Wo fange ich an, wo höre ich auf?
Am besten damit: Wer FSOG liebt, wird hiermit überfordert sein und es ganz schrecklich finden.
Auch Feministinnen rate ich vom Lesen dieser Lektüre ab, auch wenn die Autorin sich selbst als eine solche bezeichnet, was durchaus kein Widerspruch in sich ist. Aber unsere deutschen Feministinnen werden es anders sehen.
Das Buch ist nicht, was es zu sein scheint. Es ist eine Neuauflage von "Subtext Modern Tale Female Submission" von Kate Marley, erschienen vor über zwei Jahren, also vor der Welle, die E. L. James uns bescherte.
Bisher gab es das Buch jedoch nur in der englischen Originalfassung und wurde wohl ob des FSOG-Hype noch einmal neu und nun auch in deutscher Sprache veröffentlicht. Was ich durchaus für legitim halte, weil wohl noch vor einem halben Jahr kaum ein Mensch außerhalb „der Szene“ auf die Idee gekommen wäre, ein solches Buch zu lesen.
Warum ich nun meine, dass man es als FSOG-Fan nicht lesen sollte, ist einfach erklärt.
Hier beschreibt keine Frau im Rosamunde-Pilcher-Stil BDSM.
Sondern Eine, die zumindest weiß, worüber sie schreibt. Ob es wirklich eine Biografie ist, weiß wohl nur die Autorin selbst. Mir kommt das Buch von Anfang bis Ende jedenfalls mehr als authentisch geschrieben vor und es nichts für seichte Gemüter.
Die Autorin beschreibt ihre Anfänge für mich ebenso glaubhaft, wie ihren gesamten Weg in eine Welt hinein, die sicher niemand versteht, der nicht ähnlich fühlt.
Von daher weiß ich nicht wirklich, ob es so schlau war, das Buch gerade jetzt neu aufzulegen.
Es dürfte viele Menschen geben, die es – trotz oder gerade wegen FSOG – erschreckt und das dürfte zu mehr negativen als positiven Rezensionen verleiten. Was ich schade fände.
D/s und die Gefühle, die damit zusammenhängen zu beschreiben ist weitaus schwieriger, als eine SM-Story zu schreiben.
Sophie Morgan ist dies gelungen. Durchgängig.
Bis auf Kapitel 15 und 16, die sogar mich haben schlucken lassen, sodass ich dasaß und überlegte, ob das nicht doch einer eher schrägen Fantasie entsprungen ist. Was aber die Qualität dieser Beichte nicht schmälert. Ich muss nicht alles verstehen. Denn in Kapitel 15 überkam mich die Ahnung, dass irgendwas nicht richtig sein kann.
Kapitel 16 gab dem Gefühl recht und mit DEM beschriebenen Ende, habe ich nicht gerechnet.
Es geht hier hauptsächlich um Sex.
Hart, schmutzig, demütigend bis aufs Blut.
Es geht hier um die Gefühle, die einen submissen Menschen zwiespalten. Der anhaltende innere Konflikt, zwischen dem Trieb ( dem Tier in einem ) und den Konventionen, der hier immer wieder eindrucksvoll – in einer sehr klaren und schnörkellosen Sprache – beschrieben wird … Ich war angetan.
Dominanz wird ebenso gut dargestellt, wie Unterwürfigkeit.
Man kann beide Seiten erfühlen beim Lesen.
Grenzen werden verschoben und man ist als Leser dabei.
Ich saß teils mit vor Erstaunen offenem Mund da.
Doch egal, wie hart, schmutzig und demütigend es zugeht, die physische und psychische Integrität der Protagonistin ist gewahrt ( siehe meine Bemerkung zu Kapitel 15, in welchem ich mir anfänglich nicht so ganz sicher war, ob das noch der Fall ist ).
Hart, schmutzig und demütigend ist das, was Sophie will und braucht und ebendies bekommt sie.
Das kommt glaubhaft rüber. Das ist, was ich hier in allererster Linie berücksichtige. Die Authentizität. Denn das ist das, was ich von einer Biografie erwarte und meine Erwartungen wurden erfüllt. Voll und ganz.
Sophie Morgan räumt dazu auf erfrischende Art mit den üblichen Klischees auf. Nicht jeder, der sich gerne schlagen und demütigen lässt ( oder auf der anderen Seite gern demütigt oder selbst mal ein Paddel zur Hand nimmt ), hatte eine so schwere Kindheit, wie der mittlerweile leider hinlänglich bekannte Mr. Grey.
Mir hat das Buch – auch gerade ob des wunderbar sarkastischen Humors und der für mich damit einhergehenden Aha-Effekte – zwei kurzweilige Abende bereitet und es ist eines „dieser“ Bücher, die meinen Kopf nachhaltig arbeiten lassen. So soll das auch sein.
Am Ende habe ich trotzdem noch etwas zu bekritteln.
Für knapp 9,-€ wünsche ich mir ein einwandfrei lektoriertes Buch. Hier hat der Fehlerteufel leider ein paarmal zugeschlagen. Zumindest in der E-Book-Version. Was ich aber nicht als Grund sehe, nicht volle fünf Sterne zu geben. Der Inhalt hat mich trotzdem überzeugt.