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Das grobmaschige Netz: Roman [Taschenbuch]

Håkan Nesser , Gabriele Haefs
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (48 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Ein begnadeter Krimiautor - vielleicht der beste ganz Schwedens!" (Hamburger Abendblatt)

"Nesser schreibt spannender, hintersinniger, literarischer als der Rest der schwedischen Krimi-Elite." (Brigitte)

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Håkan Nesser, geboren 1950, ist einer der interessantesten und aufregendsten Krimiautoren Schwedens. Für seine Kriminalromane um Kommissar Van Veeteren und Inspektor Barbarotti erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, sie sind in mehrere Sprachen übersetzt und wurden erfolgreich verfilmt. Daneben schreibt er Psychothriller, die in ihrer Intensität und atmosphärischen Dichte an die besten Bücher von Georges Simenon und Patricia Highsmith erinnern. "Kim Novak badete nie im See von Genezareth" oder "Und Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla" gelten inzwischen als Klassiker in Schweden, werden als Schullektüre eingesetzt, und haben seinen Ruf als großartiger Stilist nachhaltig begründet. Håkan Nesser lebt mit seiner Frau in Stockholm und auf Gotland.

Dr. Gabriele Haefs studierte in Bonn und Hamburg Sprachwissenschaft. Seit 25 Jahren übersetzt sie u.a. aus dem Dänischen, Englischen, Niederländischen und Walisischen. Sie wurde dafür u.a. mit dem Gustav- Heinemann-Friedenspreis und dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet, zuletzt 2008 mit dem Sonderpreis für ihr übersetzerisches Gesamtwerk. Sie hat u.a. Werke von Jostein Gaarder, Håkan Nesser und Anne Holt übersetzt. Zusammen mit Dagmar Mißfeldt und Christel Hildebrandt hat sie schon mehrere Anthologien skandinavischer Schriftsteller herausgegeben.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Erster Teil
Samstag, 5. Oktober - Freitag, 22. November

l
Er erwachte und konnte sich nicht an seinen Namen erinnern.
Außerdem tat ihm alles weh. Flammen loderten in seinem Kopf und in seinem Hals, seinem Magen und seiner Brust. Er schluckte, aber es blieb dann bei dem einen Versuch. Die Zunge klebte ihm am Gaumen. Brannte und schrie nach Wasser.
Seine Augen pochten. Schienen aus ihren Höhlen herausquellen zu wollen.
Ich bin niemand, dachte er. Nur ein einziges großes Leiden.

Das Zimmer war dunkel. Er bewegte einen Arm, der andere lag eingeschlafen und stechend unter ihm.
Doch, es gab einen Nachttisch. Ein Telefon und ein Glas. Eine Zeitung. Einen Wecker.
Er hob den Wecker, doch der rutschte ihm aus den Fingern und fiel auf den Boden. Er tastete eine Weile danach, bekam ihn dann zu fassen und hob ihn hoch, hielt ihn sich vors Gesicht.
Das Zifferblatt war selbstleuchtend. Er erkannte die Zahlen.
Zwanzig nach acht. Morgens, vermutlich.
Noch immer wußte er nicht, wer er war.
Das war ihm noch nie passiert. Natürlich war er schon häufiger aufgewacht, ohne zu wissen, wo er war. Oder welcher Tag es war. Aber seinen Namen... hatte er denn jemals zuvor seinen Namen vergessen?
John? Janos?
Nein, aber etwas Ähnliches.
Irgendwo weit hinten in seinem Hirn war alles gespeichert, nicht nur sein Name, sondern alles... sein Leben und seine Gewohnheiten und seine Schwächen. Alles lag da, zum Greifen nah. Hinter einer dünnen Haut, die nur zerrissen werden mußte. Eigentlich beunruhigte ihn das nicht weiter. Er würde alles, was er wissen mußte, noch früh genug erfahren.
Und vielleicht bestand ja gar kein Grund zur Vorfreude.

Plötzlich steigerten sich die Schmerzen hinter seinen Augen. Vielleicht kam das vom Denken, auf jeden Fall war der Schmerz eine Tatsache. Eine weißglühende und entsetzliche Tatsache. Ein Schrei aus Fleisch. Und nichts hatte daneben noch Bedeutung.

Die Küche lag links und kam ihm bekannt vor. Er brauchte gar nicht lange nach dem Röhrchen zu suchen, die Gewißheit, daß er bei sich zu Hause war, wurde immer größer. Natürlich konnte ihm in der nächsten Sekunde alles wieder einfallen.
Er ging zurück in die Diele und versetzte einer Flasche, die auf dem Boden lag, einen Tritt. Die Flasche kullerte über das Parkett und blieb unter dem Heizkörper liegen. Er ging zur Toilette. Drückte auf die Klinke.
Die Tür war abgeschlossen.
Mühsam bückte er sich. Stützte die Hände auf die Knie und betrachtete das Schloß.
Rot. Richtig. Besetzt.
Übelkeit stieg in ihm auf.
»Aufmachen...« wollte er sagen, aber er brachte nur ein heiseres Krächzen zustande. Wie um den Ernst der Lage zu betonen, schlug er zweimal mit den Fäusten gegen die Tür.
Keine Antwort. Kein Laut. Wer immer drinnen saß, hatte einwandfrei nicht vor, ihn einzulassen.
Ohne Vorwarnung stieß er reichlich sauer auf. Vielleicht kommt noch mehr... er wußte, daß es jetzt um Sekunden ging. Rasch stolperte er wieder durch die Diele. Und in die Küche.
Die kam ihm diesmal vertrauter vor als vorhin.
Ich bin auf alle Fälle in meinem Haus, dachte er und kotzte ins Spülbecken.

