Samstags gehört der Papa ebay...(S.47)
Die letzten 10 Jahre haben unser Leben viel stärker verändert, als wir gemeinhin zuzugeben bereit sind. Sind jetzt, Internet sei Dank, die paradiesischen Zustände erreicht in denen Arbeit und Freizeit das Gleiche sind, Demokratie und freie Meinungsäußerung endlich für jeden verwirklicht werden können, tatsächlich jeder ein Star werden kann, und das nicht nur für die berühmten warholschen 5 Minuten sondern auch dauerhaft sichtbar und dann nicht mehr so leicht zu ändern? Hmmm, da fängts nämlich an: die bunte Welt des Internet ist nämlich doch ein Ort, den man mit Bedacht aufsuchen sollte. Dieses kleine Buch, fast möchte man es ein Pamphlet nennen, beschäftigt sich mit den Fallstricken und Zwängen, die sich aus der vermeintlichen Unabhängigkeit ergeben, die die Strukturen im Netz vorgeben. Das "ich leb` online.."(Werbung vor ein paar Jahren) hat sich für viele längst als Fluch herausgestellt. Gab es da nicht mal ein richtiges Leben, soziale Netzwerke mit wirklichen Menschen? Lästig, lästig.
Erstaunlich, wie oft man sich in diesem Buch doch ertappt fühlt, wenn es zum Beispiel um die nie angeguckten, gesammelten Digitalbilder geht, die auf dem Rechner schlummern, oder die Kinder, die nicht so viel in die Röhre schauen sollen und statt dessen lieber mal draussen was machen..
Wer kennt das Problem nicht auch (Zitat S.26): "....ist eine neue Sorge unser ständiger Begleiter geworden, die Angst um unsere wertvollen Selbst- und Welterfahrungsgeräte. Die Kamera könnte geklaut, der Laptop überfahren, die Festplatte gelöscht werden. Dann wären alle Bilder und Erinnerungen unwiederbringlich verloren. Was bliebe dann noch übrig von uns?"
Das Buch bringt viele Dinge bitterböse geschrieben auf den Punkt. Hier hat jemand, der durchaus auch Ahnung hat vom Internet, und das ist in diesem Zusammenhang, schon wichtig zu bemerken, sich mal den Ärger von der Seele geschrieben und nebenbei auch noch eine schöne Skizze unserer heutigen Gesellschaft geliefert. Es ist kein Buch, das die sog. neuen Medien in Bausch und Bogen verteufeln will, aber das Stilmittel der Ironie bringt den Leser hier wirklich oft dazu auch sein eigenes Verhalten mal zu überdenken und (wie war das noch bei Peter Lustig?) ab(zu)schalten, Kinder!