In diesem 5. Band endet die Almut-Serie und aus diesem Grunde tritt die Krimihandlung fast in den Hintergrund, da es vor allem um das persönliche Schicksal Ivos in Vergangenheit und Zukunft geht. Aus diesem Grunde dürfte der Roman für die Leser, die die vorhergehenden vier Teile nicht kennen, nicht einfach zu verstehen sein.
Aber die Schilderung des prallen Lebens einer Stadt des ausgehenden 14. Jahrhunderts kommt auch diesmal nicht zu kurz. Das Leben der Beginen im Konvent am Eigelstein wie auch das Leben der normalen Menschen in der Stadt, wie beispielsweise der exotischen Schönheit Aziza, des Apothekers Krudener oder des Päckelchesträgers Pitter, werden hier so anschaulich und lebendig geschildert, dass der Leser sich sofort in die Handlung dieses Romans einbezogen fühlt und sich selbst mit Almut durch die Gassen und in die Häuser gehen sieht. Diesmal muss Ivo sich seiner Vergangenheit wirklich stellen und die Feinde, die er sich in einem fast vergessenen Leben gemacht hat, treiben ihn fast in Wahnsinn und Selbstmord und brechen seinen eigentlich unerschütterlichen Lebensmut. Almut lernt, dass schlampige Maurerarbeit ihr Gutes haben kann und der Leser lernt aus der ganzen Geschichte, dass man auch in einer wirklich aussichtslosen Situation niemals aufgeben sollte.
Wie immer sind die Figuren, insbesondere die Beginen und auch die einfache Bevölkerung Kölns, so lebendig gestaltet, dass man sie selbst zu kennen glaubt. Die Autorin erzählt mit einem feinen unterhaltsamen Humor und die menschlichen Schwächen sind ihr nicht fremd, keine einzige Figur ist in schwarz-weiß gemalt. Anhand des Lebens im Beginenkonvent lernt man viele kleine Schwächen und Stärken der einzelnen Frauen kennen. Aber auch die Nebenfiguren aus dem einfachen Volk, wie beispielsweise die Wäscherinnen oder die Pastetenbäckerin Lena, sind so lebendig gestaltet, dass man sie selbst zu kennen glaubt. Hier gelingt der Autorin auch so mancher Seitenhieb auf kleindenkende und klatschsüchtige Frauen, deren Geschwätz zuweilen böse Folgen haben kann. Auf äußerst unterhaltsame Weise nimmt die Autorin ganz nebenbei die wahrscheinlich tatsächlich seit hunderten von Jahren schwelende Rivalität zwischen Köln und Düsseldorf aufs Korn.
In diesem Buch werden in den Disputen zwischen Almut und Pater Ivo Zitate des Salomo herangezogen und die Autorin entwickelt in den Dialogen wieder ihren köstlichen und gewohnten Humor, manchmal arten diese sogar in regelrechtes Liebesgeflüster aus. So ist die Liebesszene zwischen Almut und Ivo dann doch mit vielen derartigen Zitaten etwas schwülstig geraten. Aber was will man von einem ehemaligen Pater, der sich seit langem die Hörner abgestoßen hat, und einer Begine auch anderes verlangen.
Der Kriminalfall steht diesmal ausschließlich im Zusammenhang mit den Feinden Pater Ivos, daran lässt die Autorin von Anfang an keine Zweifel. Trotzdem ist das Buch spannend bis zum Schluss, da die Bösewichter sehr hochkarätig sind und das Verhängnis bis zum Schluss über Almut und Ivo schwebt und ihr Glück verhindert. Da Pater Ivo durch sehr unglückliche Umstände wieder verhindert ist, muss Almut alles in die Waagschale werfen, um ihr Lebensglück zu retten und wird dabei von ihren zahlreichen Freunden, die sich aus allen vier Vorgängerromanen in Köln versammelt zu haben scheinen, unterstützt. Auch ihre sehr unkonventionellen Gebete zur heiligen Maria scheinen ungeglaubte Folgen zu haben, denn selbst die sanfte Himmelskönigin unterstützt Almut bei einem schlagkräftigen Gerangel.
Ivos Vergangenheit wird diesmal wirklich vollständig aufgeklärt und bereinigt.
Der Roman ist niemals langweilig und lässt sich dermaßen flüssig lesen, dass man ihn gar nicht mehr aus der Hand legen mag, ich habe die 440 Seiten hintereinander weg in 2 Tagen gelesen.
Der Autorin kommt es mehr auf lebendige Schilderung an als auf den korrekten historischen Hintergrund, so erlaubt sie sich so manchen Seitenhieb auf die Praxis der kirchlichen Wüdenträger, gegen gute Münze jederzeit Dispens zu erteilen. Hier wirft die sehr viel spätere Reformation schon ihre Schatten voraus. Wieder nimmt A. Schacht sich doch einige schriftstellerische Freiheiten und lässt diesmal auf leichte Art die Erfindung des Feuerwerks in die Handlung einfließen, die so sicherlich nicht ganz der Wahrheit entsprechen dürfte (vielleicht könnte es ja doch so gewesen sein).
Insgesamt ein wunderbar leichter historischer Roman, der viel Wert auf die Schilderungen des alltäglichen Zusammenlebens und der Ausführung der einzelnen Charaktere bis hin zu den recht gut gelungenen Bösewichtern und den klatschsüchtigen Bürgern der Stadt legt, allerdings sehr wenig an historischem Hintergrund vermittelt. Besonders gut gelungen aber z. Beispiel der Charakter von Almuts Vater, der wenig feinfühlig seine Kupplungsversuche bis zuletzt nicht einstellt und von mehreren Heiratsanträgen potentieller Freier dann doch arg überrascht wird. Hierbei bemerkt er gar nicht, wie sehr sein Geschick von seiner klugen und mitfühlenden Frau Barbara gelenkt wird. Auch am Fortschritt des langjährigen Dombaus lässt die Autorin uns wieder teilhaben. Durch die ständige Zuspitzung und die Cleverness der Bösewichter bleibt das Buch spannend bis zum Schluss.
Ein wunderbarer Lesespaß, nur gut, dass die Autorin schon weitere Bücher über Almuts Tochter Alyss geschrieben hat.