Wer den "Dicken" nur aus den unsäglichen Klamaukfilmen der frühen 70er kennt, der hat das Beste verpasst: Heinz Erhardts Gedichte und Kurzgeschichten beweisen eins ums andere, wie virtuos er die Sprache beherrschte, wie er mit ihr spielen konnte wie kaum ein zweiter (mit einigen seiner besten Stücke reüssierten übrigens andere: Etwas mit dem "Klapperschlang"-Schüttelreim, oder mit dem "König Erl", um nur zwei Beispiele von vielen zu nennen). Der nur scheinbar gemütliche Biedermann hatte es nämlich faustdick hinter den Ohren.
Wir verdanken ihm nicht nur die Made hinter eines Baumes Rinde, das Fräulein Mabel und andere Klassiker (Ja! Klassiker!). "Das große Heinz Erhardt Buch" zeigt auch andere Facetten dieses unterschätzten Virtuosen. Beim Blättern und (Wieder-)Lesen begegnet einem nicht nur Kurzweiliges und Pfiffiges, nicht nur die ungebremste Freude am Spiel mit der Sprache, sondern auch Hintersinniges, nicht gerade Adenauer-Konformes, und wenn man genauer hinschaut, auch so manches, das gar nicht zum Klischee des harmlosen Biedermannes passt -- man lese einmal beispielsweise die Vierzeiler und stelle sich vor, einige von ihnen wären bei einem Sit-in anno 68 vorgetragen worden. Die Vorstellung ist keineswegs abwegig.
Und schließlich: Erhardt schrieb nicht nur wunderbare witzige Gedichte, sondern auch sehr melancholische, gescheite. Warum eigentlich findet man sein "Abendlied" nicht in Lesebüchern? Es hätte es verdient.
Wie dem auch sei, dieses Buch ist eine Fundgrube. Vertreten sind Klassiker wie das Fräulein Mabel oder das mytho-unlogische Gespräch, herrliche Parodien wie z.B. der "König Erl", die "Gazelle" oder der "Tauchenichts" (Wer wagt es, Knippersmann oder Ratt, zu schlauchen in diesen Tund), das "Versepos" über Leben und Heldentaten des Ritters Fips. Doch es lohnt sich, in diesem Buch zu blättern und zu lesen. Heinz Erhardt war nicht nur ein begnadeter komischer Dichter (was allein schon seinen Ruhm zu Recht begründete), sondern auch ein gescheiter Denker.