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Das endlose Jahr: Die langsame Entdeckung der eigenen Biografie - ein Lebensbornschicksal
 
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Das endlose Jahr: Die langsame Entdeckung der eigenen Biografie - ein Lebensbornschicksal [Taschenbuch]

Gisela Heidenreich
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 320 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 2., Aufl. (11. Dezember 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596160286
  • ISBN-13: 978-3596160280
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,4 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 61.890 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Gisela Heidenreich
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Die Schatten der Vergangenheit sind noch lange nicht verschwunden. Jedenfalls ist die Aufarbeitung des Nationalsozialismus auch über fünf Jahrzehnte nach dessen Ende noch im Gange. Auch, weil die Betroffenen oft erst nach langer Zeit wagen, sich schonungslos mit dem eigenen Schicksal auseinander zu setzen: Für Gisela Heidenreich vollendete sich erst als reife Frau die "langsame Entdeckung der eigenen Biographie": Sie reist mit ihrer greisen Mutter nach Norwegen, wo sie 1943 in der Nähe von Oslo in einem Lebensbornheim der Nationalsozialisten geboren wurde.

Begonnen hatten die Irritationen um die eigene Identität für die kleine Gisela schon viel früher: Zuerst wird sie in der oberbayrischen Kleinstadt als "norwegisches Waisenkind" ausgegeben und lebt bei der Schwester ihrer leiblichen Mutter; deren Bruder dagegen nennt sie verächtlich "SS-Bankert". Später heißt es, ihr Vater sei in Russland verschollen. Erst mit 18 erfährt sie durch Zufall, dass er -- ein ehemaliger SS-Offizier -- noch am Leben ist. Das endlose Jahr schildert sehr eindringlich diesen ebenso langwierigen wie schmerzhaften Prozess der Suche nach der Wahrheit -- und wie die Beziehung zur Mutter durch deren Verstrickung in Lügen und Halbwahrheiten belastet wird.

Im Anhang des Buches liefert die Autorin auch genauere Informationen über den von Heinrich Himmler gegründeten Lebensborn-Verein. Viele Gerüchte ranken sich darum, inwieweit in diesen Heimen die Fortpflanzung arischer Menschen aktiv gefördert oder sogar erzwungen wurde. Die historischen Tatsachen belegen dies nicht, wohl aber zahlreiche Fälle von Kindesraub. Der Verein förderte -- als "Kehrseite der Judenvernichtung" -- im großen Stil die Mehrung arischen Blutes, zum Beispiel indem SS-Männer aufgefordert wurden, auch außerehelich möglichst viele Kinder zu zeugen, die dann in den Lebensbornheimen zur Welt kamen.

Gisela Heidenreich ist Familientherapeutin von Beruf und weiß deshalb um die schädliche Wirkung von Familiengeheimnissen. Mit ihrem mutigen Buch betreibt sie aber nicht nur in eigener Sache Aufklärung. Sie schildert auch exemplarisch den schwierigen Dialog der Nachkriegsgeneration mit ihren Eltern. Das endlose Jahr liest sich streckenweise spannend wie ein Roman und ist zugleich ein weiterer Mosaikstein im großen Projekt der Aufarbeitung des Dritten Reiches. --Christian Stahl -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Oldenburgische Volkszeitung vom 18.Oktober 2002

