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Das erotische Talent meines Vaters
 
 
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Das erotische Talent meines Vaters [Gebundene Ausgabe]

Björn Kern
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
  • Verlag: C.H. Beck; Auflage: 1 (15. Februar 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406598374
  • ISBN-13: 978-3406598371
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 12,8 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 398.050 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Björn Kern
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Die tragikomische Geschichte wird vielschichtig, nicht chronologisch, sprachlich absolut grandios und spannend erzählt." --FAZ.NET, 27. Mai 2010

"Ein rundherum sympathisches Buch!" --Deutschlandradio, 21. April 2010

"Björn Kerns Realismus hat einen feinen Blick für die Bewegungen der Figuren. Die Mutter, der Sohn, der Vater und seine beiden Geliebten formieren sich zu einer fast klassischen Choreografie der Anziehung." --DIE WELT, 6. März 2010

„Björn Kern erzählt in seinem neuen Roman von der Liebe der Generationen und der nicht ganz einfachen Liebe zwischen den Generationen.“ --SWR Fernsehen, 12. März 2010:

"Die tragikomische Geschichte wird vielschichtig, nicht chronologisch, sprachlich absolut grandios und spannend erzählt." --FAZ.NET, Literaturkurier, 27. Mai 2010

"Apropos Erfolg, Björn Kern kann schreiben, nämlich farbig und unterhaltsam, sogar spannend und augenzwinkernd, wenn er die bürgerliche Welt, in der der Vater in die Pubertät gerät, verkehrt und so eine aktuelle Variante des nicht umzubringenden Vater-Sohn-Konflikts darstellt, um nichts anderes als die große Zuneigung zwischen ihnen zu artikulieren." --Janko Ferk, Die Presse, 15. Mai 2010

"Ein feiner Roman über die fidele Elterngeneration, die ihre Kinder alt aussehen lässt." --Annabelle, 10. Mai 2010

"Björn Kerns Realismus hat einen feinen Blick für die Bewegungen der Figuren. Die Mutter, der Sohn, der Vater und seine beiden Geliebten formieren sich zu einer fast klassischen Choreografie der Anziehung. Es sind die tiefen Provinzen Deutschlands und der Vater-Sohn-Beziehungen, die dieser Roman in lapidarer Komik bereist." --Paul Jandl, Die Welt, 6. März 2010

Kurzbeschreibung

Ist es ein vom Wunsch nach Nähe angeregter Wochenendausflug zum Vater oder ein Kontrollbesuch? Als der Sohn, der Icherzähler in Björn Kerns neuem Roman, aus Berlin an den Bodensee kommt, um nach längerer Zeit einmal wieder nach dem Vater zu sehen, holt dieser ihn nicht vom Zug ab. Vergessen, verschusselt, egal? Der Vater Jakob, hoch in den Sechzigern, aber von fast schon erschreckender Virilität, durchtrainiert und mit einer beeindruckenden schwarzen Lockenpracht gesegnet, stellt den Sohn, der als Pfleger arbeitet, vor nicht wenige Rätsel. Welche Rolle spielen die beiden Frauen, die den Vater zu belagern scheinen und von denen er sich angeblich belästigt fühlt, tatsächlich? Was finden sie an ihm und was am Sohn? Wieso ist der Vater so fit und wo treibt er sich eigentlich nachts herum? Nimmt er gar Drogen?

Farbig und unterhaltsam, spannend und mit einigem Augenzwinkern erzählt Björn Kern von der neuen, verkehrten Welt, in der die Kinder bürgerlicher sind als ihre freizügigen, sich um ihre Selbstverwirklichung sorgenden Eltern. Komisch und melancholisch zugleich bietet der Roman eine höchst zeitgemäße Variante des uralten Vater-Sohn-Konfliktes.

