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Vier verdiente Bürger der Gesellschaft treffen sich auf dem Anwesen eines der Herren um sich totzufressen. Alle vier sind Genussmenschen, beruflich erfolgreich und fianziell bestens ausgestattet. Der Jurist Philippe (Philippe Noiret), der als Gastgeber fungiert, ergeht sich in seiner anhaltenden Melancholie in der Begierde nach barocken, matronenhaften Weibern während Flugkapitän und Frauenheld Marcello (Marcello Mastroiani) die jungen Dinger regelrecht hinterherfliegen. Fernsehproduzent Michel (Michel Piccolli) hat ein Faible für Balletteinlagen und ist dem anderen Ufer nicht abgeneigt und Koch Ugo (Ugo Tognazzi) ist durch seinen Beruf per definitionem Schlemmerfetischist per se. Man zieht sich mit Wagenladungen voller Köstlichkeiten und einer handvoll williger Huren zurück und lässt es sich so richtig gut gehen. Aber dass ein Leben, in dem der sofortigen Bedürfnisbefriedigung die allerhöchste Priorität eingeräumt wird, öde und langweilig sein muss kommt den vier werten Herren nicht in den Sinn.
Man braucht nicht lange zu suchen um in dieser Geschichte die Metapher zu finden, auf die es Ferreri offensichtlich anlegte. Die Kapitalismuskritik ist unübersehbar und auch wenn die Zeit nicht spurlos an dem Werk vorüberging ist Das grosse Fressen ein bemerkenswerter Film geblieben. Zunächst einmal ist der gesellschaftkritische Ansatz heute aktueller denn ja. Mag ursprünglich die sexuelle Revolution und deren Einfluss auf das Bürgertum der Ausgangspunkt für Ferreris gnadenlose Satire gewesen sein, kann man heute die Folgen der Überflussgesellschaft und den damit einhergehenden Hedonismus als Ziel der zeitweise geschmacklosen Attacken empfinden. Das Ungewöhnliche war und ist nun die Überführung dieses Ansatzes in eine Metapher, die man direkter kaum ausformulieren kann und der man natürlich eine entsprechende Form verpassen musste. Ferreri gelang es vier absolute Superstars ihrer Zeit zu diesem doch recht waghalsigen Unternehmen zu überreden. So sehr der Film nämlich die Ignoranz des Bürgertums angreift, so selbstironisch geht er auch mit sich selbst ins Gericht. Überdeutlich auch hier der Hinweis über die Namensgebung der Protagonisten, deren Vornamen von den entsprechenden Schauspielern übernommen wurden. Das grosse Fressen wird heute sicher nicht mehr ähnlich polarisieren können wie das in den 70er Jahren der Fall war. Dennoch wird man sich je nach politischer Ausrichtung eher abgestoßen fühlen oder den Mut und die Radikalität des Ansatzes zu schätzen wissen.--Thomas Reuthebuch
"Das grosse Fressen" bietet im Grunde eigentlich keine wirkliche Story, wenn man so will: weit über ein dreiviertel der insgesamt 125 Minuten Laufzeit wird lediglich wirklich nur (um es mal passend im Kontakt des Filmes zu sagen) "gefressen, gesoffen, gerülpst, rumgehurt, gefurzt, und Obszönitäten von sich gegeben" bis ein Darsteller nach dem anderen (wortwörtlich) "den Löffel abgibt".
Aber was macht den Film nun zu so einem Klassiker seiner (und auch noch der heutigen) Zeit? Ganz einfach:
Diese ganze extrem überspitzt dargestellte "Schlemmerorgie des Todes", stellt einen zynischen und gnadenlosen Seitenhieb auf unsere extreme Konsumgesellschaft dar und ist ebenso ein "Zerrbild" des menschlichen Verfalls (in Körper und Geiste), bedingt durch seine unermessliche Dekadenz, Arroganz und "Übersättigung".
Bezeichnend ist auch die Tatsache das gerade die 4 männlichen Protagonisten alle in diesem Film aus der gesellschaftlichen Oberschicht kommen (je ein Richter, Pilot, Gourmet-Koch und Fernsehmoderator) und sozusagen alle persönlichen und individuellen "Grenzen" für sich schon "ausgelotet und genossen" haben... doch was kommt danach? Richtig: die grosse, tiefe und alles umfassende Leere! Jene Leere, keinen (aber auch gar keinen) Sinn mehr in seinem Leben zu sehen und zu finden...
Also: warum sich dann nicht kollektiv zusammenschließen und sich dann genau SO aus dem Leben wieder verabschieden? Nämlich durch puren Überfluss, Habgier, Masslosigkeit, persönlichen Sittenverfall und Dekadenz!
Den lediglich mit insgesamt 5 permanenten Hautdarstellern (Michel Piccoli, Marcello Mastroianni, Philippe Noiret, Ugo Tognazzi und Andréa Ferréol) besetzte Film, könnte man zugleich auch als "Kammerschauspiel" bezeichnen, da sich gut 95% des Filmes in einer alten Pariser Villa abspielen. Was dem Film aber nichts von seiner grotesken und zynischen Art nimmt, sondern eher durch dieses extreme Gefühl der "Beengtheit" (frei nach dem Motto: es gibt kein Zurück und keinen Ausweg mehr aus dieser Situation) noch gesteigert wird!
Was ist der Film nun letztendlich eigentlich? Drama, Groteske, (Soft-)Erotik oder Komödie? Letztendlich muss man doch sagen, das der Film wirklich von allem etwas bietet und dies in einer extrem gelungen (und schmackhaften *gg*) Mischung in sich vereint!
"Das grosse Fressen" ist ohne Übertreibung einer der besten und wichtigsten europäischen Filme, der jemals gedreht wurde und nicht umsonst damals den Spezialpreis der Jury in Cannes einheimste...
Zur DVD selbst sei gesagt, das der (Mono Dolby Digital-)Ton in deutsch und französisch komplett in Ordnung geht und auch die Bildqualität als weit überdurchschnittlich gut zu bezeichnen ist. Als Bonus gibt es zusätzlich noch ein deutsch untertiteltes Interview mit der Darstellerin Andréa Ferréol und einige Trailer zu begutachten.
Fazit:
Ein grosses, filmisches Meisterwerk das wirklich jeder mal gesehen haben sollte. Denn auch heute ist die inhaltliche Thematik und Tragik des Filmes unübersehbar und nur zu gut auf unsere "Überflussgesellschaft" zu übertragen.
(Selbstverständlich ist die hier vorliegende 16er Fassung komplett ungeschnitten (vormals auf VHS war der Film erst ab 18 Jahren freigegeben!) und die DVD-Verpackung selber steckt zudem in einem wunderschönen und passenden Pappschuber!)
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