Welche Überraschung für meinen Sohn (11), daß ihm ausgerechnet dieses "Mädchenbuch" von Herrn Kästner so gut gefiel. Wir haben mehrere Kästner Bücher gemeinsam gelesen, und ich mußte dabei entdecken, daß wir einen Generationssprung zwischen uns haben. Während mir der Emil damals noch gut gefiel war mein Sohn von dem betulichen Knaben und Herr Kästners erhobenen Zeigefinger angestrengt. Dito sah er die ulkige Seite des fliegenden Klassenzimmers kaum. Zu fremd war ihm diese Welt. Pünktchen und Anton ging dann schon besser, zumal sich Herr Kästner da auch entschieden hatte, seine "Nachdenkereien" auszulagern so daß man sie überspringen konnte.
Zum diesem Buch: Die Zwillinge sind auf echt kindliche Art witzig und couragiert, sie laden sich eine wahnsinnige Last auf, indem sie beschließen, ihre Zuhause zu tauschen und den jeweils anderen Elternteil kennenzulernen. Die Belastungen eines echten "Patchworklebens" sind dabei hintergründig vorhanden, vordergründig sind die Mädels einfach coole Heldinnen, die sich mit viel Angst und schlechtem Gewissen aber auch mit viel, viel Humor und lustigen Sprüchen durch eine absolut schwierige und verzwickte Situation manövrieren. Die Erwachsenen - eine alleinerziehende, berufstätige Mutter und ein Vater, der sich nicht so recht kümmern mag - sind moderne und durchaus nachvollziehbare Figuren. Schön ist natürlich, daß es ein Happy End gibt und sich die Familie wiederfindet. Hier triumphieren Kinderherzen, Die Eltern haben durch die Aufteilung der Kinder bei der Trennung so sehr unrecht getan, daß es eine echte Genugtuung für den Leser ist, daß die Kinder letztendlich alle auf den rechten Weg gebracht haben. Und ich denke, daß dieser "Wunsch" in so vielen Kinderköpfen noch heute ganz stark präsent ist und daher die Geschichte paßt und außerdem viel Spaß macht.