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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Carl-heinrich Bock HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Nach "Einmal nach Marseille" und "Die Erlöser AG" hat der junge Autor Björn Kern, Absolvent der Leipziger Autorenschmiede, mit "Das erotische Talent meines Vaters" wieder einen fesselnden Roman geschrieben, in dessen Zentrum eine Vater-Sohn-Beziehung steht. Der Sohn, der Icherzähler, heißt Philipp, ist Anfang zwanzig und der Roman beginnt damit, dass dieser seinen "68 er Vater" Jakob, der hoch in den Sechzigern ist, in seiner Villa am Bodensee besuchen will. Die Mutter, Kunsthandwerkerin, hat sich vor zwei Jahren davongemacht, lebt zurzeit ohne irgendeine Liaison, interessiert sich jedoch wieder für ihren Ex.

Zwei Jahre nach der Trennung lebt der Vater immer noch in seiner Seevilla am Bodensee und Philipps Annahme, ihn dort verwahrlost und einsam anzutreffen erweist sich als Irrtum. Er ist ein attraktiver, gut aussehender, durchtrainierter Mann, der scheinbar mit seinem exzessiven Lebensstil einen zweiten Frühling erlebt. Vor Heiratsanträgen kann er sich nicht retten, wenn auch die Verhältnisse recht ungeordnet zu sein scheinen. Belagert wird er von zwei Frauen, Alma die Mitte vierzig ist und die noch etwas ältere Karin, die einmal die beste Freundin der Mutter war. Es liegt sicher nicht an Philipp, dass er nicht so richtig durchblickt, was sich im Hause seines Vaters abspielt.

Wenn man den Roman liest, dann fragt man sich immer wieder, was für den armen, zu bemitleidenden Philipp wohl komplizierter ist, die Liebe des Vaters zu bekommen oder selbst eine Beziehung aufzubauen? Letzteres ist nur ein Nebenplot in dem Roman. Tatsächlich ist der Protagonist nicht wirklich, wie in anderen Romanen, der Liebende oder Leidende, sondern es geht vorrangig um die "Liebe der Generation darüber". Damit es aber gute Literatur wird gibt es in zwei, drei Rückblenden die "Blaupause" dieser ebenfalls unglücklichen Liebe des Philipp. Seine Marie hat ihn verlassen, ist nach einem Auslandssemester an der Berliner Uni, wo sie ihn parasitär als "Muttersprachler" nutzte um Deutsch zu lernen, wieder nach Marseille zurückgekehrt.

Das Vater-Sohn Verhältnis ist sehr ambivalent. Einerseits bewundert er seinen Vater, andererseits ist es eine Art Hass-Liebe, bei der sich zwischen den beiden ein konträrer Generationenkonflikt abspielt. Der Sohn ist der einzige der einen festen Job hat. Er arbeitet in Berlin als Pfleger, hilft psychisch kranken Menschen und verdient sich damit seinen spärlichen Lebensunterhalt. Nun kommt er an den Bodensee, fühlt sich von der Libertinage, Umtriebigkeit und egozentrischen, stoischen Abgeklärtheit seines Vaters angezogen und abgestoßen zugleich. Natürlich findet er es in irgendeiner auch faszinierend, wie der Vater sich wie ein erwachsender Teenager aufführt. Philipp weiß aber auch, dass vom Glücklichsein keine Rede sein kann, denn nichts ist seiner Meinung nach besser als eine dreißigjährige funktionierende Ehe. Er will das eigentlich nicht richtig bewerten, stellt sich aber implizit die Frage, welcher Generation gehöre ich an? Bin ich ein Spießer weil ich einer geordneten Arbeit nachgehe? Er hat dann gegen sich selber den nicht ganz unberechtigten Verdacht, dass er als Sohn ein wenig zu früh vergreist ist. In diesem Sinne ist "Das erotische Talent meines Vaters" eine ganz wertkonservative, hochmoralische Geschichte.

