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Man nehme eine lebendige Kröte. Am Freitag, vor Anfang der Sonne, zur Stunde der Venus hänge man sie an den Hinterbeinen im Rauchfang auf. Man trockne und pulverisiere sie, hülle sie in ein Blatt Papier und lege sie drei Tage unter einen Altar und hole sie am dritten Tage wieder hervor. Wenn auf diesem Altar die Messe gelesen worden ist, so genügt es, wenn du mit dem Krötenpulver eine Blume damit bestreust und dem Mädchen schenkst, um alle Frauen dir nachlaufen zu lassen.
Alles klar? Nun, mir nicht. Mal ganz abgesehn von der schwierigen Durchführbarkeit in der heutigen Zeit und der Tatsache, daß es sich hier um Tierquälerei handelt - was sollte man denn mit dem Krötenpulver anstellen, wenn auf dem Altar keine Messe gelesen wurde? Und warum eine geräucherte Kröte nun alle Mädchen nach einem verrückt machen soll und ob das auch für Männer gilt, wird ebenfalls nicht erläutert. Und Morson behauptet auch mit keiner Zeile, daß er diese Rituale je selbst ausprobiert hätte. ;-)
Irritierend ist weiters, daß Morson zwar Rituale wie den Krötenzauber in seinem Buch weitergibt, sich aber gleichzeitig von solcherart Zauberei entschieden distanziert und es als "allerschwärzeste Magie" deklariert, "bei der die Nachteile den Erfolg überwiegen werden". Was denn nun? Zum einen versteht sich dieses Buch als praktische Anleitung für Magier. Zum anderen sieht es sich dann aber als bloße "Information von lediglich folkloristischem und historischem Wert".
Viele der in diesem Buch beschriebenen Rituale gehören eigentlich in den Bereich Schadensmagie. Wirkliche Liebe wird man sich damit nicht herbeizaubern können. Maximal gegenseitige Abhängigkeit. Morson weist zwar an einigen Stellen darauf hin, daß solcherart Rituale heftige Nebenwirkungen haben können für den Praktizierenden. Aber auch hier drückt er sich nur vage aus und verweist darauf, daß erfahrene Magier darüber ohnehin Bescheid wissen. Und das ist auch das Stichwort: Das Buch ist gewiß nichts für Anfänger oder Leute, die sich schnell mal eine Beziehung kitten wollen. Es vermittelt auch keinerlei magisches Basiswissen. Sondern dient eher der Inspiration für länger praktizierende Magier.
Wirklich viele der Rituale arbeiten übrigens mit Mumialmagie. D.h., mit Zutaten wie Blut, Tränen, Haare, Nägel, Fußabdrücke und allen anderen vorstellbaren Körpersekreten. Ich finde solcherart Rituale bedenklich, da auf diese Weise gefährliche Krankheiten weitergegeben werden können. Morson weist zwar darauf hin, aber wieso dann überhaupt solcherart Anleitungen verbreiten?
Fazit: Wer nicht davon abzuhalten ist, ein abhängiges Leben zu führen und andere Menschen mit großem Energieaufwand und persönlichem Risiko an sich binden muß, damit sie seine körperliche Nähe ertragen, der soll eigene Erfahrungen sammeln und sich Bücher wie dieses kaufen. Zauber-Aspiranten und romantische Gemüter werden mit dem Buch aber wenig Freude haben und sollten sich vielleicht eher nach Liebeszauber-Büchern von "modernen Hexe(r)n" umsehn. Wie zum Beispiel Silver RavenWolf, Ulrike Ascher, Titania Hardie, Gillian Kemp etc. Ich kann zwar selbst in praktischer Hinsicht wenig mit Morsons Buch anfangen. Aber immerhin habe ich dadurch einen Eindruck davon bekommen, was in anderer Leute Hexenstube hierzulandes sonst noch so getrieben wird. Und allein um sich vor derartigen Zauberein selbst schützen zu können, ist es durchaus interessant, mehr über solche Dinge zu erfahren. Zumindest theoretisch. ;-)
Nichts aber auch nichts an dem Buch hat gepasst...
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