Die Leiche eines vermeintlichen Frauenmörders wird Kopf und Hände aufgefunden und die Polizei vermutet einen Zusammenhang mit den Jahrzehnte zurückliegenden Gewaltverbrechen. Sehr bald erkennen die Ermittler, dass der Ermordete nur aufgrund von Indizien verurteilt wurde, die zudem sehr schwach waren. Vielmehr sah sich der Mann in seinen Prozessen Vorurteilen ausgesetzt, die mit seiner Vergangenheit als Dopingsünder zu tun hatten. War er, wie er stets beteuerte, wirklich unschuldig? Ist sein Mörder der wirkliche Täter von damals?
Nesser beschreibt in diesem Buch einen Kampf der Ermittler gegen Vorurteile und Vorverurteilungen, Ignoranz und Desinteresse. Von den Bürgern erhalten sie keine Unterstützung auf der Suche nach der Wahrheit. Sehr gut gefällt mir die Verflechtung mehrerer Zeitebenen, wodurch der Leser wohldosiert Hintergründe zu allen drei im Buch behandelten Morden erfährt. Und auch mit eigenen Vorurteilen kann man in diesem Buch aufräumen, denn so sehr man den ewig nörgelnden, griesgrämig grummelnden, kauzigen Zyniker Kommissar van Veeteren auch verachten kann, so muss man ihn für einige Gedankengänge und die unorthodoxe Art, mit der er den wahren Täter einer gerechten Strafe zuführt, einfach lieb haben.
Einer der besseren Nesser-Krimis, der wieder einmal ohne Action und Hochspannung auskommt, sondern von Dialogen und den Gedanken der Ermittler lebt. Kleiner Schwachpunkt ist einzig, dass lediglich der Charakter van Veeterens greifbar wirkt, alle anderen Protagonisten bleiben blass. Auch die Beweggründe des fälschlich Angeklagten, sich durch sein Verhalten in seinen Prozessen selber verdächtig zu machen, kommt nicht klar genug rüber. Dies sind aber nur Randnotizen bei einem insgesamt wirklich guten Krimi.