Der Vater erkennt, dass der Sohn nicht nur ein Spießer ist, einen Putztick hat und möglicherweise von der Mutter als Infomationslieferant instrumentalisiert wird, erkennt aber nicht die Sorgen die sich der Sohn macht, weil sich alles nur um ihn dreht. Er ist der Macho der die Szenerie am Bodensee beherrscht. Das ganze Wochenende gestaltete sich wie ein Theaterstück und Philipp versucht nun da etwas Authentisches hineinzubringen, denn er sieht in allem nur ein undurchschaubares Gespinst aus Lebenslust und verräterischem Selbstbetrug. Wäre da nicht für den Vater der geeignete Zeitpunkt für einen Neustart? Das alles ist dem literarischen Interesse geschuldet, denn der Roman könnte ja auch damit aufhören, dass der Sohn den Eltern die Meinung sagt, sie zur Vernunft bringt damit sie wieder zusammen kommen.

Wichtig ist die Liebe der Eltern. Was ist da schief gegangen? Philipp erinnert sich an die Zeit als seine Eltern, Vater Jakob und Mutter Iris und er noch eine kleine Familie waren. Dreißig Jahre waren die Eltern verheiratet, dann ist die Ehe in die Brüche gegangen, obwohl die Liebe weiterhin vorhanden ist. Das undurchschaubare Spiel mit Alma und Karen, verdeckt nur, so glaubt der Sohn gegen Ende zu begreifen, ganz unzeitgemäß" die richtige, die wahre Liebe zwischen den beiden Elternteilen.

Am Ende bleibt der Sohn auf der Strecke und da hat man einmal wieder den Eindruck, dass Liebesgeschichten schwierig, kompliziert oder katastrophal enden müssen, damit sie es in die Literatur schaffen.

Ein eindrucksvolles Buch in einer wunderbar klaren poetischen Sprache von emotionaler Sprachgewalt. Die geschickt aufgebaute Spannung und die subtile Ironie machen die Lektüre zu einem abgründigen Vergnügen. Ein Buch das atmosphärisch dicht arbeitet und aufgrund der unterschiedlichsten Reflexionsebenen viele Leserinteressen bedienen kann.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
In einem langen Gespräch, das meine Frau und ich vor einiger Zeit mit einer Sportfreundin meiner Frau führten, kam diese nach einiger Zeit auch auf ihre seit langen Jahren schon gescheiterte Ehe zu sprechen und auf ihren Wunsch, sich endlich von dem Mann, mit dem sie nicht mehr glücklich ist und der sie seit langem schon mit vielen Frauen betrogen hat, zu lösen und wegzugehen, ein neues Leben allein zu beginnen. Auf unsere Frage, warum sie sich diesen Tort antut und nicht schon längst eine entsprechende Entscheidung gefällt hat, verwies sie auf ihre beiden schon lange erwachsenen Kinder, die sich heftig und entschieden dagegen ausgesprochen hätten und die angäben, das würden sie nicht verkraften. Wohlgemerkt: die erwachsenen Kinder ertragen den Gedanken nicht, ihre Eltern könnten auch offiziell getrennte und geschiedene Wege gehen.

An dieses Gespräch war ich des öfteren erinnert, als ich den neuen Roman des Schriftstellers Björn Kern las, dessen Erstling "Die Erlöser-AG" mich schon 2007 begeistert hat. Damals bemerkte ich in einer Rezension:
"Kern will aufrütteln, betroffen machen, aber er tut es nicht rührselig oder mit erhobenem Zeigefinger, sondern nutzt meisterhaft die literarischen Möglichkeiten der Groteske und der Ironie, er spielt mit suggestiven Bildern, die den Leser nicht loslassen und ihn nachdenklich und verstört zurücklassen."

Das gilt in weiten Teilen auch für seinen neuen Roman "Das erotische Talent meines Vaters". Es ist mitnichten ein erotischer Roman, wie ein literaturinteressierter Tennisfreund gestern mit Blick auf das Titelblatt vermutete. Es ist die Geschichte der Liebe eines Sohnes zu seinen Eltern.