Mit Hilfe eines Schraubenziehers drehte er dann am Schloß der Badezimmertür herum. Er hatte das sichere Gefühl, das nicht zum ersten Mal zu machen.
»Entschuldigung, aber mir blieb nichts anderes übrig.«
Er ging hinein und wußte in dem Moment, in dem er das Licht einschaltete, wieder, wer er war.
Und auch die Frau in der Badewanne konnte er sofort identifizieren.
Sie hieß Eva Ringmar und war seit drei Monaten mit ihm verheiratet.
Sie lag in einer seltsam verzerrten Haltung in der Wanne. Ihr rechter Arm hing in unnatürlichem Winkel über den Wannenrand. Ihre sorgfältig manikürten Nägel berührten den Fußboden. Ihre dunklen Haare schwammen auf dem Wasser. Ihr Gesicht war nach unten gedreht, und da die Badewanne bis zum Rand gefüllt war, konnte kein Zweifel daran bestehen, daß seine Frau tot war.
Er selber hieß Mitter. Janek Mattias Mitter. Lehrer für Geschichte und Philosophie am Bunge-Gymnasium in Maardam.
Normalerweise wurde er JM genannt.

Als ihm diese Erkenntnisse gekommen waren, kotzte er ein weiteres Mal, dieses Mal in die Toilette. Danach nahm er noch zwei Tabletten aus dem Röhrchen und rief die Polizei an.


2
Die Zelle war wie ein L geformt und grün. Ein einziger einheitlicher Grünton, an Wänden, Boden und Decke. Verhaltenes Tageslicht sickerte durch ein hochgelegenes Fensterchen. Nachts konnte er einen Stern sehen.
Es gab eine Ecke mit Waschbecken und Wasserklosett. Eine an der Wand befestigte Pritsche. Einen wackeligen Tisch mit zwei Stühlen. Eine Deckenlampe. Eine Leselampe.
Er nahm verschiedene Geräusche wahr und die Stille. Und den Geruch seines Körpers.

Der Anwalt hieß Rüger. Er war groß und bucklig und zog das linke Bein nach. Mitter schätzte ihn auf Mitte Fünfzig, einige Jahre älter als Mitter selber. Rügers Sohn kannte er, wenn er sich nicht irrte, aus der Schule. Hatte ihn vielleicht sogar unterrichtet... einen blassen Jungen mit unreiner Haut und ziemlich schlechten Leistungen. Vor acht oder zehn Jahren mußte das gewesen sein.
Rüger gab ihm die Hand. Drückte seine lange und kräftig und machte dabei ein ernstes und zugleich wohlwollendes Gesicht. Mitter hatte den Eindruck, daß sein Gegenüber irgendwann mal einen Psychologiekurs besucht hatte.
»Janek Mitter?«
Mitter nickte.
»Eine schlimme Geschichte.«
Der Anwalt zog seinen Regenmantel aus, schüttelte das Wasser heraus und hängte ihn an den Haken neben der Tür. Der Wärter drehte zweimal den Schlüssel im Schloß und entfernte sich durch den Korridor.
»Draußen regnet's. Hier drinnen ist es eigentlich viel gemütlicher.«
»Haben Sie eine Zigarette?«
Rüger fischte eine aus der Tasche.
»Nehmen Sie, so viele Sie wollen. Ich verstehe nicht, warum die euch das Rauchen nicht erlauben.«
Er setzte sich an den Tisch. Legte seine schwere lederne Aktentasche darauf. Mitter zündete die Zigarette an, blieb aber stehen.
»Wollen Sie sich nicht setzen?«
»Nein, danke.«
»Wie Sie wollen.«
Der Anwalt öffnete eine braune Mappe. Nahm mit Maschine beschriebene Blätter und einen Notizblock heraus. Tippte einige Male mit dem Kugelschreiber auf den Tisch und stützte dann die Ellbogen auf.
»Eine schlimme Geschichte, wie gesagt. Das möchte ich gleich zu Anfang loswerden.«
Mitter wartete.
»Sehr viel spricht gegen Sie. Deshalb müssen Sie mir gegenüber aufrichtig sein. Wenn wir zueinander kein vollkommenes Vertrauen haben, dann kann ich Sie nicht erfolgreich verteidigen... das verstehen Sie doch sicher?«
»Ja.«
»Ich setze auch voraus, daß Sie mir bereitwillig Ihre Ansichten mitteilen werden.«
»Meine Ansichten?«
»Wie wir vorgehen wollen. Natürlich entwickle ich die Strategie, aber es geht ja schließlich um Sie. Und Sie sind doch offenbar ein intelligenter Mensch.«
»Ich verstehe.«
»Gut. Wollen Sie selber erzählen, oder soll ich Fragen stellen?«
Mitter drückte die Zigarette im Waschbecken aus und setzte sich an den Tisch. Vom Nikotin war ihm einen Moment lang schwindlig geworden, und plötzlich empfand er nur noch tiefe Traurigkeit. Das Leben. Dieser krumme Anwalt, die unglaublich häßliche Zelle, der schlechte Geschmack in seinem Mund und die vielen unvermeidlichen Fragen und Antworten, die ihm bevorstanden - alles machte ihn traurig.
Entsetzlich traurig.
»Ich bin mit der Polizei schon alles durchgegangen. Seit zwei Tagen mache ich nichts anderes.«
»Ich weiß, aber ich muß Sie trotzdem bitten. Das gehört zu den Spielregeln, das verstehen Sie doch sicher.«
Mitter zuckte mit den Schultern. Schüttelte eine weitere Zigarette aus der Packung.
»Ich glaube, es ist besser, wenn Sie Fragen stellen.«
Der Anwalt lehnte... -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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