Astrologische "Kochbücher" waren lange Zeit unter Profis und Autoren gleichermaßen verpönt. Warum eigentlich? - Weil sie die eigene Kreativität beschränken? Ich vermute eher, weil es schwer ist, gute zu schreiben und weil es in der Tat wenige gibt, die sich in der Praxis auf Dauer wirklich bewähren.
Robert Hands Deutungsbuch über die Transite und das vorliegende über das Geburtshoroskop sind dabei rühmliche Ausnahmen. In Stil und Ausdruck muss man dabei natürlich berücksichtigen, dass sie bereits Mitte der 1970er Jahre im Amerikanischen erschienen sind. Wer die rasante Entwicklung der Astrologie des 20. Jahrhunderts kennt, weiß, dass er die Interpretation des Chiron darin ebenso wenig erwarten kann, wie die der Lilith. Dies vorab. Wen diese Begrenztheit stört, wird andere Autoren hinzuziehen müssen.
Zur vorliegenden Schrift: Für die deutsche Übersetzung wurde der Originaltitel "Planets in youth - Patterns in early development" in den obigen geändert. Und das mit Recht, denn die Entwicklung des Heranwachsenden integriert der Text eher als Teilbereich und legt den Schwerpunkt auf die Deutung des Erwachsenenhoroskops.
Die fünfzehn übersichtlich gegliederten Kapitel werden dennoch von dem ersten, "Eltern und Kind" betitelten, angeführt. Hier erfahren wir weder zu knapp noch zu ausladend Essenzielles über die Prägungen des Kindheitsalters, über Mutter- und Vaterbeziehungen, sowie über Mutter- und Vaterkomplexe.
Auf die astrologische Binsenwahrheit, dass kein Planet im Horoskop für sich betrachtet werden kann, geht Robert Hand im zweiten Kapitel ein. Die Betrachtungen polarer Planetenbeziehungen, zum Beispiel zwischen Sonne-Mond oder Jupiter-Saturn, können für die Deutungspraxis dennoch sehr anregend sein.
Im dritten Kapitel erhalten wir einen raschen Überblick über die Elemente und über die, für den Anfänger weniger griffigen Zeichenqualitäten Kardinal, Fix, Beweglich.
Mit dem vierten Kapitel, das vier Fallstudien enthält, schließt der allgemeine, einleitende Teil.
Mit dem fünften beginnen die eigentlichen, zum Nachschlagen gedachten, Deutungstext. Beginnend mit der Sonne werden nun systematisch und leicht auffindbar alle Planeten in Zeichen- und Hausstellungen, sowie in allen Aspektverbindungen zueinander interpretiert. Die Aszendenten- und Medium Coeli-Aspekte sind selbstverständlich mit eingeschlossen. Außer dem 150° Quincunx beschränkt sich Hand dabei auf die Hauptaspekte wie Konjunktionen, Oppositionen usw..
Das 15. Kapitel, "Aszendent" betitelt, beschließt den Deutungstext des Buches.
Bei seinen Interpretationen verbindet Robert Hand klassische Deutungen mit eigenen Erfahrungen und neuerer Forschung, die wir zum Beispiel in Gauquelins Buch "Planetarische Einflüsse" finden. Sie zeigen nicht zuletzt, warum Hand zu Recht als einer der führenden Astrologen unserer Zeit betitelt wird.
Abschließen soll hier eine Leseprobe aus "Mars in zwölften Haus", die im Vergleich mit dem amerikanischen Original bezüglich der Übersetzung tatsächlich gewisse Schwächen aufweist:
"Du agierst am liebsten im Geheimen und hinter dem Rücken der Leute, aber das solltest du bleiben lassen".Selbst als Erwachsener arbeitest du vermutlich immer noch lieber hinter den Kulissen. In Wirklichkeit aber bist du eine ziemlich starke Persönlichkeit." (S. 257)
Der Anfang lautet im Original:
"You tend to work in secret and to act behind people's backs, which you should try to avoid." - Der Nachsatz drückt hier wohl eher behutsam aus: "...das du versuchen solltest zu vermeiden."
Was der Autor noch hätte integrieren können, wäre ein gesondertes Kapitel über die Tierkreisstellung des Medium Coeli. Dennoch bietet das Buch Anfängern eine ausgesprochen solide Deutungsgrundlage. Auch Fortgeschrittene kann es sicher anregen.