Philip, der, gerade 22-jährig, in Berlin lebt und nach einem Zivildienst ( wie Kern auch) beruflich in der Pflege von psychisch kranken Menschen zu tun hat, versucht von Berlin aus, sowohl mit seinem am Bodensee in einer Villa (vermutlich in Überlingen) nach seiner Pensionierung lebenden Vater Jakob den Kontakt zu halten, als auch zu seiner Mutter Iris, die vor zwei Jahren den Vater verlassen hat. Jakob war lange Jahre in gehobener Stellung in großen Firmen tätig und hat auch danach noch viel Geld mit Beratung und Coaching verdient. Er ist stolz auf seine 68- er Vergangenheit und auch seinem Sohn haben seine Ideale und Werte immer imponiert. Nun scheint es aber so, dass der Vater nur noch an sich selbst denken und endlich nur für sich leben will.

Als sich Philip zu Beginn des Buches zu einem Wochenendbesuch an den Bodensee aufmacht, ist zunächst nicht ganz klar, ob er es tut,um seinen Vater zu kontrollieren, oder ob er ihm einfach wieder näher kommen möchte. Er trifft auf einen Vater, der angibt, von mehreren Frauen belästigt zu werden, die alle etwas von ihm wollten. Er trifft den Freund seines Vaters , Dotto, einen Italiener, mit dem Jakob opulente Mahlzeiten kocht und dabei Unmengen von Wein und Schnaps vertilgt.
Und er trifft zwei von den besagten Frauen. Die eine, Karen, ist eine Freundin seiner Mutter Iris, und ist mit dieser und dem damals noch kleinen Philip mehrfach durch Osteuropa und die Türkei gefahren und hat dabei nicht viele Männer verschmäht. Schon damals hat der kleine Junge unter den Heimlichkeiten gelitten, in die er von seiner Mutter involviert wurde.
Die andere, Alma, etwa vierzig Jahre alt, übt auf Philip eine erotische Anziehung aus, die er aber nicht zulässt. Philip selbst, der über das ganze Buch der Sohn ist, der beide Elternteile liebt und darunter leidet, dass sie nicht mehr miteinander sprechen, hat selbst eine Beziehung verloren. Seine Freundin Marie konnte es unter anderem nicht ertragen , dass er sich mit kranken und gestörten Menschen befasst.

War es also zu Beginn des Buches noch unklar , welchen Charakter Philips Besuch am Bodensee hat, war es unklar, welche Rolle sein Vater da spielt, ob er gar Drogen nimmt und sein Leben ruiniert, wird es im Verlauf des Buches ziemlich eindeutig. Es geht nicht um Kontrolle, es geht um Liebe. Die Liebe Philips zu seinen beiden Eltern, von der aber an keiner Stelle ausdrücklich die Rede ist, und um die verlorene Liebe von Jakob und Iris.

Und es ist eine Geschichte darüber, wie schwer es heutzutage manchmal die Jungen haben, mit ihren alt gewordenen, einst aufmüpfigen und ausgeflippten Eltern auf einen Nenner zu kommen, die Geschichte einer Generation bürgerlicher Zwanziger, denen die Eltern wichtig bleiben, gerade wenn sie kurz davor stehen, eine eigene Familien zu gründen.

Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der als Kind von seinen Eltern nie wirklich das bekommen hat, was er gebraucht hätte, von Eltern, die mehr mit ihrer eigenen Selbstverwirklichung oder der Weltveränderung beschäftigt waren als mit ihrem heranwachsenden Sohn. Und es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der mit Geduld und Ironie versucht, daran etwas zu ändern, und seine Eltern wieder zu Eltern zu machen.

