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Das dreizehnte Kapitel [Gebundene Ausgabe]

Martin Walser
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (35 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

7. September 2012
Die meisten leiden ohne Gewinn – so steht es im Roman Das dreizehnte Kapitel, der ebendiesen Satz widerlegen will. Mit einem Festessen im Schloss Bellevue fängt er an: Ein Mann sitzt am Tisch einer ihm unbekannten Frau und kann den Blick nicht von ihr lösen. Wenig später schreibt er ihr, und zwar so, dass sie antworten muss. Es kommt zu einem Briefwechsel, der von Mal zu Mal dringlicher, intensiver wird. Beide, der Schriftsteller und die Theologin, beteuern immer wieder, dass sie glücklich verheiratet sind. Aber sie gestehen auch, dass sie in dem, was sie einander schreiben, aus sich herausgehen können wie nirgends sonst und dass sie ihre Ehepartner verraten. Nur weil ihr Briefabenteuer so aussichtslos ist, darf es sein. An ein persönliches Treffen ist nicht zu denken. Die Buchstabenketten sind Hängebrücken über einem Abgrund namens Wirklichkeit. Eines Tages teilt die Theologin mit, ihr Mann sei schwer erkrankt. Während sie auf einer Fahrradtour durch Kanadas Wildnis mit ihm noch einmal das Leben feiert, wartet der Schriftsteller auf Nachrichten. Als wieder eine eintrifft, wirft sie alles um. Martin Walsers Roman über eine Liebe, die als Unmöglichkeit so tiefgründig und lebendig ist wie kaum etwas, kreist auf schwindelerregende Weise um das Wesen der menschlichen Existenz. Und führt dabei vor Augen, dass ein Lieben ohne Hoffnung auf Hoffnung das eigene Leben erst empfindbar macht. Ein bewegender, lebenskluger, ja aufregender Roman über eine Frau und einen Mann, die gerade durch die Unmöglichkeit ihrer Liebe zu einer noch nie erfahrenen Gefühlsheftigkeit gesteigert werden. "Mit diesem furiosen Buch hat Martin Walser der Literatur über die Liebe eines ihrer schönsten, wahrsten und schmerzlichsten Kapitel geschenkt. Ein Meisterwerk der Schreib- und Empfindungskunst, eine der bewegendsten Liebesgeschichten auf der Richter-Skala der Literatur." Christopher Schmidt, Süddeutsche Zeitung "So beschwingt, schalkhaft und verführerisch hat Martin Walser lange nicht mehr geschrieben. Ein großartiges Buch." Volker Hage, Der Spiegel "Was hat ein Martin Walser der Generation Twitter noch zu sagen? Die Antwort: sehr viel." Jan Wiele, Frankfurter Allgemeine Zeitung "Das dreizehnte Kapitel ist von vollendeter Exzentrizität. Das Exzentrische des Romans wirkt begeisternd, frisch - erfrischend schräg." Jens Jessen, Die Zeit "Das dreizehnte Kapitel ist so abgründig, dass man sich sofort gebannt verstricken lässt." Pia Reinacher, Die Weltwoche "Wieder schlicht irre und hinreißend." Sabine Vogel, Frankfurter Rundschau

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
  • Verlag: Rowohlt; Auflage: 3 (7. September 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3498073826
  • ISBN-13: 978-3498073824
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,4 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (35 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 19.041 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Das dreizehnte Kapitel ist so abgründig, dass man sich sofort gebannt verstricken lässt. (Pia Reinacher, Die Weltwoche )

Wieder schlicht irre und hinreißend. (Sabine Vogel, Frankfurter Rundschau )

Das dreizehnte Kapitel ist von vollendeter Exzentrizität. Das Exzentrische des Romans wirkt begeisternd, frisch - erfrischend schräg. (Jens Jessen, Die Zeit )

Was hat ein Martin Walser der Generation Twitter noch zu sagen? Die Antwort: sehr viel. (Jan Wiele, Frankfurter Allgemeine Zeitung )

