Er ist achtunddreißig Jahre alt, seit einiger Zeit von seiner Frau getrennt, die ihm mit ihren außerehelichen, an Nymphomanie grenzenden Eskapaden das Leben schwer gemacht hat, und unter denen er immer noch leidet, und er lebt mit seiner dreizehnjährigen Tochter und seiner alten Mutter zusammen. Die Tochter ist in der Pubertät, buhlt mit schwierigem Verhalten um die Liebe ihres Vaters, was dieser aber erst am Ende des Buches begreift und sich zu einer bewegenden Verhaltensänderung durchringt.
Ein Fall ganz besonderer Art hat ihn dazu gebracht. Maresciallo Bonanno muss eines Tages den Mord an einem Fischhändler aufklären, dessen Leiche mit gespaltenem Schädel auf einer Müllkippe gefunden wird. Der Fischhändler war ein leidenschaftlicher Spieler, und so liegt es nahe, die Lösung des Falles in diesem Milieu zu suchen. Roberto Mistretta beschreibt auf liebevolle und humorvolle Weise sizilianische Verhältnisse. Die Schilderung der Kollegenschaft von Bonanno ist noch differenzierter, aber auch, wie ich finde, realistischer, als dies Andrea Camilleri bei seinem Montalbano gemacht hat. Miteinander versuchen sie, den Fall zu lösen; der ihnen vorgesetzte Capitano macht für italienische Verhältnisse außerordentlich wenig Probleme - er ist voll und ganz mit seinem Liebesleben beschäftigt.
Etwas, was dem Leser vom Anfang des Buches in kurzen Textabschnitten mit verändertem Schruftbild langsam näher gebracht wird, erkennen die Ermittler erst ganz am Ende. Der Tod des Fischhändlers hat etwas zu tun mit den Erinnerung eines Mädchens, die vom Autor über viele Jahre verfolgt werden ...
Mehr soll hier nicht verraten werden. Plätschert der Roman am Anfang noch hauptsächlich in Beschreibungen sizilianischer Lebensart und privaten Probleme Bonnanos dahin, nimmt er bald Fahrt auf, und wird am Ende sehr spannend, aber auch menschlich bewegend und tiefgehend.
Diese Serie wird man als Krimileser im Auge behalten müssen. Der erste Band ist ein vielversprechender Anfang.