Peter Wende ist ein Kenner der englischen Geschichte. Sein neuestes Buch ist die Geschichte des Britischen Empire. Dieses Empire ist allerdings nicht so leicht zu fassen, wie ein Staat. Immerhin handelt es sich um ein politisches Gebilde, mit Zentren, die über den ganzen Erdball verstreut waren und deren lokale Geschichte schon sehr kontrovers diskutiert wird. Bisher gab es keine deutschsprachige Überblicksdarstellung für das Britische Empire. Zwar verwunderlich, wenn man sich dessen historische Bedeutung verinnerlicht ' aber verständlich, wenn man die Komplexität dieser Geschichte übersieht.
Man kann konstatieren, dass es Wende gelungen ist, eine verständliche und umfassende Darstellung dieses Herrschaftsgebildes zu schreiben. Zuerst einmal beschreibt er, warum England "zu spät", als sich Portugal und Spanien daran machten, die außereuropäische Welt unter sich aufzuteilen. Aber bald schon zog England nach und Peter Wende macht deutlich, dass sich auch die englische Herrschaft in den Kolonien ebenso auf Gewalt stützte, wie in den spanischen und portugiesischen Kolonien. Es ist ein Phänomen, dass sich Europäer, egal welcher Nation, in fremden
Gefilden das Recht nehmen, Gebiete zu unterjochen und ihrer eigenen Herrschaft einzuverleiben.
Der Autor zeigt, welche innenpolitischen Umstände die englische Expansion begünstigten, die sich zuerst auf Nordamerika konzentrierte. Ein extra Kapitel widmet Peter Wende dem Handel,wobei er deutlich macht, dass gerade dieser die Quelle für den raschen Erwerb von Reichtum war. Bereits die Anfänge in Nordamerika (Ostküste und karibische Inseln) waren auf diesen Aspekt ausgerichtet.
Selbstverständlich geht Wende auf die Rolle der Schifffahrt ein. Denn ohne seine stetig wachsende Flotte wäre England nie in der Lage gewesen, dieses weltumspannende Empire aufzubauen. Kanonen und Laderaum spielten eine wichtige Rolle bei dieser Entwicklung. So konstatiert der Verfasser, dass der Schiffsraum innerhalb von 100 Jahren um das Dreifache zunahm. Dabei spielte der Schiffbau in den nordamerikanischen Kolonien eine wachsende Rolle.
Peter Wende unterteilt seine Abhandlung in drei große historische Abschnitte: das ältere Empire (1607-1783), das klassische Empire (1784-1914) und ' das Ende, den Übergang zum Commonwealth.
Die Darstellung ist sehr gut lesbar und auch für den Laien eine sehr unterhaltsame und informative Lektüre. Vieles, was das Erbe des britischen Empire noch heute ausmacht, wird man nach dem Lesen dieses Buches besser verstehen.
Der Verlag sollte sich vielleicht überlegen, mit diesem Material einen publikumswirksamen Bildband zu gestalten.