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Die komplexe Handlung, die Nesser entwickelt, und die sich sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit abspielt, ist unheimlich spannend. Wobei nicht Spannung im Sinne von 'Action' gemeint ist, sondern mehr das subtile Ziehen eines Netzes rund um den Leser, der das Buch daraufhin nicht mehr aus der Hand legen kann. Zudem begnügt sich der Krimi nicht mit reiner Unterhaltung, sondern behandelt zudem noch ein höchst brisantes gesellschaftkritisches Thema.
Nessers sprachlicher Stil hat etwas sehr Besonderes. Teilweise fast schon nihilistischer Sprachstil mit feinen sarkastischen Einschüben. Dies äußert sich besonders in den Äußerungen Van Veeterens - Nessers Hauptfigur, die sich im übrigen wunderbar von den meisten anderen Komissaren oder Detektiven in Krimis abhebt. Die Kauzigkeit Van Veeterens (teilweise auch Unverschämtheit) und seine allzu deutlich gezeichneten Fehler machen in zu einem höchst menschlichen Charakter. Zwar wäre es zu hoch gegriffen, ihn als liebenswürdig zu bezeichnen, aber man kann sich perfekt in ihn hineinversetzen.
Jedem Freund anspruchsvoller Spannungsliteratur sei dieser Krimi anempfohlen!
Nesser beschreibt in diesem Buch einen Kampf der Ermittler gegen Vorurteile und Vorverurteilungen, Ignoranz und Desinteresse. Von den Bürgern erhalten sie keine Unterstützung auf der Suche nach der Wahrheit. Sehr gut gefällt mir die Verflechtung mehrerer Zeitebenen, wodurch der Leser wohldosiert Hintergründe zu allen drei im Buch behandelten Morden erfährt. Und auch mit eigenen Vorurteilen kann man in diesem Buch aufräumen, denn so sehr man den ewig nörgelnden, griesgrämig grummelnden, kauzigen Zyniker Kommissar van Veeteren auch verachten kann, so muss man ihn für einige Gedankengänge und die unorthodoxe Art, mit der er den wahren Täter einer gerechten Strafe zuführt, einfach lieb haben.
Einer der besseren Nesser-Krimis, der wieder einmal ohne Action und Hochspannung auskommt, sondern von Dialogen und den Gedanken der Ermittler lebt. Kleiner Schwachpunkt ist einzig, dass lediglich der Charakter van Veeterens greifbar wirkt, alle anderen Protagonisten bleiben blass. Auch die Beweggründe des fälschlich Angeklagten, sich durch sein Verhalten in seinen Prozessen selber verdächtig zu machen, kommt nicht klar genug rüber. Dies sind aber nur Randnotizen bei einem insgesamt wirklich guten Krimi.
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