Kurzbeschreibung
Die Begine Almut Bossart und ihr guter Freund, Pater Ivo, warten sehnlich auf den Dispens des Erzbischofs; damit wäre der Weg frei für ihre gemeinsame Zukunft! Doch statt des Dispenses kommt die Absage – und dann wird Ivo auch noch des Mordes verdächtigt. Almut ist rasend vor Trauer und Wut. Und auf der Suche nach dem wahren Täter bekommt sie es mit einer Widersacherin zu tun, die an Bosheit kaum zu übertreffen ist…
Klappentext
MDR
»Spannend bis zur letzten Zeile - Almut wird Sie begeistern!«
BILD
»Lesenswert! Die Figuren werden liebevoll entwickelt, und es wird richtig spannend.«
Kölnische Rundschau
Über den Autor
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Diese für das Mittelalter zunächst ungewöhnlich erscheinende Lebensform hat mich gereizt, meine Heldin einem solchen Konvent beitreten zu lassen.
Dies ist nun der fünfte und letzte Band um die Begine Almut, und daher möchte ich sie allen, die sie noch nicht kennen, vorstellen und kurz auf ihr dramatisches Vorleben eingehen.
Almut Bossart, Tochter eines Baumeisters, Witwe eines Baumeisters, weigert sich nach ihrer unglücklichen Ehe mit einem alten, kranken Mann wieder zu heiraten und zieht es vor, gemeinsam mit den elf Frauen am Eigelstein durch ihrer Hände Arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Gewissen klerikalen Kreisen waren Frauen, die derart selbstbestimmt ihr Leben führten, sich Bildung aneigneten und sogar die Bibel lasen, höchst suspekt. Auch ihre innige Verehrung der Maria, die für sie mehr als nur Fürbitterin war, erregte Missfallen. Es gab immer wieder Verfolgungen, sie wurden als Ketzerinnen verbrannt, ihre Traktate und Bücher vernichtet, ihre Gemeinschaften aufgelöst.
In Köln jedoch lebten sie unter dem Schutz des Rates einigermaßen sicher - solange sie nicht gegen die guten Sitten verstießen. Das aber fällt meiner Heldin hin und wieder schwer, denn ihre Zunge ist ungebärdig und gehorcht nicht den Konventionen. Sie bringt sich selbst in Gefahr - und gerät zu allem Überfluss auch noch an den gestrengen, verbitterten Benediktiner, Pater Ivo.
Ivo vom Spiegel ist der Sohn eines wohlhabenden Patriziers, der sich schon in jungen Jahren durch große Wissbegier und eine gute Portion Abenteuerlust auszeichnet. Er studiert an den großen Universitäten seiner Zeit, lehrt an ihnen und bildet sich über die gängigen kirchlichen Praktiken eine eigene, überaus scharfsinnige Meinung, die ihn in den Ruf eines Ketzers bringt. Damit beginnen seine Schwierigkeiten. Vor dem Scheiterhaufen kann er sich nur retten, indem er in den Orden der Benediktiner eintritt. Dreizehn Jahre führt er das keusche, arbeitsame Leben in klösterlicher Armut an verschiedenen Orten. Zuletzt führt ihn das Schicksal wieder nach Köln zurück.
Als sein Beichtkind Jean de Champol unter sehr undurchsichtigen Gründen zu Tode kommt, trifft er auf die Begine Almut, mit der er sogleich auf das heftigste
aneinandergerät. Zwischen den willenstarken Charakteren, die beide vom Leben gezeichnet sind, doch letztlich ein gemeinsames Ziel verfolgen, sprühen die Funken. Und aus ihnen entsteht eine Flamme ganz anderer Art.
Nachdem Almut und Ivo nach einigen Irrwegen erkannt haben, dass sie zueinandergehören, muss noch ein letztes Hindernis aus dem Weg geräumt werden. Pater Ivo soll von seinen Gelübden befreit werden. Dispens zu erhalten war in der damaligen Zeit übliche Praxis. Die geldgierige Kirche nahm gerne Wertgegenstände, Grundstücke und Gold entgegen, um Ablass von Sünden, Ämter oder Pfründe dafür zu gewähren. Von allerlei Versprechen konnte man sich freikaufen, ob Pilgerreisen, Keuschheitsgelübde oder Ordensbindungen. Es war eine Frage des Preises.
Dieses scheinheilige Verfahren wurde ein Jahrhundert später immer lauter angeprangert und führte schließlich zur Reformation.
