern als autonomes, eigenverantwortliches Wesen, das eben auch seine eigenen Welten kreieren kann. Die Suche, unter den extremen Bedingungen des Undergrounds im Realsozialismus begonnen, geht weiter, zumal sich die hochgepriesene „neue Wirklichkeit“ als deprimierende Illusion erweist. Genau das bringt Topol in seinem Roman Die Schwester auf den Punkt. Es ist kein Zufall, daß er nun von der Lyrik zur Prosa wechselt, die Zeit der hingerotzten Protestsongs ist erst einmal vorbei, die unzähligen Geschichten, die mit der Wende auf ihn einstürmen, fordern zu einer anderen, breiteren Form heraus, verlangen nach adäquaten literarischen Mitteln. Die Aufbruchseuphorie, die mit dem Staunen der Prager beginnt, als die DDR-Flüchtlinge, die deutsche Botschaft belagern, das „Explodieren der Zeit“ mit den Umbruchsereignissen, das Wendeklima, in dem sofort Sumpfblüten, wie organisierte Kriminalität und Glücksrittertum, aufblühen, der Müll, auf dem sein Held landet, schon Ivan Klíma Symbol realsozialistischer Verkommenheit, niemand hat ihn weggeräumt, im Gegenteil, Märchen, Indianermythen, Agentenstories, die Bahnhofshalle, ähnlich wie die Metrostationen im Roman Engel exit ein apokalyptischer Ort zeit- und geschichtsloser Losertypen -, das sind Bausteine seines Romans, mit denen er spielt, an denen er seine Hoffnungen und Träume aufbaut, ein Abenteuerspielplatz fern jeder Romantik, denn gespielt wird um Existenzielles. Zwar verbietet das neue System aufmüpfige Bücher nicht mehr, doch hat die Wende am zwischenmenschlichen Klima nichts verändert. Der Alltag ist, wie er war, Asphalt, Telefonzellen, Metroschächte, Drehkreuze, Western, Fremdheit, Selbstmorde, Fernsehen, Gespräche wie Schweigen, Mülltonnen, Computer und Dienstag ist Krieg. Im immerfort Immergleichen kann der Dichter sine „angestaute Verlassenheit nachts nur in blöden, schleimigen Gedichten“ rauslassen. Dennoch: „Es gibt viele Möglichkeiten, und eine von ihnen heißt Hoffnung.“ Dazu kommt, daß die expressive Sprache Topols, der Erzählfluß mit seinem raschen Wechsel von Spannung und Entladung alles aufwirbelt, die Abenteuer des Lebens, die Abenteuer im Kopf, das Lebensgefühl, das realistisch-magisch-mythisch-fiktional-existenzielle Erzählgebäude. In der Kritik taucht häufig der Vergleich mit Atem und Atemlosigkeit auf, bei Nachlassen des Erzählflusses müßte man ein Kollabieren des Romans befürchten; dieses Ein- und Ausatmen von Sprache ist es, das es ermöglicht, zu den Wurzeln der Existenz hinabzusteigen und Sinnfragen zu stellen. Tempo und Tonlage erinnern zudem an die Gestimmtheit der amerikanischen Beatnik-Literatur, die in der CSSR erst in den achtziger Jahren teilweise rezipiert werden konnte. Topol leugnet die Einflüsse Ginsbergs und Burroughs nicht, bezeichnet selbst aber Gottfried Benn, Isaac B. Singer, Egon Bondy und Bohumil Hrabal als literarische Vorfahren. Das rasante Sprudeln des Erzählflusses und die expressiven Sprachkaskaden lassen ein spontan dahinrauschendes, dem Augenblick und dem Zufall überlassenes Erzählen vermuten. Doch sowohl Die Schwester als auch Engel exit sind durchkomponierte Texte. Es gehört weit mehr als handwerkliche Fertigkeit dazu, so disparate Teile wie die einzelnen Kapitel der Engelsgeschichte ganz locker zu einem Ganzen zu verbinden. Die Personen und ihre Lebenssituationen sind genau beobachtet, teils selbst erfahren, Topol akzeptiert das gerade durchlebte Leben mit seinen Bedrängnissen, Abgründen und Abscheulichkeiten. Mancher Kritiker hat Engel exit in die Schublade des Sex und Crime gesteckt, als Roman über „das Leben der Junkies, die wie angepaßte Kleinbürger ein simuliertes Leben leben“ (Freitag, 21.3.97). So griffig dieser Satz klingt, so wenig trifft er, denn Topol bezweckt nicht im mindesten das Dokumentieren der Lage einer gesellschaftlichen Randgruppe. Seine Suche nach einem irgendwie anderen Leben ist die Triebfeder einer eigenartigen Zuwendung zu den Erniedrigten dieser Gesellschaft, zugleich auch der Bodensatz in dem noch unausgesprochene Utopien formuliert werden können, vielleicht oder gerade aus den Mündern von Junkies, Stadtstreichern und Prostituierten. Mag sein, daß hier der springende Punkt liegt, weshalb Topol bei den Jüngeren besonders ankommt. Seine Protestgeste, sein Aufschreiben von Fantasiewelten, die sich deutlich von der traditionellen Literatur abheben, sein unbändiger Freiheitsdrang, seine Lust am Leben, am Erzählen, seine expressive Schnellzugsprache, seine Themen und Milieus – das alles mag für ihn einnehmen. Vor allem, aber ist Topol ein Hoffnungsträger – für noch nie Gesagtes. Vielleicht wird er nach seinen Erfolgen auch ein „angepaßter Kleinbürger“, der in zehn Jahren bei Lou Reed und Velvet Underground nostalgisch die guten alten Zeiten beschwört. Aber: „Es gibt viele Möglichkeiten und eine von ihnen heißt Hoffnung.“ --Balduin Winter, Kommune, 6/97


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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Nach dem Lesen der Übersetzungen von sieben Gedichten habe ich abgebrochen. Danach nur noch die Originale gelesen. Man bekommt den Eindruck, die Übersetzer vom Verlag Galrev hätten unter sehr großem Zeitdruck, ohne Interesse oder in völliger Unkenntnis des Autors gearbeitet. Aussagen werden völlig verdreht, Zusammenhänge zerrissen, Zeitformen verschoben. Absolut ungeeignet für Topol-Einsteiger. Naja, für Topol- Kenner wohl auch ...... Wer den wirklichen Topol kennenlernen möchte, sollte zu den Übersetzungen von "Schwester" oder dem "Engel Exit" wechseln.
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