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Das ist die feinste Liebeskunst. 40 Shakespeare Sonette
 
 

Das ist die feinste Liebeskunst. 40 Shakespeare Sonette (Gebundene Ausgabe)

von Wolf Biermann (Autor), William Shakespeare (Autor)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 159 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch; Auflage: 1 (2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 346203443X
  • ISBN-13: 978-3462034431
  • Größe und/oder Gewicht: 16,2 x 11,6 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 389.746 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Nächsten Sommer in Ljubljana - Sloweniens Dichter träumen vom Leben in der Ferne Von Uwe Stolzmann Slowenien, der kleine Staat in der Südostecke Europas, besitzt eine ungewöhnlich reichhaltige Literaturszene. Ob sie halb habsburgisch oder halb jugoslawisch war, stets empfanden die Schriftsteller die Heimat als Enge, der zu entkommen war. – Eine Spurensuche über vergangene und gegenwärtige Fluchtbewegungen. Die schöne Vida hatte Mann und Kind, doch war sie nicht glücklich, und so folgte sie einem Fremden über das Meer. In der Ferne, so geht die Geschichte, ist die junge Slowenin die Amme eines Prinzen geworden. Aber glücklich? Stetig wuchs Vidas Sehnsucht: nach dem Söhnchen, auch nach dem Mann, dem viel zu alten, und nach der verlorenen Heimat. – Slowenische Dichter haben die Legende der «Lepa Vida» oft und gern erzählt. Und viele sind der schönen Frau hinterhergereist: durch den Karst über brüchigen Grund zur Adria hinunter. Oder von Laibach quer durch Krain und dann über die Karawanken. Slowenien: halb habsburgisch noch und halb jugoslawisch, Land der Barockkirchen und Betonplattenbauten, ein kleines Land, ein enges Land, Land der Selbstmörder und Poeten; wer die Enge überleben wollte, musste gehen. Der Folioband slowenischer Dichtkunst ist zu guten Stücken Wegbeschreibung, Streckenjournal, auch Leidensbericht. Und Handbuch des Heimwehs. Folgen wir also den Spuren. Der Pfad ist gut markiert: fast jeder Hügel lyrisch vermessen, jede Höhle vermerkt auf der Karte der Weltliteratur. Reiselektüre? Was eben bereitliegt – eine Handvoll der jüngsten Titel in deutscher Übersetzung. VON DER FLUCHT Mit achtundzwanzig publiziert Ivan Cankar ein Manifest der Auswanderung. «Frau Judit» heisst es banal und entpuppt sich als Streitschrift wider den Kleingeist der Heimat. Im selben Jahr wie «Frau Judit» kommt Srecko Kosovel zur Welt, in einem Karstdorf, als Sohn eines Lehrers. Cankar (1876–1918) und Kosovel (1904–26): Unter anderen Umständen wären die beiden wohl Weggefährten geworden – zwei Avantgardisten, aufbrausend und unangepasst. Beide besingen sie den süssen Schmerz der «Schönen Vida», die dem Lockruf eines «schwarzen Negers» gefolgt sein soll, beide leiden sie an der slowenischen Krankheit: fast zu ersticken unter all den bigotten Katholiken und allzu stolzen Südslawen. Zwanzigjährig flieht Ivan Cankar in die Weltstadt Wien. Auch Srecko Kosovel träumt von Flucht, doch beim Traum wird es bleiben: «Bist du Künstler nach deiner Seele? / Ja – dann gehe hinweg von hier!» Nordwärts immer, «zu den Karawanken. / Tunnel: im Dunkel ihr Auge schimmert». 