So beschwingt, schalkhaft und verführerisch hat Martin Walser lange nicht mehr geschrieben. Ein großartiges Buch. (Volker Hage, Der Spiegel )

Mit diesem furiosen Buch hat Martin Walser der Literatur über die Liebe eines ihrer schönsten, wahrsten und schmerzlichsten Kapitel geschenkt. Ein Meisterwerk der Schreib- und Empfindungskunst, eine der bewegendsten Liebesgeschichten auf der Richter-Skala der Literatur. (Christopher Schmidt, Süddeutsche Zeitung )

Über den Autor

geboren 1927 in Wasserburg, lebt in Überlingen am Bodensee. Für sein literarisches Werk erhielt er zahlreiche Preise, darunter 1981 den Georg-Büchner-Preis und 1998 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Außerdem wurde er mit dem Orden «Pour le Mérite» ausgezeichnet und zum «Officier de l’Ordre des Arts et des Lettres» ernannt.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
28 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wir haben mit dem Unmöglichen geflirtet" (S.249) 21. Oktober 2012
Von Spaddl TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Vor ein paar Jahren schrieb der Autor Daniel Glattauer einen eMail-Roman-Bestseller: Gut gegen Nordwind. Der rasante Plot, die tollen Charaktere und die fesselnde Schreibweise ließen mich das Buch binnen weniger Stunden durchlesen. Die Annäherung zweier in ihrem Leben verirrter Menschen, die durch das gegenseitige Geschriebene aus ihren Problemen gerissen werden und sich mehr und mehr zueinander hingezogen fühlen, hat mich damals für die Zeit des Lesens vollständig in den Bann gezogen und mich das Buch dutzende Male empfehlen lassen. Martin Walser hat sich diesem Thema nun in literarischer Weise angenommen und einen Roman geschrieben, der noch lange nach Beenden des Romans nachhallt.

"Das dreizehnte Kapitel" lässt die Geschichte von Maja und Basil erzählen, die sich bei einem Festessen im Schloss Bellevue kennenlernen. Basil, seines Zeichens Schriftsteller, der vornehmlich für seinen Roman "Strandhafer" bekannt (nicht berühmt) wurde, ist sofort von der Theologin Maja fasziniert. Da sie ihn ignoriert, schreibt er ihr kurzerhand einen handschriftlichen Brief, auf den sie antwortet. Daraus entsteht ein ergreifender Diskurs über die Liebe und das Leben, der in einem ebensolchen Ende mündet.

Der Briefroman ist sprachlich ungemein treffend. Walser schreibt mit einem geschliffenen Duktus, sodass der Leser den Dialog der beiden Protagonisten förmlich hören und deren Emotionen nachempfinden kann: "...wenn Deine Verzweiflung und meine Verzweiflung eine Verzweiflung werden, erlischt alle Unmöglichkeit." (S. 161) Das Thema der Unmöglichkeit zieht sich generell durch die Handlung; insbesondere die Unmöglichkeit der sich entwickelnden Zuneigung Majas und Basils wird von beiden mehrfach in den Fokus der Briefe gerückt, da der Schriftsteller und die Theologin wissen, dass ihre Verbundenheit zu keinem Ziel führen kann. Nur das Extreme beider Charaktere lässt einen Berührungspunkt zu. Es ist für den Leser ein Genuss, diese Texte lesen zu dürfen. Durch die Konzeption als Briefroman wird es umso eindringlicher und intensiver.

Das Hin-und-Her der beiden entwickelt einen ungemeinen Sog, insbesondere im zweiten Teil des Romans. Die Sehnsucht, die Leidenschaft im Geiste respektive die intellektuelle Liebe zueinander wird für viele junge Leser eventuell unverständlich bleiben. Es sind keine eindeutigen sexuellen Formulierungen im Roman zu finden, wodurch die körperliche Liebe für das Miteinander Majas und Basils keine übergeordnete Relevanz hat. Selbst das zufällige, flüchtige Treffen am Berliner Flughafen nimmt nur einen kurzen Raum ein. Ich bin selbst erst 23 Jahre jung, aber kann trotzdem die Zuneigung und die Liebe beider nachvollziehen.