Eine köstliche Lektüre, witzig und ironisch, die aber auf einer ganz tiefen Ebene, die das Buch erreicht, mich als Vater eines gerade 7 Jahre alt gewordenen Jungen sehr bewegt hat
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Verspielte Liebe 22. Februar 2010
Format:Gebundene Ausgabe
Björn Kern: Das erotische Talent meines Vaters
Roman. C.H.Beck. München, 2010

Sein vierter Roman ist da. Und wieder nimmt mich die Sprache von Björn Kern gefangen. Er redet nicht, er gestaltet, bildet Szenen, die als starke Bilder haften bleiben. Schon bald zu Beginn des neuen Romans fesselt eine mehrdeutig aufgeladene Fressorgie, in die der Ich-Erzähler hineinplatzt. Mit dem "erotischen Talent des Vaters" wird getändelt, gespielt. Die Sätze zeigen etwas, um es gleich wieder zu verstecken.

Man genießt Rinderhoden, die gegen alle Kochgewohnheiten als ganze Stücke gereicht werden, aber das Wort selbst fällt nicht. Diese Rinderhoden bleiben sprachlich "Köstlichkeiten", die den Phantasieraum für den Leser großräumig öffnen. Das gilt für den gesamten Roman. Es entsteht eine schillernde Welt des Ungefähren voller Verweise, es entsteht Poesie.

Ihr schönster Ausdruck ist der Existenzenpark mit Rundrohrtrollen, Messingechsen, Flachblechdrachen, Kupferzwergen und Silberratten. Vor Jahren hat sie Iris, die Mutter des Protagonisten, zusammengelötet; heute hegt und pflegt sie Jakob, der Vater.

Die Geschichte selbst ist, wie so oft bei guten Romanen, rasch erzählt. Wir lernen eine zerbrochene Kleinfamilie kennen. Den über 60jährigen hoch vitalen Vater Jakob, der allein in einer verfallenden Villa am Bodensee wohnt, dessen Sohn, der als Pfleger in einem Heim in Berlin lebt und einmal jährlich zum Vater reist. Iris, die Ehefrau und Mutter, ist die große Anwesend-Abwesende.

Jakob wähnt seine Frau irgendwo zwischen Hamburg und Istanbul in den Armen eines ihrer zahlreichen Liebhaber. Dann gibt es noch Dottore, den mediterranen Architektenfreund, und vor allem Karen und Alma, zwei deutlich jüngere Frauen, die, jede auf ihre Art, versuchen in das Leben von Jakob einzudringen. Aus dieser Konstellation werden die Handlungsstränge und Dialoge entwickelt, die vordergründig Verstehen und Missverstehen zwischen Vater und Sohn thematisieren.

So behauptet auch der Verlagstext auf dem Waschzettel, Björn Kern erzähle von der neuen, verkehrten Welt, in der die Kinder bürgerlicher sind als ihre freizügigen, sich um Selbstverwirklichung sorgenden Eltern. Der Roman biete eine höchst zeitgemäße Variante des uralten Vater-Sohn-Konfliktes.

Sicher, das ist eine Schicht des Romans. Aber ist es die entscheidende?

Ich lese den Text anders. Es geht um verspielte Liebe, verspielt in einem doppelten Bedeutungssinn: Tändeln und Verlust kommen zur Sprache.

Karen und Alma werben um Jakob, gewiss. Er aber nimmt sie nicht wirklich ernst; er hält sie auf Distanz; er spielt mit ihnen. Und das hat einen biographischen Grund. Was Jakob einmal bedeutsam war, ist ihm entglitten. Er ist gleich zweimal gescheitert.
Zunächst: Früher engagierte er sich, mutig, für eine bessere Welt. Er hielt Seminare in der Wirtschaft, kämpfte gegen immense Widerstände, mit dem Ziel, zukunftsfähige Produkte und humanere Arbeitsbedingungen zu ermöglichen. Heute urteilt Jakob darüber: "Die Irrungen, die Wirrungen!" Im Roman sagt er über sich: "Nach vier kämpferischen Jahrzehnten erlaube er sich nun, das Wir durch das Ich zu ersetzen, bevor es das Ich nicht mehr gebe, er habe für ökologische Nachhaltigkeit gekämpft und für soziale Verträglichkeit, jetzt aber kämpfe er nachhaltig für sich selbst; nicht nur die Suche nach der anderen Hälfte, mit der er einst zum vergnüglichen Kugelmenschen verschmolzen gewesen sei, habe er aufgegeben, sondern die Welt um ihn im allgemeinen...".