1904 (da ist Kosovel eben geboren) schickt Cankar seine Frau Judit auf den Weg: ihm nach, nach Wien. Romanheldin Judit – jung, verheiratet, gut situiert – klagte in der Provinz über Luftnot und Herzdrücken. Nur das Zentrum des Reichs kann sie erlösen. «Die Räder erdröhnen, der Wagen ruckelt – hei, auf geht's!» Eine Landsmännin sitzt mit im Waggon, Frau Zaplotnica, ein «plumpes, biederes Huhn». Es gackert, gierig auf die Sündenstadt, und Judit sinniert: «Ich war aufgebrochen, um das wahre Leben zu schmecken, aber ich kam von der lieben Heimat nicht los: Ein grosses Stück von ihr sass mir gegenüber und schmatzte zufrieden mit fettigen Lippen.» O Heimat, du Frau Zaplotnica! Judit befreit sich, wie es Cankar getan, Kosovel aber kommt nicht los. Er gründet (als Gymnasiast) eine Zeitung mit sprechendem Namen, «Lepa Vida»; er wirft noch ein paar Handvoll wilder Gedichte aufs Papier, die Schrift fast unleserlich. Er kann noch etwas studieren, kann noch ein paar Reden halten: um Sloweniens Proleten für die Revolution zu begeistern. Die Blutarmut und der Stress des Missionars werfen ihn nieder. Im März 1926, zu den Osterferien, kehrt er aus Ljubljana heim in den Karst. An einem Maitag, zur Nacht, verlässt er das Elternhaus für eine Reise ohne Wiederkehr, da ist er zweiundzwanzig. GLÜCK UND LEID DES EXILS Wir wissen nicht, ob es ein Familientreffen gegeben hat. Gelegenheit wäre eben gewesen, monatelang, in Berlin. Der Dichter Tomaš Šalamun (geb. 1941) lebte Anfang 2004 mit einem Stipendium in der Uhlandstrasse, just in jener Stadt, die für seine Ex-Frau Maruša Krese (geb. 1947) und seinen Sohn David Šalamun (geb. 1974) nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens so etwas wie Heimat wurde. Vater Tomaš, ein aufsässiger, manchmal unverständlicher Avantgarde-Poet, hat in den USA weit mehr Bewunderer als daheim. (Šalamun wird mit Whitman und Eliot verglichen; er selbst nennt einen Slowenen als Vorbild – Dane Zajc.) Maruša, geschiedene Šalamun, füllt Heft auf Heft mit Wehmutsgedichten von stets ähnlichem Klang. Und Sohn David lernt das Schreiben. Stellen wir uns vor, das Familientreffen wäre zustande gekommen (in einem Wohnzimmer mit hoher Decke, Biedermeier, am runden Tisch) und Šalamuns hätten sich über die grosse gemeinsame Erfahrung unterhalten, das Leben in der Fremde. Tomaš provoziert sofort, mit einer Sentenz aus seinem ersten Lyrikband, «Poker» von 1966. «Des Bildes meines Stammes / müde bin ich ausgewandert.» Šalamun, zu Pferd unterwegs oder unter alten Eichen schlafend, Šalamun, laut Selbstporträt eine schwebende Kugel, deren Umlaufbahn niemand kennt. Ein Einzelgänger, ein Wanderer aus Leidenschaft Maruša ist das Gegenteil. Maruša leidet. Maruša zerrt eine «Yorkshire-Tasche» aus ihrem Berliner Schlafzimmerschrank. (Yorkshire-Tasche? Man schaue ins Internet: «Vorderseite mit Proviantfach, Seitenansicht mit Durchsichtfolie. In guten Hundezubehörgeschäften erhältlich.») Marušas Tasche birgt die Sedimente eines langen Reiselebens, traurige Schätze, Maruša kippt sie mit Schwung auf den Tisch: Flakons, Strümpfe, gescheiterte Ehen (Tomaš!), Wünsche nach Blutrache, Geruch gerösteten Kaffees und Glocken der Verzweiflung, auch etliche Brocken Jugo-Nostalgie. «Die Freundinnen sagten / Glückstasche dazu / zum Lange-Romane-Schreiben / über das Glück, / Freuden, Natur, / über Gesundheit. / Nicht zum Gedichte-Schreiben.» Tomaš lässt Córdoba in seiner Rede aufblitzen, Mexiko und Guatemala, Lille und Lissabon, Wegmarken, Städtenamen