"Lama Rampa" war der Name, den der Engländer Cyril Henry Hoskin für seine illustren Bücher über Tibet wählte, vor allem "The Third Eye", 1956, und "Doctor from Lhasa", 1959. Hoskin war nie in Tibet gewesen und behauptete, nachdem die Verfasserschaft durch einen echten tibetischen Lama von "The Third Eye" von mehreren Tibetologen angezweifelt worden war, der Geist eines Tibeters habe Besitz von ihm ergriffen. Hoskins Erfindungsgabe scheint bewundernswert gewesen zu sein: Als ihn der Verlagsbesitzer Fredric J. Warburg einmal mit dem tibetischen Satz "Hatten Sie eine nette Reise, Mr. Rampa?" begrüsste, er diesen nicht verstand und dann davon informiert wurde, dass das eben Tibetisch gewesen sei, wälzte sich Hoskin am Boden und erklärte sodann, während seiner Folter durch die Japaner, die sein Geheimwissen über Tibet erlangen wollten, hätte er durch Hypnose all seine Kenntnis der tibetischen Sprache blockiert (praktischerweise auch die des Chinesischen und Japanischen!), und gegenwärtig würde ihm das blosse Hören tibetischer Sprache Angst und Schrecken einjagen. "Das dritte Auge" ist überaus unterhaltsam und faszinierend. Darüber hinaus illustriert es aufs Beste die im Westen gängige Verbindung von Tibet mit einer kuriosen Mischung aus Spiritismus und Esoterik. Informationen über tibetische Geschichte, Kultur, Religion, ja Tibet im allgemeinen, kann man aus einem Werk dieses Genres freilich nicht entnehmen. Dass manche heutzutage, mehr als 40 Jahre nach dem Erscheinen einer Rezension von "Das dritte Auge" unter dem Titel "Der Pseudotibetaner" in der "Zeit", immer noch blindlings alles glauben, was da drin steht, zeigt, wie wenig über Tibet in Europa allgemein gewusst wird. (Für mehr Information über Cyril Hoskin: Donald S. Lopez, "Prisoners of Shangri-La, Tibetan Buddhism and the West", University of Chicago Press, 1998.) (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)