Walsers "Das dreizehnte Kapitel" ist klug, voller Weisheiten ohne belehrend zu wirken und tiefsinnig. Zuweilen ist der Roman schwerfällig, um zehn Seiten später wieder voller Leichtigkeit zu leuchten. Das Beeindruckende in diesen "leichten" Sequenzen ist, dass es zu keiner Zeit in die Seichtigkeit oder gar Belanglosigkeit eines vorhersehbaren, tristen Liebesromans abdriftet. Dieser Wechsel von niveauvoller, kulturell inspirierter Konversation mit familiär-freundschaftlichen Anekdoten macht dabei einen besonderen Reiz aus. Die vorherige, kurze Internetrecherche nach dem dreizehnten Kapitel des ersten Briefs an die Korinther und die Einbeziehung desselbigen in das Verständnis des Plots machen aus den 272 Seiten eine tiefgründige Reise zu den Ursprüngen der Liebe. Was ist wahre Liebe? Was kann sie? Darf ein solches intellektuelles Empfinden neben einer 'normalen' Ehe existieren? Warum existiert sie überhaupt? Gibt es eine Form von transzendenter Liebe, die sich von irdischen Prämissen loseisen kann?

Dem Autoren ist ein wunderbares Stück Literatur gelungen, dass nach dem ergreifenden, aber glücklicherweise unpathetischen Ende dem Leser im Gedächtnis bleiben wird. Es ist ein Roman über emotionale Abhängigkeit, unbändige Liebe und die Unmöglichkeit der Selbigen. Absolut lesenswert.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Liebe in den Zeiten der Walserschen Prosa 26. Januar 2013
Von Sarah
Format:Gebundene Ausgabe
Was uns hier als ein "Roman über die Liebe" verkauft werden soll, ist, wie könnte es anders sein, die Walsersche Variante davon. Und das heißt: die typische Walsersche Suada in zwei Münder, respektive Briefeschreiber gelegt. Dass es sich dabei wirklich um zwei "lebendige" Personen handeln soll, mit einer je eigenständigen Psychologie, will sich mir jedenfalls nicht so recht erschließen. Eher schon höre ich da Martin Walser in (mindestens) zwei Varianten, und was hier "Liebe" sein oder doch andeuten soll, kommt mir, zurückhaltend formuliert, arg "überhitzt" (und konstruiert) vor. Auch die eine oder andere Eitelkeit ließe sich feststellen - klar, dass hier Briefe auch auf einem iPhone geschrieben werden (man - Walser - ist ja schließlich up to date), aber dass die dann buchseitenlang geraten, kommt mir (selbst wenn die Dame mit beiden Daumen tippen sollte) nicht recht glaubhaft vor. Das gleiche gilt überhaupt für diese "Brieffreundschaft", aber vielleicht ist Walsers Stärke ja doch mehr das BEschreiben als das dialogisieren. Zum Schluss des Buches spricht dann ziemlich lang nur noch "die Dame", und da gewinnt der Roman noch einmal deutlich an Fahrt. Da wird er dann sogar tatsächlich noch zu einem "Roman über die Liebe" - nur dass es dabei nicht um die "Liebe" zwischen den beiden Briefeschreibern geht.
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Ihr Brief ist eine Wiese. Ich habe darauf gegrast." 20. Oktober 2012
Von ludwigwitzani TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Die Handlung des vorliegenden Briefromans ist schnell erzählt. Ein Dichter namens Basil Schlupp lernt auf einer Feier im Schloss Bellevue die attraktive Theologieprofessorin Maja Schneilin kennen. Er ist von dieser Begegnung wie vom Donner gerührt und beginnt unaufgefordert einen Briefwechsel mit der Theologin, in der er ihr seine Verfallenheit gesteht und in dem es ihm tatsächlich gelingt, seine Briefpartnerin nach einer gewissen Anlaufzeit für sich zu entflammen. Eine wichtige katalysatorische Funktion in diesem Prozess der gegenseitigen Erhitzung spielt dabei ein zufälliges Zusammentreffen auf dem Flughafen von Tegel, bei dem Basil geistesgegenwärtig der Maja von Warteschlange zu Warteschlange seine EMail Adresse zuruft.
