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Das dunkle Schiff [Gebundene Ausgabe]

Sherko Fatah
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Kurzbeschreibung

18. Februar 2008
Ein junger Iraker gerät unter die Gotteskrieger und flieht nach Deutschland. Ein kluger Abenteuerroman, der mit Spannung zeigt, wie ein kleines Leben von großen Umwälzungen erfaßt wird.Das Buch erzählt die Geschichte des jungen Kerim, von Beruf Koch, der sich aus dem irakischen Grenzland auf die beschwerliche und gefährliche Reise nach Europa macht. Von früh an der Idee verfallen, sich zu verwandeln, hat er noch andere Gründe für seine Flucht, war er doch unter die Gotteskrieger geraten und mit ihnen durch das Land gezogen, bevor er sich von ihrem Weg der Gewalt lossagte. Kerim, bemüht, in Deutschland ein neues Leben zu beginnen, kann, obwohl er in dem fremden Land auch Zuwendung und sogar seine erste Liebe findet, die Vergangenheit nicht abschütteln, vielmehr scheint diese sich fortwährend auf ihn zuzubewegen.
In diesem Roman geht es nicht um den Islam, sondern um den Extremismus, der viele Erscheinungsformen haben kann, um seine Verführungsmacht und die Folgen. Extremismus entsteht nicht in einem Kopf, sondern unter realen Lebensbedingungen. So ist Kerims Geschichte die eines kleinen, konkreten Lebens inmitten großer Umwälzungen, und sein spirituelles wie auch seine realen Abenteuer sind nicht so außergewöhnlich, wie sie aus europäischer Sicht scheinen mögen. Viele haben sich wie er auf den Weg gemacht, viele sind auch wie er verstrickt worden, wenn schon nicht immer aus nachvollziehbaren Gründen, so zumindest doch auf eine Weise, welche auch die besten Nachrichtenbilder uns nicht zeigen können.

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 440 Seiten
  • Verlag: Jung und Jung; Auflage: 4., Aufl. (18. Februar 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 390249736X
  • ISBN-13: 978-3902497369
  • Größe und/oder Gewicht: 19,8 x 14 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 124.193 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Über den Autor

Sherko Fatah, geboren 1964 in Berlin, aufgewachsen in der DDR, 1975 Übersiedlung nach West-Deutschland. Studium der Philosophie und Kunstgeschichte in Berlin. Auszeichnungen: 2001 mit dem aspekte-Literaturpreis und dem Deutschen Kritikerpreis.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Archaisch, bedrückend, spannend 4. Mai 2008
Von H. P. Roentgen TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Wir sind im Grenzland zwischen Irak, Iran und Türkei und Kelim wächst in einer Kleinstadt am Rande der Berge auf. Sein Vater hat ein Restaurant, Kelim wird Koch. Saddam herrscht im Irak, doch in den Bergen hat sich schon eine kleine Enklave von Gotteskriegern gebildet.

Kelim, der Koch, gerät in ihre Fänge. Und folgt ihnen. Die Amerikaner kommen, die Gewalt eskaliert und eines Tages kann Kelim sich bei einer Operation einen großen Batzen Dollars sicheren. Ohne dass es die anderen merken. Er flieht zurück zu seiner Familie, doch auch dort ist er nicht sicher, das weiß er. Also flieht er weiter, zu einem Onkel in Berlin.

Doch auch dort lässt ihn seine Vergangenheit nicht los. Die Geborgenheit der Gemeinschaft der Gläubigen, die Fremde, die Vergangenheit; all das macht ihm zu schaffen.

Fatah hat mit einer selten eindrücklichen, bildhaften Sprache seine Geschichte erzählt, die Geschichte eines Jungen, eines Mannes, der selbst eigentlich nur in Frieden gelassen werden will. Kelim ist nicht einer, der handelt, der Dinge in Gang setzt. Das tun andere. Fatah erklärt uns auch nicht seinen Helden, er psychologiert nicht, Erklärungen überlässt er dem Leser. Er schildert. Das macht sein Buch so eindrücklich wie die Landschaft, in der es größtenteils spielt.

Die Geschichte eines Kochs, der in Fänge der Ereignisse gerät, sich der falschen Seite anschließt. Ob es hier eine richtige Seite gibt, darüber muss der Leser entscheiden.

Ein Ausnahmebuch, das gleichermaßen durch Sprache wie durch die Figuren und die Geschichte packt, spannend wie ein Thriller, düster, drohend, archaisch wie die Berge.
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein dunkles Buch 19. März 2008
Von Fannibas
Format:Gebundene Ausgabe
Atemlos und betroffen hinterlässt einen dieses Buch. Es erzählt die geistige Verirrung des jungen Irakers Kerim, der sich im Irak den Gotteskriegern anschließt - und sich schließlich von ihnen lossagt. Doch die Vergangenheit lässt sich - auch fern der Heimat - nicht abstreifen: noch in Europa holt sie den jungen Koch wieder ein.