Aufgabe der Welt: Jakob reiht sich ein in die Schar jener, die im Versuch, die Welt zu retten, gescheitert sind. Die Hoffnung auf radikale Umwälzung betrachtet er nun als etwas, über das der reife Verstand hinausgewachsen sei. Die Welt zu retten, erscheint ihm nur noch als ein morbides Phänomen der Jugend. Er ist dort angekommen, wo Michel Houellebecq längst ist: Er sei "Nihilist, Reaktionär, Zyniker, Rassist und verabscheuungswürdiger Frauenfeind", so Houellebcqs Selbstcharakterisierung in seinem Briefwechsel mit Bernhard-Henri Lévy. Doch so wie sich Houellebecq in dieser Stilisierung seiner Person verfehlt, so verfehlt sich auch Jacob. Das wird im zweiten Scheitern anschaulich.

Es stimmt einfach nicht, dass Jakob die Suche nach der anderen Kugel-Hälfte aufgegeben habe. Er und seine Frau hatten, zeitgeistbedingt, schlicht zu viele Möglichkeiten erotischer Abenteuer in Betracht gezogen, und die nächstliegende praktische Möglichkeit gar nicht mehr wahrgenommen, nämlich die, dass sie sich immer noch lieben.

Das führt der Roman anrührend in einem Subtext vor: Die Sehnsucht Jakobs nach seiner Frau, der Wunsch von Iris, zu Jakob wieder zurückkehren zu können. Es wird uns eine Liebe gezeigt, die beide leichtfertig verspielt haben. Die erotischen Abenteuer der Vergangenheit waren für Iris und Jakob nicht existenztragend. Man wollte den Mief einer repressiven Sexualmoral hinter sich lassen, man suchte das große Abenteuer und hat sich am Ende überfordert.

Die öffentliche Welt da draußen war nicht zu retten. Ist wenigstens die private Welt von Iris und Jakob zu retten? Es besteht begründete Hoffnung. Doch der Leser kennt schon den Preis: Die enttäuschte Liebe der beiden jungen Frauen Karen und Alma. Das alles muss nicht mehr erzählt werden. Es schreibt sich im Kopf des Lesers fort, und der beginnt nachzudenken über Liebe und Treue und Verlässlichkeit in postmodernen Zeiten.

Ein mit Witz erzähltes unterhaltsames Buch, das mich sehr gefesselt hat. Die Literarische Gesellschaft und die Stephanus-Buchhandlung in Karlsruhe werben für eine Veranstaltung mit diesem Satz: "Björn Kern erzählt seinen vierten Roman in meisterhafter, stilsicherer Sprache. Er verbindet spielend Humor und Tiefe zu einem ehrlichen und intelligenten Roman."
Ja. Ich empfehle: Unbedingt lesen!
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So in etwa könnte man das Thema dieses Buches beschreiben. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 28. April 2010 von Sabine Feickert
...aus dem Leben
Auf das Buch Das erotische Talent meines Vaters" von Björn Kern wurde ich bei einer Live Lesung via Internet, der Plattform Lovelybooks.de aufmerksam. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 12. April 2010 von Karin Fiedler
Prädikat: empfehlenswert!
"Das erotische Talent meines Vaters" ist - sofern man Wikipedia da vertrauen kann - der vierte Roman des jungen Autors Björn Kern, ich halte allerdings zum ersten Mal eines... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 10. März 2010 von Ailis
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Sohn sein dagegen sehr. Die Erfahrung, dass Väter schwer zu verstehen sind, macht man heute mitunter auch Jahre nach der Pubertät. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 10. März 2010 von Wirtshausberater
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