Dann folgt unvermittelt eine Phase der Abkühlung, hervorgerufen durch ein gedankenloses Interview Basils ("Gelegenheit macht Liebe"), das die Theologin befremdet. Kaum ist die Beziehung (nunmehr elektronisch abgewickelt) nach einigem Hin und Her wieder aufgewärmt, erkrankt Korbian Schneilin, der Ehemann der Theologin, an einem Unterleibstumor. Nach der Genesung Korbinians fährt die Theologin mit ihrem Mann nach Kanada, hält aber weiterhin über ihr iPhone Kontakt zum verliebten Basil in Berlin. Aber dann bleiben die Nachrichten aus Kanada aus, und es stellt sich heraus, dass der Ehemann, der in Wahrheit unheilbar krank war, sich in Kanada umgebracht und seine Frau mit in den Tod genommen hat.
Das ist der Handlungsrahmen, der sich in der gerafften Zusammenfassung allerdings kompakter anhört, als er sich im Buch darbietet. Die Handlung aber ist ohnehin nur nebensächlich, denn das Thema des Buches ist nicht mehr und nicht weniger als ein Gespräch über die Liebe, ein Gespräch über die Liebe zwischen zwei Menschen, die sich voraussichtlich niemals nahe kommen werden und die deswegen ganz ehrlich sein können. Natürlich ahnt man bereits wie es weitergeht: die rückhaltlose Offenheit beider (Maja "Aletheia ist mein Ziel") führt - wenn man dem Klappentext glauben darf - "zu einer noch nie erfahrenen Gefühlsheftigkeit", in der plötzlich alles möglich wird. Aber es kommt noch besser: die gegenseitige Entflammung vollzieht sich auf ganz großer Bühne: Paulus und der Römerbrief, Karl Barth und Charlotte von Kirschbaum, Walter Benjamin und der Tübke Altar, Dichtung und Theologie, Liebe und Religion - und ganz zart angedeutet: das 13. Kapitel des Korintherbriefes - treten unter dem Motto vorbehaltloser Offenheit im Briefwechsel der beiden Protagonisten zueinander in Beziehung.

Bei einem so reichhaltig gedeckten geistesgeschichtlichen Gabentisch traut man sich kaum noch zu fragen: wie ist denn die literarische Zubereitung gelungen? Ich will es trotzdem versuchen und schicke voraus, dass ich jede abweichende Meinung meiner verehrten amazon-Mitrezensenten achte und respektiere.

Zunächst zum Genre. Man kann Briefromane mögen oder nicht - auf jeden Fall erlaubt diese literarische Form seit den "Love Letters" von Aphra Behn die Darstellung exaltiertester Formen der Emotionalität. Der Leser schaut hier gleichsam durch ein Schlüsselloch der Selbstentblößung zweier Subjekte zu. Das ist heikel, denn nicht jedem Autor ist es gegeben, bei der Darstellung dieser hochpersönlichen Membrane Kitsch, Gestelztheit und Indiskretion zu vermieden. Womit wir beim Stichwort wären. Denn in dem vorliegenden Briefwechsel offenbaren sich Basil und Maja keineswegs rückhaltlos sondern kommunizieren mitunter in einer derart gestelzten Diktion, als würden ihre Briefe am nächsten Tag in einem literarischen Fachjournal veröffentlicht. Dabei bleiben die Passagen nicht frei von unbeabsichtigter Komik. "In Farbe und Form dieses Nein zu jeder Frisur!", so ruft der Basil seiner Angebeteten über deren Haartracht schon im ersten Brief zu. Oder allgemeiner an einer anderen Stelle: "Ihr Brief ist eine Wiese. Ich habe darauf gegrast".