Mit der möglichen Gewährung eines Dispens' beginnt nun der fünfte Teil der Geschichte um die Kölner Begine Almut und den Benediktinerpater Ivo vom Spiegel.
Beide sind außerordentlich bibelfest, und daher möchte ich Ihnen in ihrem Namen eine Mahnung aus den Sprüchen Salomos mit auf den Weg durch diesen Roman und das Leben im Allgemeinen geben:
»Mein Sohn, wenn dich die bösen Buben locken, so folge nicht.«
Sprüche 1,10 (Anm. d. Autorin: auch Töchter dürfen sich angesprochen fühlen.)
Köln, im Wonnemonat Mai im Jahr des Herrn 1377
1. Kapitel
Der Mann trug ein Wams aus graubraunem Hasenfell, in dem er beinahe mit dem Graubraun des schlammigen Weges verschmolz, so wie die vorherigen Träger dieser Pelze es ebenfalls taten. Sein struppiges Haar war kurz geschnitten und wies eine ähnliche Melange aus Grau und Braun auf. Sein Gesicht wirkte verwittert wie ein altes Stück Holz, doch seine Schultern waren breit und seine Waden in den staubigen Stiefeln stramm. Er beugte sich über eine regungslose Gestalt, die mit dem Gesicht in einer tiefen Pfütze lag, und durchsuchte mit kundigen Fingern die Beuteltaschen an dem breiten, goldverzierten Gürtel. Es war nichts von Wert darin enthalten, außer einem gesiegelten Pergament, das auffällig aus einem der Beutel hervorragte. Das Siegel gab dem Mann Aufschluss über die Identität des Toten, und mit scharfem Blick musterte er die Umgebung und dann die Spuren im Schlamm.
Man würde nichts finden, stellte er fest. Nichts, was auf einen gewaltsamen Tod schließen ließ. Der Reiter war unglücklich vom Pferd gefallen.
Er fuhr mit seiner Durchsuchung der kostbaren Kleider fort, doch kaum hatte er den schlaffen Gefallenen umgedreht, hob er lauschend den Kopf und ließ von seinem Tun ab. In der Ferne erklang Hufschlag. Lautlos verschwand er in dem nahen Unterholz, so wie
es ein jeder tun würde, der nicht neben der Leiche eines erzbischöflichen Kuriers gefunden werden wollte.
Über gesunden Menschenverstand verfügte der Mann in ausreichendem Maße, und als die Berittenen, Soldaten der Kölner Stadtwache, sich näherten, überließ er es ihnen, den Ersäuften zu entdecken.
Regungslos beobachtete er, wie sie sich berieten, schließlich den Boten auf eines der Pferde hievten und zum nahen Severinstor zurückritten.
Er selbst folgte ihnen in gebührendem Abstand, und nach vielen, langen Jahren betrat er seine Heimatstadt wieder. Älter, härter, klüger.
Und das Schicksal nahm seinen Lauf.
2. Kapitel
»Flinderlein. Sie nennen sich Flinderlein und sie sind nur vergoldeter Tand.«
»Trotzdem sehen sie hübsch aus. Man könnte sie sehr schön auf ein Haarnetz nähen.«
»Natürlich. Das würde sich bei unseren Totenklagen recht gut machen.«
»Aber nein, Almut, nein. Ich dachte eher an Hochzeiten.«
Almut lächelte und sah Judith, die Seidweberin, kopfschüttelnd an. Sie nahm alles für bare Münze, was sie sagte. Elsa, die Apothekerin, hingegen kicherte.
»Sie sahen vor allem prächtig an dem Jäckchen aus, das deine Stiefmutter am Sonntag in der Kirche trug.«
»Frau Barbara sieht immer prächtig aus. Sie liegt mir jedoch jedes Mal, wenn ich sie aufsuche, damit in den Ohren, ich solle meine graue Tracht doch nun endlich ablegen.«
»Du könntest es jederzeit«, bemerkte Rigmundis nüchtern und fädelte einen grünen Seidenfaden in die
Nadel.
»Könnte ich, will ich aber nicht. Ich finde die Kleider, die ich trage, sehr praktisch. Goldflitter und seidene Schleppen stören beim Decken des Kapellendachs.«
»Du wirst zukünftig keine Dachschindeln mehr herumwuchten, und dein Gatte wird dir sicher Geschmeide aus purem Gold um den Hals legen. Also gewöhn dich an vornehme Gewänder.«
»Mhm«, sagte Almut und schob mit dem Webkamm das Muster des blaugrünen Bandes zusammen, das sie mit flinken Fingern herstellte.
