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Das dreißigste Jahr: Erzählungen
 
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Das dreißigste Jahr: Erzählungen [Taschenbuch]

Ingeborg Bachmann
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 192 Seiten
  • Verlag: Piper Taschenbuch; Auflage: 6 (Oktober 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492245501
  • ISBN-13: 978-3492245500
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 11,8 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 18.789 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Ingeborg Bachmann
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Produktbeschreibungen

Audiobook-Rezensionen

Kurz vor seinem 30. Geburtstag stürzt der Held dieser Erzählung in eine schwere Identitätskrise: Er verzweifelt an der Welt und vor allem auch an der Sprache. "Eine neue Sprache zu schaffen, die getaugt hätte, das Neue auszudrücken" , das wollte er schaffen. Die vorherrschende Sprache ist für ihn nur "Gaunersprache". Sein verzweifeltes, unentschlossenes Umherwandern umfasst alle Stadien der Auflösung und der Suche nach Sinn. Egal, in welchem Land er sich aufhält, immer fühlt er sich in der "Falle". Weder die Liebe noch ein bürgerlicher Beruf können ihn retten. Und sein alter Freund oder Begleiter Moll "die Laus im Pelz, der der eine Sprache hat" wird zum Inbegriff des Angepassten, Unechten. Mit dieser 1961 erschienenen Erzählung "Das dreißigste Jahr" aus dem gleichnamigen Erzählband wendet sich die brillante Lyrikerin Ingeborg Bachmann hin zur Prosa und vollzieht mit ihren eigenen Worten "einen Umzug im Kopf". Das Sprach-Thema war ihr ganzes Leben lang für sie von größter Bedeutung. Sie suchte eine "andere Sprache" für eine neue Welt. "Die Welt und er selbst schien sich kündbar."

Solche tiefen Sätze und die vielen lyrisch formulierten Grenzüberschreitungen brauchen besondere Sprecher. Der "König der Vorleser", Gert Westphal, und Oswald Döpke wechseln sich ab. Sicher ist: Wer nur ein klein wenig für Sprachmagie übrig hat, dem wird diese Aufnahme aus dem Jahr 1961 gefallen. Lesung ohne Musik, Spieldauer: 79 Minuten, 1CD. Mit Booklet.

-- culture.text -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Mit diesem ersten und zugleich berühmtesten Erzählungsband bewies Ingeborg Bachmann, daß ihre Prosa dieselbe Kraft hat wie ihre Lyrik. Sie vermag mit der Sprache der Bilder und Mythen alles über die Liebe, alles über die Menschen, alles über die Verzweiflung zu sagen. Ihren Gestalten ist eines gemeinsam: das Leiden an der ungeheuerlichen Kränkung, die das Leben ist.Gert Westphal (geb. 1920 in Dresden): 1948 - 53 Oberspielleiter bei Radio Bremen, 1953 - 59 Hörspielleiter u. Fernseh-Chefregisseur beim Südwestfunk, 1959- 80 Mitglied des Züricher Schauspielhauses, als Rezitator von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeiertIngeborg Bachmann, 1926 in Klagenfurt geboren, starb 1973 in Rom. 'Malina' wurde 1990 unter der Regie von Werner Schroeter verfilmt. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Polemos
Format:Taschenbuch
Fast jede einzelne der 33 Seiten bietet Perlen, nein, besser: Früchte, die der Leser nur pflücken muss. Gleich auf der ersten ein Satz, den ich sofort unterschreiben musste: "... ihm ist, als stünde es ihm nicht mehr zu, sich für jung auszugeben." Wie oft habe ich, als die 3 vorneweg kam, gedacht: Eigentlich fühlst du dich nicht anders, nicht einmal wirklich "erwachsen" (was immer das sei), doch du bist nun einmal 30 und damit nicht mehr jung.

Und ein kurzes Stück weiter die nächste Wahrheit über das 30. Jahr: "Die Fähigkeit, sich zu erinnern. Er erinnert sich nicht wie bisher, unverhofft oder weil er es wünschte, an dieses und jenes, sondern mit einem schmerzhaften Zwang an alle seine Jahre ... Er wirft das Netz der Erinnerung aus, wirft es über sich und zieht sich selbst, Erbeuter und Beute in einem, über die Zeitschwelle ..." Nicht nur die Schönheit des Satzes hat mich gefangen, sondern darüber hinaus - und vielleicht viel mehr - die Prägnanz: Erinnerung wird zu Schmerz, Hoffnung zur Sehnsucht. Die Leichtigkeit scheint irgendwie (wie?) verflogen, die Gelegenheiten, zu einer Freundschaft, zu einer Liebe, zu einem Ansinnen ja zu sagen, auszuprobieren, waren. Und wer kommt nun?

Und immer wieder die Sprache. Die eintönige, bekannte Sprache von Moll, die Gaunersprache, die Sprache, die er auseinandernehmen will, ja muss, um mit einer neuen Sprache neu zu leben. Für Bachmann hängen Leben und Sprache zusammen, das eine kann nicht ohne das andere gedacht und erst recht nicht neu konstruiert werden: "Keine neue Welt ohne neue Sprache". Denn die "Abschaffung von Unrecht, von Unterdrückung, jede Milderung von Härten, jede Verbesserung eines Zustandes hält doch noch die Schimpflichkeit von einst fest. Die Schändlichkeit, durch das Fortbestehen der Worte festgehalten, wird dadurch jederzeit wieder möglich gemacht."

