Wir bekamen das Buch zum 3. Geburtstag unserer ältesten Tochter geschenkt. Sie selbst liebt die Geschichten bis heute uns liest (als Grundschulkind inzwischen begeisterte Selbstleserin) sie inzwischen selbst, hört aber auch gerne noch zu, wenn den jüngeren Geschwisterkindern vorgelesen wird. Unser Sohn, 5 J. alt und ein lauter, wilder liebenswerter Kerl, liebt die Geschichten ebenfalls; sie sind weitestgehend geschlechtsneutral geschrieben, beschäftigen sich mit Themen, die alle Kinder kennen (schlechte Laune, Freundschaft, Regeln i.B. auf Alltagsverrichtungen wie Essen/Zähneputzen/Aufräumen u.v.a.m.). Unsere Jüngste hört inzwischen auch schon mit zu; und jedes Kind hat seine speziellen Lieblingsgeschichten, bestimmte Themen, mit denen es sich scheinbar besonders identifizieren kann, und die wir immer und immer wieder vorlesen müssen.
Da auch wir Eltern viel Spass bei Lesen des Buches haben, haben wir es inzwischen mehrfach weiterverschenkt. Und unsere Erfahrung ist, ähnlich wie die hiesigen Rezensionen zeigen, dass es absolut zweigeteilte Reaktionen gibt: Das Buch wird entweder heiss geliebt oder aber mit völligem Befremden bis hin zu Ärger weggelegt. Unsere Vermutung (beruht nur auf einer recht kleinen und nicht repräsentativen Stichprobe) ist folgende:
Eltern mit Kindern, die in der Regel ausgeglichen und gut führbar sind und selbst nie auf solche Ideen kämen wie Lea Wirbelwind (gibt es solche Kinder?!? scheinbar schon...), finden das Buch realitätsfremd und befürchten, ihre Kinder könnten erst durch das Vorlesen auf schlechte Ideen gebracht werden, was sie tunlichst vermeiden wollen - durchaus verständlich.
Alle anderen Eltern erkennen sich und Ihre Sprösslinge in dem Buch wieder; dass die Kinder auf schlechte Ideen gebracht werden, ist hier nicht zu befürchten, weil diese Kinder auch ohne das Buch längst selbst solche oder vergleichbare Einfälle, Launen und Abenteuer produzieren. Stattdessen schätzen diese Eltern (so wie wir) den vorbildlich ruhigen, oft phantasievollen, liebevollen, dabei aber immer konsequenten Umgang der Buch-Eltern mit ihrem Wirbelwind. Denn schlägt Lea über die Stränge, so erlebt sie immer die natürlichen Konsequenzen ihres Verhaltens: Schmiert sie das Badezimmer voll Zahnpasta, muss sie selbst diese noch vor dem Ins-Bett-Gehen wieder abputzen (!). Will sie nachmittags noch mal in den Kindergarten, muss sie vorher zu Mittag essen, auch wenn es die von ihr verhasste Gemüsesuppe gibt. Will Lea nicht aus der Badewanne kommen und sich ins Bett bringen lassen, muss sie erleben, dass Mama einfach Feierabend und sich selbst bettfertig macht. Speziell am letzten Beispiel habe ich selbst schon viel Freude gehabt, weil mir der Ideenreichtum der Buchautorinnen, auch ohne Streit, langwierige Diskussionen, Drohungen oder Geschimpfe Konfliktsituationen zu deeskalieren und kreativ aufzulösen, immer wieder gefällt und imponiert. So kann man sich als Elternteil ideenreicher oder eigensinniger Kinder durchaus auch an den Wirbelwindeltern an der einen oder anderen Stelle ein Beispiel nehmen (tja, scheinbar habe sogar ich meine Lieblings-geschichten...). In vielen Geschichten, insbesondere den Freundschaftsgeschichten, kommen die Eltern allerdings gar nicht oder nur am Rande vor; immer beschreiben sie jedoch eine zutiefst kindliche Erfahrungswelt mit phantasievollen "Lösungen".
Mein Fazit: Ich habe das Buch nie als schlechtes Beispiel für ungebührliches Kinderverhalten empfunden, sondern als wirklich schönes und anregendes Vorlesebuch, in dem mit durchaus eigenwilligen kindliche Verhaltens- und Erlebensweisen immer konstruktiv und konsequent umgegangen wird. Deshalb für Eltern mit sowieso schon ideenreichen Kindern absolut empfehlenswert!!!
Das große Buch von Lea Wirbelwind: 5-Minuten-Geschichten zum VorlesenDas neue große Buch von Lea Wirbelwind: 5-Minuten-Geschichten zum VorlesenDas große Buch von Lea Wirbelwind. Purzelbaumgeschichten. 5-Minuten-Geschichten zum VorlesenLea Wirbelwind