Man muss Wolf Haas' Romane um den Privatdetektiv Simon Brenner einfach ins Herz schließen, meine ich. Wenn man grade wieder eine Lektüre aus seiner Feder gelesen hat, dann fällt es sichtlich schwer "normal" zu schreiben. Wolf Haas macht es einem relativ einfach seinen witzigen, einmaligen Erzählstil nachzuahmen.
Dabei wird in seinen Kriminalromanen die Jagd nach dem vermeintlichen Täter eigentlich zur Nebensache...
Ein bisschen kann man den Brenner ja schon verstehen. Quasi, beste Jahre vorbei. Zu früh für die Pensionierung und Dienstwohnung wird's wohl auch keine mehr geben. Da zieht's den Brenner "back to the roots". Nach Graz. Ins Haus der Grosseltern, wo er dann doch merkwürdig sentimentale Anwandlungen bekommt. Obwohl er die auch in den vorangegangenen Romanen schon zu Hauf hatte. Aber diesmal geht's ihm selber an den Kragen und einer seiner Jugendstreiche holt ihn ein.
Doch wie erwähnt: Der Krimi wird dem Brenner-Fan nur nebensächlich interessieren. Vielmehr ist es auch unterhaltsam diesen tief im Protagonisten sitzenden Weltschmerz mitzuerleben, weil der Brenner, quasi Philosoph! Was für ein Wunder, dass es ihn da in die Sigmund-Freud-Klinik verschlägt.
Und wen's interessiert, warum der Arnold Schwarzenegger überhaupt eine Laufbahn als Muskelprotz eingeschlagen hat, der MUSS dieses Pamphlet sogar unbedingt lesen.
(Ich hab beim Lesen einige Male derart laut aufgelacht, dass ich nicht umhin kam meiner Schwester, die da so quasi neben mit am Strand vor sich hingebruzzelt hat, aber einen tödlich langweiligen historschen Roman als Lektüre hatte, die witzigsten Stellen vorzulesen, oder nachzuerzählen. Und ich glaube die Geschichte mit dem Arnold Schwarzenegger, die war derartigermaßen witzig in die Handlung eingebaut, da bleibt einem nicht viel übrig, als laut zu lachen.)
Wer Wolf Haas und seine "Brenner"-Romane nicht kennt und Lust auf einen etwas anderen Krimi hat, dem kann ich "Das Ewige Leben" nur ans Herz legen (so wie sämtliche seine anderen Bücher auch). Das Buch liest sich - nach einer kurzen Eingewöhnungsphase - recht flüssig. Vor allem aber abwechslungsreich anders. Amüsant. Meine ich jedenfalls. 5 Sterne!
Hier die Brenner-Krimis in chronologischer Reihenfolge mit (Handlungsort), Verlag, Erscheinungsdatum und ISBN
Auferstehung der Toten (Zell am See), Rowohlt, 1996, ISBN 3499228319
Der Knochenmann (Klöch in der Steiermark), Rowohlt, 1997, ISBN 3499228327
Komm, süßer Tod (Wien), Rowohlt, 1998, ISBN 3499228149
Silentium! (Salzburg), Rowohlt, 1999, ISBN 3499228300
Wie die Tiere (Wien), Rowohlt, 2001, ISBN 3499233312
Das ewige Leben (Graz), Hoffmann und Campe, 2003, ISBN 349224095X
Der Brenner und der liebe Gott, 2009, ISBN 978-3-455-40189-9
(Stand von Mai 2011. Als Quelle für diese Auflistung diente mir wikipedia.de))