Ottokar war mir in meiner DDR-Kindheit via Buch und Schallplatte ein lieb-lustiger Begleiter. Wie er das Schulsystem, Lehrerpersönlichkeiten, Alltagssituationen und Familienerlebnisse in der real existierenden DDR aufs Korn nimmt und naiv-hintergründig kommentiert, ist für Kenner dieser Zeit ein Genuß! Auch für Erwachsene war dieses Buch ein kabarettistisches Vergnügen. So soll z.B. der Schüler Harald im Unterricht mal den Lauf der Elbe beschreiben. Er tut es auf DDR-Gebiet und endet: "Was sie hinter der Grenze tut, interessiert mich nicht mehr!"
Oder die Antwort auf den feurigen FDJ-Gruß "Freundschaft": "Aber nicht mit seinen eingelaufenen Hosen!"
Manchmal blitzt aus Ottokar allzusehr der Kabarettist, der Autor Otto Häuser, heraus, und der Bengel wirkt altklug. Manches wiederholt sich auch in seiner "Stilblüten kindlicher Ausdrücke"-Manier. Witzwiederholungen wirken denn doch nicht mehr spontan, sondern behäbig.
Aber was solls: Ottokar war ein Lichtblick der ironisch-liebevollen DDR-Kinderliteratur!