Diese erste Verfilmung des wohl schönsten aller Kinderbücher Erich Kästners ist und bleibt absolut unübertroffen. Jeder, der Kästners Bücher gelesen hat, ob die Kinderbücher oder auch etwa den "Fabian", wird zweifelsohne sofort in die Geschichte entführt: Die Schilderung der Verhaltensweisen der Charaktere, die Sprache in den wörtlichen Reden - nicht zuletzt der Gymnasiasten-Jargon der liebenswerten junge Herren aus Kirchberg - ... all das ist wesentlicher Bestandteil der Atmosphäre, die ein Kästner-Buch ausstrahlt. Dies in eine moderne Zeit zu transferieren, in der Kinder "Kids" heißen und vor Überraschung (falls zufällig mal wieder die anderen die Diktathefte verbrennen sollten) nicht mehr "heiliger Bimbam" sondern "f***" schreien, ist wohl unmöglich, ohne gravierende Eingriffe vorzunehmen. Nun ist eine solche Transformation mit eben jenen notwendigen Eingriffen in der Tat ein ambitioniertes Werk, doch Justus-Paul Dahlke würde fragen, ist sie auch "rühmenswert"? Wird sie der Kästnerschen Vorlage noch wirklich gerecht? Wer also die Substanz einer Kästnerschen vorweihnachtlichen Jugendwelt als Fim erfahren und erleben möchte, muss zum Original greifen. Hier war Kästner selbst mit von der Partie. Die Jungschauspieler agierend wunderbar unverfälscht natürlich und vor allem Paul Dahlke als Justus ist großartig! Wen die fehlende Farbe stört, sollte einmal überlegen, welch großen Charme eben dieses Fehlen mit sich bringt! Herrlich ist auch der Ton mit dem nach heutigem Maßstab fehlenden Bass und den so wunderbar schrillen Streichern, wie man sie eben aus alten Filmen kennt. Doch der Film ist beileibe nicht nur für rückwärtsgerichtete Romantiker. Auch damals gings hoch her, in der Zeit, als der Wortschatz eines Gymnasiasten noch "Zensuren", "Courage" und "chevalereske Behandlung" umfasste und ein Justus einem kuchenessenden Matz Selbmann noch liebevoll eine leichte Kopfnuss geben konnte, ohne dass ihm, von aufgebrachten Eltern alarmiert, ein Rechtsanwalt an den Kragen ging!