Was Gisela Heidenreich in beeindruckender Intensität und mit literarischer Feder zu erzählen hat, ist viel mehr als eine persönliche Biographie. „Das endlose Jahr“ ist eine packende Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte, die beispielhaft noch einmal der Frage nachgeht, wie der Einzelne in die Fänge eines verbrecherischen Systems gelangen konnte, ohne sich zu wehren, und wie diese Beteiligung später tabuisiert wurde. Unter großen Schwierigkeiten hat die heute als Familientherapeutin arbeitende Autorin das Beziehungsknäuel Vater, Mutter, Kind entwirrt – mit der Kraft des Verzeihens. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
26 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
eine wirkliche Bereicherung in meinem Bücherschrank! Gisela Heidenreich hat einen wunderbar flüssigen und sprachlich sehr differenzierten Schreibstil. Was mich besonders beeindruckt hat ist die Art und Weise mit der sie das schwierige Verhältnis zu ihrer Mutter beschreibt. Diese Zerissenheit zwischen Liebe und Hass, Unverständnis und Verstehen-wollen, Abneigung und Mitgefühl. Jedem Geschichtsinteressierten wärmstens zu empfehlen!
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
bemerkenswert 15. Februar 2012
Von Marigard
Format:Taschenbuch
Eine bemerkenswertes, intensives und noch dazu spannend geschriebenes Buch über die schwierige Aufdeckung der eigenen Biografie. Ich habe es kaum aus der Hand legen können und werde sicher auch die anderen Bücher dieser Autorin lesen. Man merkt, dass Gisela Heidenreich Therapeutin ist: ihr Blick ist genau und konstruktiv. Wahrscheinlich gehört viel innere Kraft dazu, sich mit der eigenen Mutter und deren Vergangenheit derart offen und emotional auseinanderzusetzen. Ich habe großes Mitgefühl mit dem tapferen kleinen Mädchen, das all die Demütigungen und Lügen ertragen mußte und trotzdem seinen eigenen Weg aus dem ganzen Dilemma gefunden hat. Es gibt sicher viele Familien, die sich nach dem Krieg hinter einer Mauer aus Schweigen und Halbwahrheiten versteckt haben. Ich habe viel daraus gelernt, und zwar nicht nur über den Lebensborn. Nur zu empfehlen!
War diese Rezension für Sie hilfreich?
1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Leselust VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Gisela Heidenreich schreibt über ihr Verhältnis zu ihrer Mutter, über ihre Kindheit und über die Verstrickungen ihrer Mutter in das Naziregime, über die Lebenslügen ihrer Mutter. Lebenslange Lebenslügen. Mich haben die seelischen Verletzungen, die dem kleinen Kind Gisela von Erwachsenen zugefügt wurden, sehr erschüttert. Da ist ein sadistischer Onkel, der das Kind erbarmungslos quält, da sind kaltherzige Lehrerinnen, die das Kind verachten, nur weil es keinen Vater aufweisen kann. Während der gesamten Kindheit wird Gisela von ihrer Mutter, Großmutter und Tante belogen. Belogen darüber, dass ihr Vater angeblich tot ist. Aber er ist nicht tot, er ist höchst lebendig - lebt mit Frau und vier Kindern einige hundert Kilometer entfernt. Und dann lernt Gisela ihren richtigen Vater endlich kennen - und es stellt sich heraus, dass dieser ehemalige SS-Offizier ein sehr sympathischer, liebenswürdiger Mensch ist. Der Verstand sagt Gisela, das kann doch nicht sein, ich muss diesen Mann doch ablehnen - wegen seiner Vergangenheit, in der er im Managment der Lebensbornheime mitwirkte, genau wie Giselas Mutter. Aber der (Ex?) Nazi gibt Gisela endlich alle Zuneigung und herzliche Liebe, die sie bei ihrer Mutter lebenslang vermisste. Ein ganz tragischer Konflikt zwischen Herz und Verstand. Genauso die Mutter - die während Giselas Kindheit immer wieder ihre eigene Tochter verleugnet hat - und das "nur", weil dieses Mädchen unehelich geboren wurde - Tochter eines verheirateten Mannes. Ein Wechselbad der Gefühle für das Mädchen. Dazu noch die Geschichte der Nazi Rassenideologie - Deutsche Mütter gebären für das Reich rassenreine Elitekinder. Die Nazis wollten eine neue Gesellschaftsordnung - das ist mir selten so klar geworden wie in diesem Buch. Deshalb danke ich Gisela Heidenreich, dass sie mit dem Thema "Lebensbornheime" und der unrühmlichen Vergangenheit ihrer Eltern an die Öffentlichkeit gegangen ist. Ich habe auch viel gelernt über "Familientransmissionen" - wie sich die Fehler einer Generation in Familien manchmal in der nächsten Generation wiederholen, ohne dass es bemerkt wird.
Ich habe mich oft gefragt, was waren das nur für Menschen, diese SS Offiziere. Und wie können sie mit ihrer Schuld heute leben. Viele können mit ihrer Schuld offenbar bestens leben, weil sie diese Schuld nie hinterfragt haben, sich keiner Verantwortung bewusst sind, die eigene Verstrickung in das Unrechtregime bis heute leugnen. Gisela Heidenreich baut ihrer Mutter eine Brücke und deutet an, dass es da vielleicht so etwas wie Angst vor der Rache der übrigen Ex-Nazis gab, ein gemeinsames Schweigegelübte, keiner redet, alle halten den Mund. Mir hat der alte Mann sehr Leid getan, der seine tatsächlichen Eltern suchte und dem offenbar nicht geholfen wurde, weil das Verbrechen eines Kindesraubes vertuscht wurde. Im Fernsehfilm wurde eine Lösung angedeutet, im Buch scheint sein Fall hoffnungslos.
Ich kann dieses Buch wirklich empfehlen, es ist keine leichte Lektüre, aber es lohnt sich.
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