Dass dieses Buch erstmals 1998 erschien, mag diejenigen verwirren, die es bereits im Büchergestell ihrer Eltern gesichtet haben. Doch das liegt nicht an deren Erinnerungsvermögen, sondern an der Tatsache, dass es der Zusammenzug der beiden Titel Loriots großer Ratgeber aus dem Jahre 1968 und Loriots heile Welt von 1973 ist.
Nun liegt es also wieder vor, dieses 600 Seiten starke Werk eines Ratgebers, wie es ihn nur äußerst selten gibt. Und entstanden ist es laut dem Originalvorwort von Loriot, weil er beim Versuch, durch intensive Beratungsarbeit aufklärend zu wirken, ganz unversehens auf Bildungslücken erschreckenden Ausmaßes stieß. Dass Bernhard-Victor Christoph Carl von Bülow, kurz Vicco von Bülow genannt, diese Lücken füllte, ist großartig. Aber die Beobachtung, dass sie sich in anderer Form wieder auftaten lässt darauf schließen, dass es sich dabei um allgemein Menschliches handelt. Und genau deshalb sind die Texte, Zeichnungen und Filme von Loriot so zeitlos.
Der Betrachter und Leser wird damit leben können, dass bei der Neuauflage nichts geändert wurde. Zumal er ja sogar einen Mehrwert erhält, wenn erfährt, was ein Quadratmeter bestes Villenland vor einem halben Jahrhundert gekostet hat. Zudem tritt das Überzeitliche und Überregionale von Loriots Humor noch besser zu Tage, wenn man sieht, dass die Kleider, Frisuren, Objekte und Kulissen für das Verständnis ziemlich irrelevant sind. Bei Neubauten wird noch immer gepfuscht, Menschen im Zoo halten sich nach wie vor für intelligenter als Affen und das Auto bleibt ein Statussymbol.
Mein Fazit: Gerade weil der ehemalige Werbegrafiker mit seinem Knollennasenmännchen eine überzeitliche Figur erfand, die Menschen und ihr Tun widerspiegelt, ist dieses Buch noch so aktuell wie in seinem Erscheinungsjahr 1968. Dass Loriot auch in der Schweiz populär wurde, lag auch Daniel Keel. Denn 1954, zwei Jahre nachdem Keel den Diogenes Verlag gründete, präsentierte er an der Frankfurter Buchmesse mit Loriot zusammen "Auf den Hund gekommen: 44 lieblose Zeichnungen". Und danach wurde Daniel Keel nicht müde, seine Miteidgenossen auf diesen großen deutschen Humoristen aufmerksam zu machen. Ein Buch, das auch ein halbes Jahrhundert nach seinem Erscheinen in jede gut geführte Wohnung gehört.