Was erwartet man von klassischen Vampirromanen? Ja, Blutsauger, rabenschwarze Nächte, geheime Verschwörungen, atemlose Jagden durch verschlungene Straßen. Kurz: Jede Menge Spannung. Fast nichts davon findet sich in »Das fünfte Imperium« wieder. Dieser Roman ist vielmehr auf einer meist sehr abstrakten, philosophischen Ebene angelegt. Dementsprechend gering fällt die eigentliche Handlung, insbesondere in der ersten Hälfte, aus. Das erste Drittel beispielsweise umspannt die Lehrstunden, die Rama erhält, um sich auf sein Leben als Vampir vorzubereiten. Und selbst dann sind die Überlegungen, die Gedanken und Fragen nicht erschöpft. Hier beginnt er selbst, diese zu formulieren. Viel später kommt es zu einem Duell und man vermutet, nun, ja nun geht es endlich los mit Action, Kampf und dem gewissen Nervenkitzel. Nichts da. Obwohl die Duelle unter den Vampiren zumeist mit Waffen ausgetragen werden, entscheiden sich die Duellanten zu einer neumodischen Variante, die an dieser Stelle nicht verraten werden soll.
Trotz allem bringt das Werk des erfolgreichen russischen Autors, der besonders bei jungen Lesern gut ankommt, eine Vielzahl von interessanten Gedanken über Moderne und Menschheit generell mit sich. Obwohl die Geschichte in einem fantastischen Rahmen angelegt ist, mit Elementen, die - so hofft man - ausgedacht sind, lassen sich viele Dinge auf die heutige Gesellschaft übertragen und man erwischt sich schnell bei einem zustimmenden Nicken.
»Das fünfte Imperium« ist angenehm geschrieben, zu Beginn mit dem Leichtsinn und Lebensgefühl eines 19-jährigen jungen Mannes, der merklich Veränderungen durchmacht. Und damit ist nicht nur seine Transformation zum Vampir gemeint, er geht auch generell komplexeren Überlegungen nach und reift.
Äußerlich wird das Buch trotz seiner recht schlichten Aufmachung durch ein strahlendes Rot zum Hingucker im Regal. Es wirkt letztendlich verwegener, als es ist.
Ein Vampirroman mit philosophischen Aspekten, der eigentlich vielmehr ein Menschenroman ist, als er es zu sein vorgibt. Interessante Gedankengänge, die nicht immer mit der zu erwarteten Spannung verpackt werden. Mehr Handlung hätte diesem Buch gutgetan.