Ebershoff erzählt die Geschichte eines Mannes, der sich in seiner geschlechtlichen Identität nicht mehr ertragen kann, sehr behutsam. Er ist keineswegs auf Effekte aus, sondern zeigt vor allem, welche innere Not der Maler Einar Wegener durchmacht, als er feststellt, dass er eigentlich nur noch in der Identität des Mädchens Lili Elbe, das er nach dem Anziehen von weiblicher Kleidung ist, leben kann. Obwohl viele Verhaltensmuster beider Personen, die in einem Körper leben müssen, übereinstimmen (die Schüchternheit, die Bescheidenheit aber auch der Anspruch auf persönliche Verwirklichung), entwickeln sie sich immer weiter auseinander, bis Einar/Lili sich entschließen, die auch körperliche Anpassung an den weiblichen Körper vorzunehmen. Dies ist in den dreißiger Jahren fast unmöglich und mit ungeheuren Irrwegen und auch Schmerzen verbunden. Gleichzeitig wird auch die Gefühlswelt der Ehefrau Greta Wauds ausgeleuchtet, die sich ja gerade in diesen kleinen unscheinbaren dänischen Maler verliebt hatte, weil er so war, wie er war. Ihr wird viel abverlangt und der Autor lässt den Leser anhand ihrer Entwicklung auch den Weg Einars/Lilis kritisch verfolgen.
Ebershoff erzählt einfühlsam mit Sympathie für beide Menschen. Er fällt kein Urteil. So bleibt der Eindruck, dass die persönliche Glückserfüllung doch über jeder paarweisen Entwicklung stehen muss. Zusätzlich erzeugt er im Leser aber auch Hochachtung vor der Toleranz Gretas und dem Mut Einars.
Das einzige was mich als neugierigem Menschen störte, war, dass ich so gut wie nichts über den Fortgang der Geschichte der beiden Personen erfuhr. Lili ist bald nach der Umwandlung gestorben, vermutlich an den Folgen der Operation.
Insgesamt ein stilistisch im positiven Sinne "unmodernes" Buch.