Darin ist sie, ist er absolut, der Aufbruch in das Absolute ist nur denkbar mit der Sprache, vielleicht nur mittels der Sprache. Aber: "Er wußte jetzt, daß er in einem Gefängnis lebte, daß er sich darin einrichten mußte, ..., und diese einzige verfügbare Gaunersprache würde er mitsprechen müssen, um nicht so verlassen zu sein." Das Gefängnis ohne Wärter, weil es sie nicht braucht; das Gefängnis, dass allgegenwärtig ist und sich selbst konstituiert; das Gefängnis, aus dem der Ausbruch nur zu dem höchsten Preis möglich ist: der Isolation. "Alles ist eine Frage des Nachgebens, des Beipflichtens. Aber einige tranken der Schierlingsbecher unbedingt. Aber einige hatten ein Herz mit einem wilde flachsigen Muskel und eine Rede, die in Rom gegolten hätte. Sie waren feindselig, verhaßt und einsam. Sie dachten genau, hielten sich rein und ließen die Quallen unter sich."

Schön ist, die Sprache, die "die Bachmann" nutzt, erfindet und benutzt. Reine Poesie, strahlende Perlen habe ich gefunden. Manchmal sperrt sie sich dem Zugriff, ist auf den ersten Blick holperig, verquer, inversiert, gespickt mit Interpunktions- und Interjektionszeichen. Doch das macht sie um so schöner, um so lebendiger, um so wertvoller.

Gibt es eine Lösung? Bietet Bachmann eine an? Findet er eine? Ja. Doch sie liegt nicht im Tod des alten Ich (und faktischen alter ego durch den Unfall). Sie liegt in einem kleinen Satz, der wenige Zeilen vor dem Ende der Erzählung fast nebenher gesetzt ist: Er faßt Vertrauen zu sich. Die Lösung, wenn man denn von einer Lösung sprechen will, findet sich in jedem selbst; sie nicht in Moll, nicht in der Flucht in andere Städte und Ländern, nicht im Vergessen und Verdrängen, nicht im Vergraben und Mauern. "Damals hatte er gemeint, alles schon zu Ende denken zu können, und hatte kaum gemerkt, daß er ja die ersten Schritte in eine Wirklichkeit tat, die sich nicht gleich zu Ende denken ließ und die ihm noch vieles vorenthielt."

Vielleicht lassen sich Welt und Sprache (oder die Sprache als bindendes Element der Welt) nicht ändern, vielleicht wird er eine Gaunersprache reden müssen, vielleicht wird er verhasst und einsam sein, vielleicht wird er Leuchtkäfer schicken, vielleicht wird er kämpfen und verlieren, vielleicht wird er kämpfen und gewinnen. Aber er wird. Genau, wie es der letze Satz, der mit Macht daher kommt, sagt: Steh auf und geh!
War diese Rezension für Sie hilfreich?
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Steigerung wahrnehmbar 19. April 2007
Format:Taschenbuch
Ich war zunächst skeptisch gegenüber dieser Autorin, da sie als eine Vorreiterin der feministischen Bewegung gilt und ich deshalb - völlig unbegründet - Angst hatte, dass es in ein "Hinhauen" auf die Männer ausartet. Nach der Lektüre kann ich nun sagen, dass dem nicht so ist. Die Inhalte sind auch gar nicht unbedingt unbedingt geschlechtsbezogen, außer vielleicht "Ein Schritt nach Gomorrah".

Natürlich geht es um Menschen und um deren Beziehung zueinander, aber dabei habe ich nicht das Gefühl, dass das männliche Geschlecht benachteiligt und das weibliche übervorteilt werden würde. Es geht wie gesagt in den Kurzgeschichten um Beziehungen und auch um Schicksalsschläge und wie sie einen Menschen verändern können. Diese Veränderung wird von der Österreicherin auch sehr wortgewaltig dargelegt. Wobei "gewaltig" vielleicht nicht gut gewählt ist. Bachmann ist wendig, wortgewandt, leichtfüßig und behandelt doch so schwere Themen.

Merkt man in den ersten Geschichten noch, dass sie von der Lyrik her kommt, da sie ein mE ein bisschen zu indirekt, verblumt ist, erreicht sie besonders in der vorletzten Geschichte des Bandes "Ein Wildermuth" nahezu kafkaeske Romanqualität, und kann mit witzigen Pointen, die einem letzten Endes aber dann doch im Hals stecken bleiben überzeugen.

Nur Mut liebe Männer. Das Buch ist eine Bereicherung.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
6 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
leben=verzweiflung 5. September 2001
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
in der nzz stand mal "ingeborg bachmann dentk singend und singt denkend...". besser hätte ich es auch nicht beschreiben können. wer ihre gedichte liest, dem sind gefühle, wie melancholie und verzweiflung nicht fremd, denn sie beschreibt das leben. nach verbitterung bleibt aber immer noch das tief-traurige "weiterexistieren" und das alleine wirkt schon aufbauender, als jedes billige ying-yang-buch. es gibt zwei wörter, mit denen man dieses buch beschreiben kann: genial und wunderbar.
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