Ich hab mich noch nie dazu gedrängt gefühlt, über ein Buch zu schreiben, die bisher einzige Rezension steht aber derart im Gegensat zu meinem eigenen Eindruck, dass es einem keine Ruhe lässt ...
Wer sich einen "klassischen" Werwolfroman erwartet und nicht imstande ist, sich nach den ersten Seiten auf ein "anderes" Buch einzustellen, sollte tatsächlich die Finger davon lassen bzw. weiter in seiner "Hochburg der Dunkelheit" hausen.
In der o.a. Kurzbeschreibung stecken ein paar Fehler, deren Richtigstellung gleich zu einigen Charakteristika dieses Buches führt. Ahuli heißt tatsächlich A-Huli (und ihre Schwestern dann B-Huli, C-Huli usw. - ein erster winziger Hinweis auf die Ironie und den Humor, der in und zwischen allen Zeilen des Buches steckt).
Sie ist auch kein Werwolf, sondern ein Werfuchs und hat dementsprechend einen alten, fernöstlichen Hintergrund, der in vielen ihrer Monologe/Dialoge/Reflexionen zum Vorschein kommt.
Eingangs lässt sich A-Huli gleich über die ihr peinliche/unangenehme Bedeutung des "Huli" im Russischen aus, ohne dass erklärt wird, was diese eigentlich ist. Auch ohne dieses Hintergrundwissen ist es aber einfach amüsant zu lesen. Das Buch ist voll von Anspielungen auf alles mögliche und scharfsinnig-ironischen Betrachtungen darüber. Ich hab auch nur bei einem Teil der als solchen erkennbaren Anspielungen gewusst, worum es geht. Trotzdem hab ich das lediglich als eigenes Defizit empfunden und nicht als Manko des Buches, das sich an Stellen mit solchen Wissenslücken dennoch ausgesprochen unterhaltsam liest. Wer etwa weiß, worum es beim "marinierten" Haifisch in der Galeri Saatchi geht (Stichwort Damien Hirst, kommt als solches natürlich nicht im Buch vor), die Diskussionen über den (Un)sinn und völlig irrealen Preise solcher Arbeiten kennt, der kann dann natürlich umso mehr darüber lachen, wenn Pelewin solche Auswüchse aufs Korn nimmt. Dies nur als Hinweis darauf, dass es um sehr viel mehr Themen als nur um russische Politik geht.
Vielleicht kann ein (natürlich sehr subjektiver und selektiver) Vergleich mit anderen Autoren am ehesten einen Eindruck vom Wesen des Buches vermitteln: Wer mit Michail Bulgakow (Der Meister und Margarita), Terry Pratchett, Sergei Lukianenko und fernöstlicher Philosophie etwas anfangen kann, für den ist das Buch ein Volltreffer. Für andere eben nicht.
Einziges Manko aus meiner Sicht: An ein paar Stellen schwadroniert A-Huli einfach zu ausholend und langatmig, sodass ich schon mal ein paar Zeilen überlesen habe. Das reicht aber nicht, um weniger als 5 Sterne an Pelewins Brust zu heften.