für Lebenskünstler, langsam rollen sie von seiner Zunge. David schweigt. Maruša klagt. Muss ein schrecklicher Ort sein, diese deutsche Metropole, was heisst schon Zuflucht und frei gewählt, «Sibirischer Wind bläst / im eisigen Berlin». New York!, haucht der Ex-Mann geniesserisch. New York!, wiederholt David, der Filius. Monatelang ist David in New York gewesen, aber: Wie blind sei er durch die Strassen gelaufen, gesteht der junge Mann, ja, nein, er habe kaum etwas gesehen. Nur immer diese Lenin-Statue auf dem Dach vor seinem Zimmer, Lenin in New York, im Gegenlicht, als Scherenschnitt, den Arm grüssend (oder drohend?) gegen die Twin Towers gereckt. «Wie hart die Stadt mir manchmal auch erschien, mein kleiner Lenin stand immer aufrecht da, ob an traurigen oder an fröhlichen Tagen, bei Schnee, Regen, Sturm oder schwüler Hitze.» HÖLLENTRIP DURCHS EIGENE LAND Dane Zajc (geb. 1929) und Franjo Francic (geb. 1958) sind herumgekommen, ohne sich gross zu bewegen – bis an den äussersten Rand der Gesellschaft. Francic führt uns auf den Kehrichthaufen unseres Gemeinwesens, in die Heime für vergessene oder verstossene Kinder. Wo wir nicht hinschauen mögen, schaut er zweimal. Was wir rasch vergessen wollen, hält er fest, als Skizze, als Fragment. «Das Lied eines Embryos» zum Beispiel. «Jetzt lag er da, festgebunden mit Gurten . . .» Er zeichnet «Anstaltstiere», einen Knaben etwa, seit Jahren weggesperrt, weil er so sonderbare Gewohnheiten hatte. Jeden Tag schrieb er einen Brief an die Freiheit. Nun fragt dieser Knabe: «Ihr, sagt ihr mir, gibt es die Freiheit dort draussen? Ihr, sagt ihr mir, schreibt ihr je an die Freiheit?!» Er hat sich gebessert, nein, er wird ihr nicht mehr schreiben. «Wird sie dann kommen?! Wird sie?!» Freiheit kommt nur von innen; Dane Zajc hat es erfahren. Zajc, laut Aleš Debeljak «der grösste lebende Poet slowenischer Sprache», ist dreifach zum Dichter geprägt worden. Geformt von der Kindheit auf einem Hof östlich Ljubljanas (seine Verse riechen nach Erde). Geformt durch das Trauma des Weltkriegs (zwei Brüder fielen bei den Partisanen, Grossvater und Vater starben, als deutsche Soldaten den Zajc-Hof niederbrannten. «An den schönen, weissen Zähnen / würde ich seinen Schädel erkennen, meinte die Mutter. // Schöne, weisse Zähne, / verbissen in Erde . . .»). Geformt, zum Dritten, durch das, was danach kam, Jugoslawien, zweiter Aufguss; Sozialismus. 1951 sitzt Dane Zajc einiger frecher Worte wegen drei Monate in Haft. Er darf nicht studieren. Er verbringt sein Leben in der hauptstädtischen Pionierbücherei. «Verbranntes Gras» nennt er seine erste Lyriksammlung, «Eine Zunge aus Erde» die zweite. Dane ist ruhelos, er will fort, aber «unterschiedslos sind die Pfade im Finstern». Einmal versucht er die Reise in die andere Welt, mit Schlafmitteln. Dann zieht er sich zurück (ins Hochgebirge und in die innere Emigration). Vergebens: «eine dunkle Gestalt folgt meiner Spur, / eine dunkle Gestalt folgt meiner Seele». Er hat Angst, doch er besingt das rote Gesicht des Mondes über einem Berg. Er besingt den schwarzen Stier, der in den Morgen brüllt. «Die Sonne schleift im Osten / ein gleissendes Fleischerbeil.» Er besingt einen weissen Raben, der von anderen Raben zerhackt wird, und – 1961 – den «Klumpen Asche» im Schlund des Dichters. «Lange trägst du Feuer im Mund. / Lange hältst