Sie war glücklich, und die Zukunft lag tatsächlich glitzernd wie Flittergold vor ihr. Aber dennoch mischte sich ein winziges Tröpfchen Wehmut in ihren Frohsinn. Sie würde ihre Freundinnen verlassen müssen. Fünf Jahre hatte sie im Kreis der Beginen verbracht, fünf Jahre mit ihnen gearbeitet und gebetet, ihre Eigenarten kennen und verstehen gelernt, bei ihnen Hilfe, Unterstützung, Trost und Vertrauen gefunden. Der Konvent am Eigelstein war ihr ein schützender Hort geworden, und die tägliche Arbeit erfüllte sie mit Befriedigung.
Bald sollte sie diese Sicherheit verlassen und sich...
Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Diese für das Mittelalter zunächst ungewöhnlich erscheinende Lebensform hat mich gereizt, meine Heldin einem solchen Konvent beitreten zu lassen.
Dies ist nun der fünfte und letzte Band um die Begine Almut, und daher möchte ich sie allen, die sie noch nicht kennen, vorstellen und kurz auf ihr dramatisches Vorleben eingehen.
Almut Bossart, Tochter eines Baumeisters, Witwe eines Baumeisters, weigert sich nach ihrer unglücklichen Ehe mit einem alten, kranken Mann wieder zu heiraten und zieht es vor, gemeinsam mit den elf Frauen am Eigelstein durch ihrer Hände Arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Gewissen klerikalen Kreisen waren Frauen, die derart selbstbestimmt ihr Leben führten, sich Bildung aneigneten und sogar die Bibel lasen, höchst suspekt. Auch ihre innige Verehrung der Maria, die für sie mehr als nur Fürbitterin war, erregte Missfallen. Es gab immer wieder Verfolgungen, sie wurden als Ketzerinnen verbrannt, ihre Traktate und Bücher vernichtet, ihre Gemeinschaften aufgelöst.
In Köln jedoch lebten sie unter dem Schutz des Rates einigermaßen sicher - solange sie nicht gegen die guten Sitten verstießen. Das aber fällt meiner Heldin hin und wieder schwer, denn ihre Zunge ist ungebärdig und gehorcht nicht den Konventionen. Sie bringt sich selbst in Gefahr - und gerät zu allem Überfluss auch noch an den gestrengen, verbitterten Benediktiner, Pater Ivo.
Ivo vom Spiegel ist der Sohn eines wohlhabenden Patriziers, der sich schon in jungen Jahren durch große Wissbegier und eine gute Portion Abenteuerlust auszeichnet. Er studiert an den großen Universitäten seiner Zeit, lehrt an ihnen und bildet sich über die gängigen kirchlichen Praktiken eine eigene, überaus scharfsinnige Meinung, die ihn in den Ruf eines Ketzers bringt. Damit beginnen seine Schwierigkeiten. Vor dem Scheiterhaufen kann er sich nur retten, indem er in den Orden der Benediktiner eintritt. Dreizehn Jahre führt er das keusche, arbeitsame Leben in klösterlicher Armut an verschiedenen Orten. Zuletzt führt ihn das Schicksal wieder nach Köln zurück.
Als sein Beichtkind Jean de Champol unter sehr undurchsichtigen Gründen zu Tode kommt, trifft er auf die Begine Almut, mit der er sogleich auf das heftigste
aneinandergerät. Zwischen den willenstarken Charakteren, die beide vom Leben gezeichnet sind, doch letztlich ein gemeinsames Ziel verfolgen, sprühen die Funken. Und aus ihnen entsteht eine Flamme ganz anderer Art.
Nachdem Almut und Ivo nach einigen Irrwegen erkannt haben, dass sie zueinandergehören, muss noch ein letztes Hindernis aus dem Weg geräumt werden. Pater Ivo soll von seinen Gelübden befreit werden. Dispens zu erhalten war in der damaligen Zeit übliche Praxis. Die geldgierige Kirche nahm gerne Wertgegenstände, Grundstücke und Gold entgegen, um Ablass von Sünden, Ämter oder Pfründe dafür zu gewähren. Von allerlei Versprechen konnte man sich freikaufen, ob Pilgerreisen, Keuschheitsgelübde oder Ordensbindungen. Es war eine Frage des Preises.
