Die Piraha sind eine ca. 400 Personen zählende Gemeinschaft, die an einem Nebenfluss des Amazonas vom Jagen, Sammeln und Fischen leben. Sie begnügen sich mit einem Minimum an sozialer, politischer und ökonomischer Organisation. Sie haben eines der einfachsten Verwandtschaftssysteme der Welt, kennen keine politischen Führer, legen keine Vorräte an, sondern essen, wenn sie zu essen haben, und hungern, wenn der Jagderfolg ausbleibt.
Wenn mal ein Schiff anlegt, tauschen sie Lebensmittel gegen Werkzeuge, die sie anschließend im Dschungel verrotten lassen, und auch gegen Alkohol, der ihnen allerdings schlecht bekommt und sie aggressiv macht.
Obwohl sie Krankheit und Tod selbstverständlich kennen, helfen sie Everett nicht, als seine Frau und seine Tochter schwer an Malaria erkranken. So greifen sie auch nicht ein, als eine Schwangere ihr Kind nicht allein zur Welt bringen kann, zwar um Hilfe ruft, ihr diese aber nicht gewährt wird und sie vor aller Augen stirbt. An diesen Dingen hat der Missionar schwer zu knacken. Welche Werte, Traditionen, Gesetze und Regeln verbergen sich hinter diesen fremden Verhaltensweisen? Er merkt schnell, dass er vor allem eins lernen muss: die Sprache. Und macht die Entdeckung: diese ist anders als alle Sprachen, die er bisher kennengelernt hat. Die Piraha haben keine Wörter für Zahlen, für Farben, für die Vergangenheit oder die Zukunft. Nur das unmittelbar Vorhandene zählt, das, was sie sehen und erleben können. Sie leben im Hier und Jetzt. Das ist für Everett der Schlüssel für seine These, die Piraha seien das glücklichste Volk.
Das Buch liest sich wie ein Abenteuerroman, spannend von der ersten Seite an und flüssig geschrieben. Auch wer kein Sprachwissenschafter ist, findet sich in den zum Thema Sprache zugehörigen Beispielen zurecht, ja, findet sogar - so wie ich - vielleicht etwas Gefallen daran. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre mit Garantie zur Bereicherung fürs Leben.