In klaren, dennoch berührenden Sätzen schildert Fatah den verschlungenen Lebensweg eines Menschen, der auf der Suche nach geistigem Halt in die falsche Gesellschaft gerät - und sich so in einen lebenslang währenden Pakt begibt. Dieses Buch lässt einen lange nicht mehr los.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kulturkritische Odyssee 13. März 2009
Format:Gebundene Ausgabe
Sherko Fatahs moderne Odyssee ist die Geschichte eines jungen Irakers namens Kerim, der eigentlich nur in Ruhe seinen Lebensweg finden will. Die Umstände machen ihm nur leider immer wieder einen Strich durch die Rechnung: Sein Vater, der als Koch ein kleines Gasthaus am Rande einer Hauptverbindungsstraße betreibt, wird von skrupellosen Saddam-Schergen erschossen, als er sie daran hindern will, ihre Zeche zu prellen. Und als Kerim später von seiner Mutter mit Lebensmitteln zu den Großeltern geschickt wird, gerät er in die Hände so genannter Gotteskrieger, in deren Augen alles aus dem Westen verdorben ist. Westliche Frauen sind Huren, die Männer Missionare der Hurerei. In den Worten des geistlichen Oberhaupts des kleinen Sprengkommandos, in dessen Obhut Kerim geraten ist, hört sich das so an (S. 150f.): "Keiner von uns allen muss leben! Nur die Ungläubigen können davon nicht lassen, denn das ist alles, was sie haben. Wir aber haben das Paradies [...]. Wir sind auf dem Pfad Gottes, auch wenn er ein Federstrich ist aus Blut." Heiliger Krieg also. Er gilt den lau gewordenen angepassten Moslems ebenso wie den westlichen Eroberern. Und er fordert bittere Opfer: Kurz vor seiner Flucht muss Kerim mit ansehen, wie sein Freund, der 15-jährige Hamid, mit einer Bombe um den Bauch auf die Straße geschickt wird, um ein paar "Kollaborateure" zu strafen.
Mit Hilfe von Nasir, der ein alter Freund seines Vaters ist, (und gestohlenen 4000 Dollar) gelingt Kerim schließlich die Emigration nach Deutschland. Im gespenstischen Dunkel eines Frachtraums trifft er auf den Schwarzafrikaner Tony, einen Lehrer, wird gemeinsam mit ihm ausgesetzt und erlebt eine Robinsonade. Halb verhungert sind Kerim und Tony, als ein Schiff den einen von der Insel holt und den anderen verzweifelt zurücklässt. Schließlich gelangt Kerim doch noch ans Ziel seiner Reise: Sein Onkel Tarik nimmt ihn in Berlin auf. Bei einem Unfall auf dünnem Eis lernt er Sonja kennen und lieben. Doch die Beziehung beschränkt sich aufs Körperliche, letztlich bleiben beide einander rätselhaft. Rätsel gibt auch Amir auf, der auf die schiefe Bahn geratene Sohn eines palästinensischen Schmuckhändlers. Tief in dem gewaltbereiten, aber unglücklichen Bandenchef steckt die Bereitschaft, sich einem größeren, sinnstiftenden Ganzen unterzuordnen. Ausgerechnet Kerim ruft mit seiner nachdenklichen Art in Amir das Bewusstsein für diese nach Inhalt lechzende Leerstelle wach und weist ihn auf eine Moschee in einem verlassenen Berliner Fabrikgelände hin, in der sich Moslems um ihren Imam scharen und radikalisieren. Kerim selbst fühlt sich von der heimatlichen Atmosphäre der Moschee angezogen. Er ahnt nicht, dass er dort einem alten Bekannten, dem Bombenexperten Rashid, wiederbegegnen und damit in tödliche Gefahr geraten wird.
Mit einer eindringlichen Sprache von Hemingway'scher Schlichtheit und Schärfe erforscht der Autor die Untiefen einer gebeutelten Seele und lässt uns darüber nachdenken, ob wir das Leben unter denselben Umständen besser gemeistert hätten als Kerim. Vor allem in den ersten Kapiteln überrascht Sherko Fatahs Wortwahl zuweilen so sehr, dass man nicht ganz sicher sein kann, ob er nach langem Suchen wirklich den Begriff gefunden hat, der am besten passt. (Ebenso gibt es hier vereinzelte Rückfälle in alte Rechtschreibung, als sei der Konflikt zwischen Tradition und Moderne auch auf dieser Ebene noch nicht ganz entschieden.)
Was das Buch dennoch ganz dicht an die 5 Sterne heranbringt, ist zum einen der genial gestrickte Schluss, zum anderen die intensive Auseinandersetzung mit dem Weltbild fanatisierter Moslems und sein ebenso nüchterner wie bedrückender Blick auf das, was unlängst in Deutschland als Parallelgesellschaft zu Medienruhm gekommen ist. Der Roman bemüht sich nicht um Wertungen, bleibt auf Distanz, selbst zum Protagonisten, der dem Leser im Grunde genauso fremd bleibt wie dessen deutscher Freundin. Doch nicht minder erschüttert das Werk als kühl vorgetragene Diagnose gleich zweier Krankheitsbilder: Der von Materialismus und Individualismus sittlich ausgehöhlte westliche Lebensstil, in dem Symptome wie Sinnverlust, Vereinzelung, Konsumsex und Internet-Autistentum den Verlust vitaler familiärer Strukturen begleiten und ein debiles Wertesystem enthüllen, wirkt dabei erschreckenderweise kaum weniger psychotisch als der Irrsinn mesopotamischer Gotteskrieger, die lieber im Kampf für ein archaisches Gesellschaftsmodell sterben, als sich mit einem als dekadent empfundenen zu arrangieren, und Frieden nur als faulen Kompromiss begreifen können: "Versteht doch, sie haben uns nichts gelassen außer dem Krieg." Wer im schon länger angekündigten Kampf der Kulturen als Sieger vom Platz gehen wird, darauf weiß "Das dunkle Schiff" keine Antwort. Nur für Leute wie Kerim, die irgendwie zwischen die Fronten geraten, wird die Sache mit Sicherheit böse enden.
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