Inhaltlich geht es in dem Briefwechsel zudem reichlich kunterbunt zu, und oft nimmt der eine Partner in seinem Brief keinerlei Bezug auf das, was der Partner im letzten Brief geschrieben hatte. Wollte man systematisch vorgehen, was bei diesem Genre natürlich schwierig ist, werden vorwiegend drei Themenkomplexe behandelt:
1) Erzählungen über die jeweiligen Ehegatten ( Korbinan Schneilin und Irene Schlupp), über die vorwiegend mit Liebe und Bewunderung gesprochen wird: Der Leser lernt deren Lebensweg, Freundschaften, Probleme und Eigenarten kennen.
2) Verdeckt oder offene sexuelle Anspielungen - bei Maja mehr in Gestalt von Erzählungen ( Die Episode vom Exhibitionisten, der den Passanten seine Geschlechtsteil zeigen will - oder: die Geschichte von den kopulationsverklammerten Hunden), beim rösigen Basil liest es sich schon direkter: "Alle Frauen, die ich sehe, sehr ich nackt"(46).
3) Ornamentale Auschmückungen des Briefwechsel aus dem Arsenal des deutschen Bildungsbürgers - vor allem mit einer mehrfach konstruierten Parallelisierung von Religion und Liebe und der Anspielung auf das erotische und intellektuelle Verhältnis des Theologen Karl Barth zu seiner Mitarbeitern Charlotte von Kirschbaum.

So hat der Meister drei Fährten gelegt, an denen sich die Walser-Gemeinde abarbeiten kann. Klar, dass es sich um das 13. Kapitel des Korintherbriefes und nicht des Römerbriefes handelt. Klar, dass der Korbinan-Freund Ludwig Froh das alter ego Basis Schlupps ist - überklar auch die Parallele des Exhibitionisten mit dem aufdringlichen Briefschrieber Basil Schlupp - schon diskreter die Doppelung Basil-Maja mit Barth-Kirschbaum. Hier deutet der Meister nur an und verlässt sich darauf, dass seine Leser den Sachverhalt schon recherchieren werden. Ich jedenfalls habe es getan. Ist nun diese halbe Andeutung von Seiten des Autors ein Mangel oder ein besonders aktivierender Kunstgriff?

Diese Fragen stellt man sich an verschiedenen Stellen des Buches. Ist der Schlupp einfach nur eine psychologisch unglaubwürdig konstruierte Figur, oder hat der Autor ihn bewusst als Zerrissenen angelegt? Ist das Bild der frei schwebendenr Hängebrücke als Metapher für Glauben und Lieben einfach nur schief oder eine geschickt implantierte Aufforderung, über dieses Bild weiter nachzudenken?

Je nachdem, wie man diese und andere Fragen beantwortet, wird man auch das Buch als Ganzes beurteilen. Mich hat dieses Walser-Buch insgesamt eher enttäuscht. Ich halte den Duktus des Briefwechsels für gesteltzt bis an die Grenzen zur unfreiwilligen Komik, die Psychologie der männlichen Hauptfigur ist unglaubwürdig, die Inhalte, die sich die beiden erzählen, kommen mir vor wie im Baukastenformat vorfabrizierte Intertretationsangebote. Allenfalls die Parallele zur Affäre von Karl Barth und Charlotte von Kirschbaum war interessant, möglicherweise hätte hier das Potential zu einem großen Buch gelegen, so aber empfinde ich es in der beiläufigen Erwähnung als unbefriedigend. Alles in allem ein Buch mit interessanten Anstößen, das seinem eigenen Hohen Anspruch nicht genügt - dass mich als Leser aber immerhin dazu veranlasste, nach Abschluss der Lektüre noch einmal zur Erholung das 13. Kapitel des Korintherbriefes zulesen (...und hätte die Liebe nicht.")
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