Der französische Physiotherapeut und Professor für Pädagogik Danis Bois stellt in seinem Buch Das erneuerte Ich" die von ihm entwickelte Behandlungsmethode vor, die Somatopsychopädagogik. Der Name Somatopsychopädagogik steht für ein komplexes und strukturiert aufeinander aufbauendes Behandlungskonzept. Dieses Behandlungskonzept beinhaltet die manuelle Behandlung durch eine andere Person, das therapeutische Gespräch und sehr langsame Bewegungsübungen, die man allein oder in der Gruppe durchführt . Gegenstand der Bemühungen ist das Wahrnehmen der inneren Bewegung sowie die Entwicklung der eigenen Beziehung zu dieser inneren Bewegung. Die innere Bewegung ist sehr real, spürbar sowohl durch die gestischen Bewegungen wie auch die therapeutischen Berührungen. Unabhängig von der Somatopsychopädagogik können auch andere Menschen, Kunstwerke, Musik oder besondere Worte Menschen in Bewegung bringen. Ohne jedoch in der Wahrnehmung geschult zu sein, merken wir das nur selten. In der Somatopsychopädagogik wurde das Wissen um die innere Bewegung systematisiert und so allen zugängig gemacht. Die innere Bewegung verbindet uns mit uns, mit den anderen und mit dem Leben. Sie ist Lebenskraft. Wenn sie aktiviert ist und wahrgenommen wird, relativieren sich gesundheitliche und psychische Probleme. Der Patient kann so zum eigenen Heiler werden. Mit den gestischen Bewegungen bekommt man ein wirksames Instrument zur Selbstbehandlung und Entwicklung an die Hand.
Der Titel Das erneuerte Ich" bezieht sich also vor allem auf den evolutiven und transformatorischen Aspekt der inneren Bewegung. Als Heilpraktikerin und Diplom-Psychologin mit fast 20 Jahren therapeutischer Erfahrung stellt sich mir die Somatopsychopädagogik als ein konsequentes und in sich schlüssiges sehr wirksames Konzept dar, welches für die therapeutische Arbeit ungeahnte Schätze birgt. Das erneuerte Ich" ist ein guter Einstieg in die Methode, noch besser sind jedoch die Bewegungsgruppen und Selbsterfahrungsworkshops, die in Berlin angeboten werden.
Für Psychotherapeuten bietet die Somatopsychopädagogik ein umfassendes Menschenbild, das auch das Körperliche mit einbezieht. Immer mehr Psychotherapeuten fühlen sich in ihrer heilerischen Arbeit eingeschränkt, wenn sie behandeln, ohne ihre Patienten zu berühren. Wie kann man einen Menschen behandeln, ohne ihn anzufassen? Wen diese Frage bewegt, kann in der Somatopsychopädagogik Antworten und Lösungen finden. Osteopathen, die gelernt haben, mit der inneren Bewegung ihrer Patienten manipulativ umzugehen und dabei unbeteiligt, einsam und schweigsam zu bleiben können lernen, während der Behandlung sowohl verbal wie auch auf der Ebene der Bewegung mit ihrem Patienten in Beziehung zu treten. Für viele osteopathische Kollegen hat sich dadurch ein tieferes Verstehen ihrer Patienten sowie ein ganzheitlicheres Behandlungsspektrum aufgetan.
Die Somatopsychopädagogik hat in den letzten zehn Jahren begonnen, die deutsche Therapielandschaft zu bewegen, indem sie Patienten und Therapeuten eine Integration von Bewegung, Berührung und Sprechen anbietet.
Dies könnte der Grundstein für eine wirklich psychosomatische Therapie sein.