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Das endlose Jahr
 
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Das endlose Jahr [Gebundene Ausgabe]

Gisela Heidenreich
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Die Schatten der Vergangenheit sind noch lange nicht verschwunden. Jedenfalls ist die Aufarbeitung des Nationalsozialismus auch über fünf Jahrzehnte nach dessen Ende noch im Gange. Auch, weil die Betroffenen oft erst nach langer Zeit wagen, sich schonungslos mit dem eigenen Schicksal auseinander zu setzen: Für Gisela Heidenreich vollendete sich erst als reife Frau die "langsame Entdeckung der eigenen Biographie": Sie reist mit ihrer greisen Mutter nach Norwegen, wo sie 1943 in der Nähe von Oslo in einem Lebensbornheim der Nationalsozialisten geboren wurde.

Begonnen hatten die Irritationen um die eigene Identität für die kleine Gisela schon viel früher: Zuerst wird sie in der oberbayrischen Kleinstadt als "norwegisches Waisenkind" ausgegeben und lebt bei der Schwester ihrer leiblichen Mutter; deren Bruder dagegen nennt sie verächtlich "SS-Bankert". Später heißt es, ihr Vater sei in Russland verschollen. Erst mit 18 erfährt sie durch Zufall, dass er -- ein ehemaliger SS-Offizier -- noch am Leben ist. Das endlose Jahr schildert sehr eindringlich diesen ebenso langwierigen wie schmerzhaften Prozess der Suche nach der Wahrheit -- und wie die Beziehung zur Mutter durch deren Verstrickung in Lügen und Halbwahrheiten belastet wird.

Im Anhang des Buches liefert die Autorin auch genauere Informationen über den von Heinrich Himmler gegründeten Lebensborn-Verein. Viele Gerüchte ranken sich darum, inwieweit in diesen Heimen die Fortpflanzung arischer Menschen aktiv gefördert oder sogar erzwungen wurde. Die historischen Tatsachen belegen dies nicht, wohl aber zahlreiche Fälle von Kindesraub. Der Verein förderte -- als "Kehrseite der Judenvernichtung" -- im großen Stil die Mehrung arischen Blutes, zum Beispiel indem SS-Männer aufgefordert wurden, auch außerehelich möglichst viele Kinder zu zeugen, die dann in den Lebensbornheimen zur Welt kamen.

Gisela Heidenreich ist Familientherapeutin von Beruf und weiß deshalb um die schädliche Wirkung von Familiengeheimnissen. Mit ihrem mutigen Buch betreibt sie aber nicht nur in eigener Sache Aufklärung. Sie schildert auch exemplarisch den schwierigen Dialog der Nachkriegsgeneration mit ihren Eltern. Das endlose Jahr liest sich streckenweise spannend wie ein Roman und ist zugleich ein weiterer Mosaikstein im großen Projekt der Aufarbeitung des Dritten Reiches. --Christian Stahl

Oldenburgische Volkszeitung vom 18.Oktober 2002

Was Gisela Heidenreich in beeindruckender Intensität und mit literarischer Feder zu erzählen hat, ist viel mehr als eine persönliche Biographie. „Das endlose Jahr“ ist eine packende Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte, die beispielhaft noch einmal der Frage nachgeht, wie der Einzelne in die Fänge eines verbrecherischen Systems gelangen konnte, ohne sich zu wehren, und wie diese Beteiligung später tabuisiert wurde. Unter großen Schwierigkeiten hat die heute als Familientherapeutin arbeitende Autorin das Beziehungsknäuel Vater, Mutter, Kind entwirrt – mit der Kraft des Verzeihens.

Kurzbeschreibung

Ein Buch von beeindruckender Intensität und Dichte, das mit literarischer Feder eine Geschichte erzählt, die – als Lebensbornschicksal – zwar äußerst ungewöhnlich ist, andererseits aber beispielhaft für viele Fragen der Nachkriegsgeneration an die Generation der Eltern und deren Verhalten zur Zeit des Nationalsozialismus steht.
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