Ein Pitbull: Der gerade noch lebend gefunden wird, kurze Zeit später jedoch stirbt und begraben wird. Dessen toter Hundekörper allerdings wieder auftaucht, um erneut ver-be-graben zu werden. In einem Buch, das Georg seinem Freund Frannie zeigt, ist ein Porträt von diesem Pitbull zu sehen. Es ist eine Reproduktion, dessen Original aus dem Jahre 1750 stammt. Bildtitel und Name des Hundes sind gleich. Old Vertue.
Ähnlich verhält es sich mit der alles-farbenen-duftenden Feder. Auch sie kehrt in ihren verschiedenen Daseinsformen immer wieder (in diese Geschichte zurück).
So nimmt das Geschehen Anlauf ... Und der Leser hat die Wahl, entweder das Ganze als Posse einer Verschwörung, gegen Frannie, dem Polizeichef von Cran's View, zu verstehen und mit gewohnter Logik zu betrachten oder aber die Pfade des vernünftigen (Schluss)Folgerns zu verlassen, um sich zumindest zeitweise auf Sichtweisen einzulassen, die mehr mit Wundern - der Art wie sie vielleicht (innere) Kinder wahrnehmen können - und Zeichen einer höheren Macht zu tun haben.
Dabei erscheint mir die zweite Möglichkeit der Herangehensweise an Jonathan Carrolls "hölzernes Meer" und der Frage danach, wie man es überquert, als die Beschwerlichere.
Habe ich Anfangs das Gefühl, es ginge "nur" darum, die Geschichte mit Kinderaugen zu erleben, so murmelt mir Astopel mein Lesekonzept durcheinander - auch nach einigen Wochen Pause und dem erneuten Versuch, mich dem Buch zu widmen.
Er, der sich von außen einmischen darf, bringt Plottschienen durcheinander, in dem er mit "seinen" Protagonisten "spielt", sie durch Zeit und Raum von Ort zu Ort schickt und dabei jüngere und ältere Ichs aufeinander los lässt. Sicherlich, er steht für die, die auf der Metaebene an etwas Größerem wirken und dafür sorgen müssen, dass alles im richtigen Augenblick zueinander findet. Und doch erscheint mir sein "gott"gleiches Auftreten als fraglich und hinterlässt in mir Unsympathie.
Ich bin mir sicher, es würde nicht Carrolls Art des Erzählens entsprechen, wenn es bei dieser einen Deutigkeit bliebe. So sind es sowohl Frannies als auch Floons jüngeres und älteres Ich, die im Verlauf der Geschichte die Spur zu einer weiteren Essenz dieses Buches legen ...
Zum Ende der Handlung löst sich nicht alles in Verstehen auf. Das würde vermutlich auch nicht im Sinne des Autors sein. Im Großen und Ganzen kann ich aber sagen:
Für versierte Carroll-Liebhaber ist es ein durchaus lesenswertes Buch. Neulingen würde ich zum Einstieg in Carrolls Welten allerdings eher Titel wie "Das Land des Lachens" oder "Schlaf in den Flammen" empfehlen.
Diese beiden Bücher haben damals zumindest mir den Zugang sehr versüßt und leicht gemacht.