Das Buch verdient zu Recht ein Lob für seine grossartigen Illustrationen. Leider sind die alten Sagen aber nur mittelprächtig erzählt, vom Autor scheinbar in der Absicht, jeden Nebenstrang der Handlung aus den Original-Epen mitaufzunehmen und jede Nebenfigur wenigstens einmal erwähnt zu haben. Das macht die Texte zuweilen schwerfällig. Als Vorlese-Buch - auch für ältere Kinder - oder zur Selbstlektüre für ein jugendliches Lesepublikum ist es daher nur bedingt geeignet. Zudem darf man über die altertümelnde Ausdrucksweise geteilter Meinung sein.
Ein wenig unsinnig erscheint nebenbei die Einteilung in Sagen aus Deutschland, Frankreich und England, bei Texten aus einer Zeit, in der es solche Staatsgebilde überhaupt nicht gab und bei Stoffen, deren Wurzeln an vielen Orten in Europa liegen. (Warum erscheint "Lohengrin", das in Brabant spielt, als deutsche Sage? Warum "Tristan & Isolde" mit seinen keltisch-irischen Wurzeln als englische?) Eine solche VerORTung in unser modernes Koordinatensystem von Nationalstaaten ist ebenso müssig wie die Frage, ob Karl der Grosse ein deutscher oder ein französischer Kaiser war.
Der Kritik zum Trotz - den Kauf des Buches habe ich nicht bereut.