Andrea Camilleri hat mit diesem Buch ein spannendes Psychospiel auf 189 Seiten zu Papier gebracht.
Sein Buch spielt in Montelusa, wenngleich sein Commissario Montalbano nicht auf den Plan tritt.
Das Buch beginnt mit dem ersten Ruhestandstag von Febo Germosino, einem angesehenen Bankdirektor. Entsprechend ist sein gehobener Lebensstil mit Dienstboten, Villa und bildschöner Frau.
Nun weiß er aus lauter Langeweile nicht viel mit sich anzufangen und findet in seinem Schreibtisch anonyme Briefe wieder, die er vor langer Zeit erhalten hat. Ein Brief gibt Aufschluss darüber, dass seine jüngere Frau Adele ihm Hörner aufsetzt. Es hat ihn nicht weiter überrascht. Adele ist seine 2. Frau, wesentlich jünger als er und von Beginn an sehr "lustvoll" gewesen. Eine femme fatale! Febo reagiert gelassen, beobachtet seine Frau aber gleichzeitig und sendet Signale aus, die ihr zeigen, dass er sehr wohl Bescheid weiß. Ein Katz- und Mausspiel beginnt! Adele - junge Witwe, geschmackvoll, sexy und dabei doch sehr diskret - ist in vielen Stiftungen und Vereinen tätig und somit häufig ausserhäusig. Und dies sehr oft in einem grauen Kleid!
So lebt jeder sein eigenes Leben; Adele sehr selbständig und Febo kann dem Leser fast leid tun.
Dann erhält die Geschichte eine ganz neue Richtung ...
Das Buch ist spannend und hat mich so in den Bann gezogen, dass es innerhalb eines Tages von mir verschlungen wurde. Der Liebe zum Detail ist typisch für Camilleri, die Tätigkeiten, die Personen sind hervorragend geschildert - es scheint so, als wenn Camilleri es selbst erlebt haben muss. Gerade der letzte Teil des Buches, den ich nicht schildern möchte, weil dann die Spannung genommen würde, ist erschreckend genau geschrieben. Die Übersetzung von Moshe Kahn ist wieder einmal bestens.
Es gibt nur deshalb einen Sternabzug, weil mir das Ende zu abrupt ist. Ansonsten: Lesen!