Pünktlich zu der Fellowship of the Ring Film-Hysterie erschien nun auch ein deutsches Lexikon zu Tolkiens Werken, das nicht wie Kreges nur im Verbund mit anderen erhältlich war, und das den Anspruch erhob, der "Foster" der deutschen Tolkiengemeinde zu sein.
Nun sollte aber schon ein kurzer Blick sofort klar machen, das dieses Buch in keinster Weise dem gerecht werden kann.
Der Autor scheint von einer angemessenen wissenschaftlichen Betrachtung Tolkiens, die nun wiederum gleichsam zwangsläufig aus der Philologie kommen muss, genauso weit entfernt zu sein, wie von der Fähigkeit, objektiv und differenziert zu schreiben. Gekrönt werden die Artikel, die selbst keine wissenschaftliche oder auch nur praktische Indexfunktion erfüllen, von absolut lächerlichen und geradezu ignoranten Interpretation seitens des Autors, die selbstverständlich nicht als solche gekennzeichnet werden. Ferner zieht Schneidewind unnötige, undifferenzierte und schlecht recherchierte Parallelen zu 'Quellen' Tolkiens, und gibt diesen sogar eigene Stichwörter, ohne aber ihre wahre Relevanz, die Tolkien selbst durchaus zu Lebzeiten erläuterte, herauszustellen.
Wer meint, Schneidewinds New Age-Verständnis von germanischer Mythologie sei der Rezeption Tolkiens hilfreich, soll sich allerdings bewusst sein, dass man sich somit gefährlich weit vom Werk und Autor Mittelerdes entfernt.
'Geziert' wird das Buch dann auch noch von den völlig deplazierten und, bei allem Verständnis, amateurhaften Zeichnungen von Frau Schneidewind, die man in viel besserer Form zu hunderten als Fanart online betrachten könnte.
Kurzum, dieses Buch hätte nie erscheinen brauchen. Als Beitrag eines Tolkien-Fans ist es zwar akzeptabel, aber nicht unter dem Anspruch eines Lexikons über Mittelerde.