Was macht einen guten historischen Roman aus? Er muss gut recherchiert sein (ist hier der Fall), er muss in Handlung und Personendarstellung realistisch sein (hier in großen Teilen gegeben), er muss spannend sein. Für Letzteres fünf Sterne: An Spannung mangelt es nicht, Cornwell hält sich nicht lange mit übertriebener Orts- oder Personenmalerei auf und treibt uns Leser gnadenlos durch die Handlung, das gefällt mir. Der Autor versucht sich auch nicht daran, ständig Sexszenen einzubauen (wie z.B. Follet), um sich besser zu verkaufen. Liebesbeziehungen entwickeln und darstellen: Das kann Cornwell nicht - und darum versucht er es auch nicht. Sehr gut! "Wovon man nicht reden kann, davon soll man schweigen"! Was er kann: Schlachten beschreiben, das Frühmittelalter in all seiner Brutalität beschreiben, mittelalterliche Religionskonflikte beschreiben, die Dänenkriege aus rein militärischer Sicht beschreiben. Und das macht er auf 511 Seiten beinahe ohne Pause. Das wird manchem zu brutal sein, es spiegelt aber, nach allem, was wir wissen, gut und realistisch das sich deutlich von der Gegenwart unterscheidende Verhältnis zur Gewalt in der mittelalterlichen Gesellschaft klar wieder. Was mir noch gefällt? Die Hauptperson ist ein Mensch, kein Konstrukt. Er irrt sich, er weiß um seine Unzulänglichkeit, er ist ,z.B. in seinen Gefühlen zu König Alfred, zwiegespalten, er fällt mitunter um und wechselt die Seiten. Dadurch wird auch die Handlung unberechenbar und spannend. Zudem wirkt Uhtred echter als viele "modernisierte" Figuren in anderen historischen Romanen, selten z.B. irritiert ihn Gewalt, oft brutale Gewalt, das irritiert den modernen Leser - ist aber wohl realistisch. Mittelalterliche Krieger mussten nicht ständig gegen ihr schlechtes Gewissen ankämpfen. Gewalt war normal, an Gewalt waren sie von der Kindheit an gewöhnt, Gewalt gehörte zum täglichen Leben. Und so ist es bei Cornwell auch dargestellt.
Insgesamt ist dies zwar keine Literatur vom Range eines Feuchtwangers, es ist aber verdammt spannende und ordentliche historische Unterhaltungsliteratur und wer die Vorgänger gelesen hat, der muss auch diesen Band lesen. Warum aber nur drei Punkte, werden manche fragen? Weil Cornwell sich meines Erachtens etwas verbraucht. In der Tat beginnt es unglaubwürig zu werden, dass die Hauptfigur trotz zunehmenden Alters nichts an Stärke verliert (viele Rezensenten beklagen das zurecht), in der Tat wechselt er in diesem Roman reichlich oft und nicht immer wirklich gut konstruiert die Kampfgegner, in der Tat versucht sich Cornwell hier mehr als zuvor an etwas, was er nicht gut kann (s.o.): Uhtred und die Frauen bzw. Uhtred und Gefühle und Liebe. Mit einem Wort: Dieser Band ist zwar auch noch spannend, er ist aber deutlich redundant und weniger gut als die Vorgänger, das wollte ich mit den drei Sterne als ehrliche Warnung betonen. Alle Uhtred-Fans sollten aber dennoch zuschlagen - sonst würde doch was fehlen!