du es verborgen. / Hinter dem knöchernen Zaun der Zähne. // Du weisst, dass niemand Rauch / aus deinem Mund wittern darf . . .» Dane Zajc gilt als Meister der subtilen politischen Anspielung. Aber er will das alles nicht so gemeint haben. Irgendwann zerfällt das Regime; Jugoslawien geht unter, Slowenien wird unabhängig. Zajc bleibt ruhelos, ein Gejagter, Gehetzter. «Ob ich aufbreche oder ankomme. / Ob ich bin oder nicht. / Falls nicht, wo. / Falls wo, wo ist wo. / Falls wohin, wo ist wohin», schreibt er nach der Jahrtausendwende. PARIAS UNTER DEN FAHRENDEN «Ich war nie damit zufrieden, nur Slowene zu sein», sagt Aleš Debeljak (geb. 1961). Er musste, meint er – und da klingt er wie Tomaš Šalamun –, «Distanz zum eigenen Stamm schaffen». Also lebte, lehrte und publizierte er eine Weile in Übersee. Seitdem hält er gute Vorträge, er schreibt gute Essays, alles sehr amerikanisch, er hat eine amerikanische Frau, die Kinder wachsen zweisprachig auf. Debeljak mag dieses «Leben auf der Brücke», zwischen Slowenien und der Welt, in verschiedenen Kulturen, mit wechselnder Identität. Was Debeljak nicht mag: dass er, der passionierte Reisende, stets als Ostler erkannt wird. In den grossen Hotels des Westens verspürt er Unbehagen – und die Furcht, der Portier könnte ihn gnadenlos vor die Tür setzen, sobald er eine falsche Bewegung mache. «Auch wenn man mir den ‹Slawen› oder ‹Balkanesen› nicht auf den ersten Blick ansieht, so verraten mich doch meine unsicheren Schritte über den Parkettboden.» Der Code fehlt ihm, der Kontext, die Navigationshilfe im Netz der Bezüge. «Mein Platz, für den ich auch noch dankbar sein sollte, ist im günstigen Fall irgendwo draussen, an den äusseren Grenzen des anständigen öffentlichen Raumes, etwa auf der Terrasse.» VERSPÄTETE HEIMKEHR Irgendwann merkten sie, wie sehr sie Slowenen sind. Irgendwann zog es sie alle zurück – die schöne Vida ohne Mann und Kind und all die sprach- und heimatlosen Dichter sowieso. Srecko Kosovel sehnte sich nach seinem stillen Dorf im Karst, nur Felsen, Föhren und Schweigen. «Sie sitzen am Feuer, dem roten, / ich sässe auch gern dabei.» Šalamun notiert über Šalamun: «Nächsten Sommer wird er wahrscheinlich in Hawaii sein / oder in Ljubljana» (und wenn er fortbleibt, sucht er doch die warme Höhle des Slowenischen). Maruša Krese träumt vom Markt am Laibacher Dom, von Bauersfrauen mit tausend Kräutern. «Ich bat um Tee gegen Schlangen, / gegen Vampire, / gegen verlogene Gedichte.» Aleš Debeljak lebt vier Jahre in den USA, bis 1992, dann ruft die Nostalgie (und das Echo des politischen Umsturzes) ihn zurück. Ljubljana, plötzlich Hauptstadt eines Zwergstaates, empfängt ihn mit provinziellem Charme. Dann, eines Morgens, der Schock: Die anderen sind fort! Während er heimkehrte, um das Eigene zu feiern, die Landschaft der Kindheit, machten sich die lieben Slowenen auf den Weg, hinaus in die Welt, nach Europa. Was wollen sie dort? «O Lüge, Lüge, Europas Lüge!» (Kosovel). «Mitteleuropa! / Schreckliche sentimentale Gegenden, die totale Katastrophe!» (Šalamun). «Dieses neu befestigte Europa, das so friedliebend zu sein scheint, sieht von aussen ganz anders aus» (Debeljak). In einem Hinterhof-Café Ljubljanas spricht Dane Zajc im Vorfrühling des Jahres 2004: «Ich habe Angst. Angst vor diesem Europa, das Ausland ist. Das heisst: ein fremdes, weites Land.»


