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17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Absolut lesenswert: Das dritte Prinzip, 28. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: Das dritte Prinzip (Taschenbuch)
Was macht jemand, der auf der Suche nach Nähe die Zähne ausbeißt ? So geht es dem Journalisten Stephan mit der Frau seines Herzens. Es ist das langsame Wachsen einer zunächst spröden Beziehung - aber er stößt immer wieder auf Mauern. Mauern, die gebaut sind aus Selbstschutz - und die eine einstmals fröhliche junge Frau so verändert haben, daß sie sich nur noch um Unauffälligkeit bemüht.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, macht er sich auf nach Griechenland. Ohne ein Konzept, aber mit dem Wunsch, den Menschen zur Rede zu stellen, dessen Schatten sich über seine Freundin - und damit auch über ihre Beziehung - gelegt hat. Es ist eine Mischung von Haß und Neugier, die ihn treibt. Völlig unverständlich, völlig undenkbar für ihn, warum ein Mann mit einer Frau so umgehen sollte, wie es passiert ist. Als er schließlich selber in eine ähnliche Situation kommt, wandelt sich die Undenkbarkeit in ein Erschrecken vor dem, was selbst in ihm steckt.
Unterscheidet er sich eigentlich so sehr von seinem Kontrahenten? Stephan macht eine Wandlung durch, die er sich nicht hätte träumen lassen. Und er merkt, dass die Theorie - was nicht sein kann - und die Praxis - was dann doch ist - reichlich weit auseinander liegen können...
Prädikat: Lesenswert! Der Autor nimmt den Leser mit auf eine eher ungewollte Selbstentdeckungsreise. Besonders gut gelungen ist dabei die Nähe zur Gedankenwelt der Hauptfigur. Diese enge gedankliche Begleitung läßt den Spannungsbogen gelingen. In die nicht wenigen Weichenstellungen wird der Leser einbezogen - er kann sich identifizieren mit: "Mach' das bloß nicht, Mann!" oder "An deiner Stelle würde ich genau so (oder - würde ich anders) handeln." Schade ist, daß die Freundschaft, die Auslöser der Reise war, über den Erlebnissen völlig an den Rand gerät. Und daß auch offen bleibt, ob sich das alles gelohnt hat... (aber vielleicht kommt es gar nicht darauf an ?)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das dritte Prinzip (Taschenbuch), 11. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Das dritte Prinzip (Taschenbuch)
Norbert Ktügers Stil liest sich flüssig und so realistisch, dass man Lust bekommt, die Kaffeetasse auf den Tisch zu knallen und zu erklären: 'Ich bin dann mal für einen Kurztrip weg nach Paris respektive Hamburg.' Der Autor fesselt seine Leser mit originellen Bildern, und es gelingt ihm, mit wenigen Worten Atmosphäre zu schaffen. Gekonnt führt er seine Leser in die Tiefen eines problematischen Themas, lässt ihnen dabei aber genug Raum für eigene Überlegungen und Gedanken. Muss man als Frau in jedem Mann die potentielle Bestie sehen? Treffend schildert er die Schuldzuweisungen und Vorverurteilungen der Gesellschaft, einfühlsam die Verletzlichkeit der Frau und die Folgen, die die ihr angetane sexuelle Gewalt für sie und ihren neuen Partner hat. Doch was wenn sich ihr Partner als Narziss entpuppt, der nur vordergründig aus edlen Motiven zum Rächer mutiert? Der zweite Teil des Buches, der auf Korfu spielt und wieder viel Detailwissen zeigt, befasst sich kaum mehr mit der eindrucksvoll geschilderten Beziehung zwischen einem Liebespaar, das vor einer großen Herausforderung steht, sondern mit der Befindlichkeit eines narzisstischen Protagonisten, der mit der Kränkung, die ihm durch die Vergewaltigung der Partnerin angetan wurde, nicht fertig wird und grandios untergeht, ohne überhaupt zu begreifen warum. Die vielen Anspielungen und Literaturzitate machen das Buch für jeden, der mit Literatur oder Musik zu tun hat, zu einem Genuss. Eindeutig: Kaufempfehlung
