Ich muß zugeben, ich fand das Buch sehr spannend und habe es in einem Rutsch durchgelesen. Ob die geschichtlichen Hintergründe alle wirklich so waren oder Fiktion sind, ist mir bei einem Unterhaltungsroman nicht so wichtig, Hauptsache, sie sind glaubwürdig und hätten durchaus so passieren können. Ich finde es rechtmäßig, wenn sich ein Autor für seine Fantasie der Lücken bedient, die die Geschichte bietet. Insofern nichts auszusetzen. Vor lauter Spannung habe ich mir erst nach dem Lesen Gedanken über die Einzelheiten gemacht. Und dann fiel mir doch einiges auf. Ein Herzog und seine beiden Kinder wurden schrecklich verstümmelt, weil sie sich im Sumpf verlaufen haben. Naja, geht ein Herzog so eben mal mit seinen Kindern in einer abgelegenen Gegend spazieren? Und weshalb haben die Dorfbewohner die Kinder verstümmelt? Den Grund habe ich nicht erkennen können. Ebenso wenig, weshalb sie später den Küster so grausam zugerichtet haben. Umbringen, ja, aber nicht sowas. Habe ich nicht verstanden. Die ganze Geschichte mit dem Ritter von Tunis und seinem Sohn hatte mit der eigentlichen Geschichte eigentlich nichts zu tun, da wurden recht künstliche Verbindungen geschaffen. Um die Söldner am Schluß anzuführen, hätten sie nicht auf diesen Aymard zurückgreifen müssen. Seine ganze Gehirnwäsche war ganz interessant, hatte aber mit der Handlung nichts zu tun. Das mysteriöse Gasthaus mitten im Wald, was sollte das? Über den doch recht merkwürdigen Mardi-Gras wird nichts gesagt. Warum glaubt er nicht an Gott? Welcher Beruf hat sein Gesicht so zugerichtet? Wie ist er zu dem Pfarrer gestoßen?
Über den Schluß könnte ich auch einiges sagen, aber ich will nichts verraten. Abgesehen von dem Obengesagten wurden mir die Personen nicht nahe gebracht. Der Autor schreibt mit einer seltsamen Distanz, die schon an Gefühlskälte grenzt. Es gibt nur Handlungen, sie geschehen eben. Persönliche Gefühle und Gedanken vermisse ich. Die Grausamkeit der Dorfbewohner war mir rätselhaft und schien unbegründet. Ich hatte den Eindruck, dass der Autor irgendwelche Lieblingsszenen (z.B. Gehirnwäsche, Ritter von Tunis, Elfenerscheinung) unbedingt unterbringen wollte. Trotz allem ist dem Autor ein spannendes Buch gelungen, und das ist doch was wert. Deshalb drei Sterne.