Kurzbeschreibung

Wolf Biermann trifft William Shakespeare – diese neuen Nachdichtungen der Sonette des englischen Dramatikers zeugen von der großen poetischen Kraft auch der deutschen Sprache. Frei und treu zugleich arbeitete Wolf Biermann, wie Luther sagen würde, als »Dolmetzsch«. Authentisch und dennoch autark transportierte Biermann 40 besonders starke Sonette des vielleicht genialsten Dichters der Menschheit in die Sprache unserer Zeit. Ja, wunderbar gelungen sind diese Stücke, sie zeigen, wie geschmeidig und trefflich unser – im Vergleich zum Englischen – behäbigeres Deutsch sein kann. Die 40 Übersetzungen werden jeweils neben dem Original präsentiert, ergänzt durch aufschlussreiche Arbeitsnotate. Darüber hinaus enthält das Buch die Noten für das von Biermann vertonte 66. Sonett.

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64 von 73 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen Ein Monument des Scheiterns, 29. September 2004
Von weiser111 - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 10 REVIEWER)   
An Biermanns Übersetzung von Shakespeares Sonetten gibt es erstaunlich vieles zu entdecken -- sei es die Chuzpe, mit der er schon im Vorfeld der Veröffentlichung und nun auch noch im Buch-Kommentar sich selbst mit Dichterlorbeer bekränzt, seien es die Übersetzungen selbst, die wie ein Kompendium dessen wirken, was man bei Übersetzungen vermeiden sollte.
Es ist schon eine Kunst, auf so engem Raum so viele verunglückte Metaphern, falsch verstandene rhetorische Gesten und haarsträubendes Unverständnis des zu übersetzenden Werkes unterzubringen. Gekrönt wird das Misslingen durch den mehr als bedenklichen Ansatz, die rhythmische Struktur des fünfhebigen Shakespeare-Sonetts durch Verwendung des Hexameters zur Unkenntlichkeit zu entstellen. Nicht mehr zu überbieten jedoch ist Biermanns Begründung für diese Maßnahme -- nur durch einen zusätzlichen Versfuß könne der Sinngehalt des Originals ins Deutsche herübergerettet werden. Über derlei Unbedarftheit lacht man bereits im Einführungsseminar zur Literaturwissenschaft.
Ein Gutes allerdings hat das Buch: Biermann hat nur 40 Sonette übersetzt, und nicht alle 154.
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5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Shakespeare und Biermann! Alter Wein in neuen Bierschläuchen?, 8. Oktober 2006
Von buechermaxe "buechermaxe" (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REVIEWER)   
Shakespeares Sonette zählen zum Schönsten und Schwierigsten der Weltliteratur. Dennoch oder gerade deshalb hat sich Altbarde Biermann ans Werk gemacht und vierzig dieser Gedichte in Weltform übersetzt. Zwar hat er aus fünfhebigen Versen des Originals eine sechshebige Jambenform gemacht; weils sich im Deutschen nach Biermann so leichter sagen lässt , meint er und sagt es auch. Aber man hat eher den Eindruck, dass sich Shakespeares Reime so besser in Biermanns eigene Diktion setzen lässt, die ja an Francois Villon und Bert Brecht geschult gilt. Das heißt Shakespeare wird dadurch  mit Verlaub  biermännischer. Daher hört man plötzlich in Shakespeares weltmännischen Versen, weil er ja nicht stefan-georgeln will, Biermanns Chausseestrasse durch, sein Herkommen, sein politisches zumal, also so was wie shakesbiermännisch oder shakesbierisch. Allerdings haben wir in den letzten Jahren auch schon den Biermann der Liebeslieder kennen gelernt. Und da scheint es für ihn nur folgerichtig, sich an Shakespeare zu probieren. Und das ist gelungen, weil plötzlich beides zusammentrifft, Ton und Text, nicht nur im sechsundsechzigsten Sonett, dass er gleich noch vertont hat, also im Liedton der Chausseestrasse (!), vielleicht eine neue Interpretation des englischen Altmeisters? Und, mal abgesehen davon, nicht nur all dieses, auch die Notate sind absolut lesenswert: lauter burschikos-ironisch-vorlaute Frechheiten, aber immer so, wie man Biermann kennt  und liebt. Dieses Buch gehört für mich zum besten, was in Lyrik in den letzten Jahren erschienen ist. Einfach sehr gut! Bitte noch mehr von sowas!
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