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Müssen Männer vergewaltigen ?, 25. Juni 2003
Rezension bezieht sich auf: Das dritte Prinzip (Taschenbuch)
Stephan, der bewusst französische Lebenskünstler mit kargem Filmkritiker-Einkommen, lernt die spröde Suzanne kennen und schätzen. Trotz langwieriger Versuche gelingt es ihm kaum, sich der jungen Dame seelisch und körperlich zu nähern. Die wurde nämlich auf einer griechischen Insel vergewaltigt, wie sie nach einiger Zeit erzählt. Stephans heile Welt samt innerer Sicherheit gerät dadurch ins Wanken, kannte er doch leidende Opfer bislang nur virtuell durch Film oder als gedankliches Konstrukt, nicht im wirklichen Leben. Als moralisch empörter Frauenversteher begibt er sich nach Korfu, um Suzanne zu rächen und die Welt zu heilen, in der der (oder das) Böse bestraft wird. Die Reise bietet ihm eine Fülle von Möglichkeiten, seine hohen moralischen Anforderungen an Andere mit eigenen Taten und Untaten in Einklang zu bringen. Oder eben auch nicht. Zu den Stärken des Autors Norbert Krüger gehören die Beschreibungen zwiespältiger Gefühle und pittoresker Örtlichkeiten. Sehr schön und gut nachvollziehbar werden Widersprüche zwischen korrektem Gedankengut und unkorrektem Handeln herausgearbeitet. Der Protagonist spürt den Gegensatz überdeutlich und vermag sich doch nicht zu wehren. Man fühlt, wie ihm seine Vorstellung der Welt und der eigenen Person entgleitet. Eher schwach sind Passagen, in denen etwas passiert, weil die Aktionen zu offensichtlich als Vehikel für Gedankenkaskaden dienen sollen. So auch die Schilderung der Vergewaltigung selbst - etwas mehr als 5 Sekunden Gegenwehr und die Frage ‚Was ist denn in Dich gefahren ?' mit unverzüglicher Schicksalsergebenheit hätte es schon sein dürfen. Das Buch ist umweht vom Charme der 70er Jahre des vergangenen Säkulums, Frauen wurden als die gut handelnden Menschen entdeckt und Männer als Täter mit bösartigen Penetrationsgelüsten. ‚Das dritte Prinzip' fährt auf dieser Schiene: Wenn Frau bei Mann einzieht oder sich gar unbekleidet zu ihm ins Bett begibt, sind sexuelle Begehrlichkeiten des Kerls natürlich unstatthaft. Frau kann schließlich erwarten, dass ihr Opferstatus erahnt wird und außerdem sind doch alle Männer irgendwie Vergewaltiger. Stephan, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, hat das so verinnerlicht und hinterfragt Suzannes Vergewaltigung und Verhalten nicht. Das erinnert an frauenbewegte Forderungen, die eine Bestrafung eines Täters auf die bloße Behauptung des Opfers hin verlangten, denn Frauen würden in diesen Angelegenheiten nicht die Unwahrheit sagen. Stephan findet es auch nicht seltsam, dass einer vergewaltigten Frau nichts Besseres einfällt, als sich für eine Mitfahrgelegenheit einen unbekannten Mann auszusuchen ... Die auf den ersten Blick leichte Lektüre hinterlässt den Leser nachdenklich, nicht zuletzt wegen der brachial winkenden Symbole aus Musik und Filmzitaten nach dem Motto: Jetzt lies' doch mal das Hintergründige zwischen den Zeilen ! Vielleicht steckt ja doch nicht in jedem Manne ein Vergewaltiger, aber ‚Das dritte Prinzip' regt an, einmal das eigene Verhalten an dem zu messen, was man für gut und böse hält. Eine Lösung fehlt, was mich unbefriedigt gelassen hat. Aber vielleicht sollte man Befriedigung nicht gerade von einem Buch mit der Thematik ‚Vergewaltigung' erwarten. Krüger erreicht mit dem Buch, was er möchte: Der Leser denkt nach, selbst wenn er eigentlich nicht will (ich wollte nicht!) und sich für einen Gutmenschen hält. Lesenswert !
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