Dieses scheinheilige Verfahren wurde ein Jahrhundert später immer lauter angeprangert und führte schließlich zur Reformation.
Mit der möglichen Gewährung eines Dispens' beginnt nun der fünfte Teil der Geschichte um die Kölner Begine Almut und den Benediktinerpater Ivo vom Spiegel.
Beide sind außerordentlich bibelfest, und daher möchte ich Ihnen in ihrem Namen eine Mahnung aus den Sprüchen Salomos mit auf den Weg durch diesen Roman und das Leben im Allgemeinen geben:
»Mein Sohn, wenn dich die bösen Buben locken, so folge nicht.«
Sprüche 1,10 (Anm. d. Autorin: auch Töchter dürfen sich angesprochen fühlen.)
Köln, im Wonnemonat Mai im Jahr des Herrn 1377
1. Kapitel
Der Mann trug ein Wams aus graubraunem Hasenfell, in dem er beinahe mit dem Graubraun des schlammigen Weges verschmolz, so wie die vorherigen Träger dieser Pelze es ebenfalls taten. Sein struppiges Haar war kurz geschnitten und wies eine ähnliche Melange aus Grau und Braun auf. Sein Gesicht wirkte verwittert wie ein altes Stück Holz, doch seine Schultern waren breit und seine Waden in den staubigen Stiefeln stramm. Er beugte sich über eine regungslose Gestalt, die mit dem Gesicht in einer tiefen Pfütze lag, und durchsuchte mit kundigen Fingern die Beuteltaschen an dem breiten, goldverzierten Gürtel. Es war nichts von Wert darin enthalten, außer einem gesiegelten Pergament, das auffällig aus einem der Beutel hervorragte. Das Siegel gab dem Mann Aufschluss über die Identität des Toten, und mit scharfem Blick musterte er die Umgebung und dann die Spuren im Schlamm.
Man würde nichts finden, stellte er fest. Nichts, was auf einen gewaltsamen Tod schließen ließ. Der Reiter war unglücklich vom Pferd gefallen.
Er fuhr mit seiner Durchsuchung der kostbaren Kleider fort, doch kaum hatte er den schlaffen Gefallenen umgedreht, hob er lauschend den Kopf und ließ von seinem Tun ab. In der Ferne erklang Hufschlag. Lautlos verschwand er in dem nahen Unterholz, so wie
es ein jeder tun würde, der nicht neben der Leiche eines erzbischöflichen Kuriers gefunden werden wollte.
Über gesunden Menschenverstand verfügte der Mann in ausreichendem Maße, und als die Berittenen, Soldaten der Kölner Stadtwache, sich näherten, überließ er es ihnen, den Ersäuften zu entdecken.
Regungslos beobachtete er, wie sie sich berieten, schließlich den Boten auf eines der Pferde hievten und zum nahen Severinstor zurückritten.
Er selbst folgte ihnen in gebührendem Abstand, und nach vielen, langen Jahren betrat er seine Heimatstadt wieder. Älter, härter, klüger.
Und das Schicksal nahm seinen Lauf.
2. Kapitel
»Flinderlein. Sie nennen sich Flinderlein und sie sind nur vergoldeter Tand.«
»Trotzdem sehen sie hübsch aus. Man könnte sie sehr schön auf ein Haarnetz nähen.«
»Natürlich. Das würde sich bei unseren Totenklagen recht gut machen.«
»Aber nein, Almut, nein. Ich dachte eher an Hochzeiten.«
Almut lächelte und sah Judith, die Seidweberin, kopfschüttelnd an. Sie nahm alles für bare Münze, was sie sagte. Elsa, die Apothekerin, hingegen kicherte.
»Sie sahen vor allem prächtig an dem Jäckchen aus, das deine Stiefmutter am Sonntag in der Kirche trug.«
»Frau Barbara sieht immer prächtig aus. Sie liegt mir jedoch jedes Mal, wenn ich sie aufsuche, damit in den Ohren, ich solle meine graue Tracht doch nun endlich ablegen.«
»Du könntest es jederzeit«, bemerkte Rigmundis nüchtern und fädelte einen grünen Seidenfaden in die
Nadel.
»Könnte ich, will ich aber nicht. Ich finde die Kleider, die ich trage, sehr praktisch. Goldflitter und seidene Schleppen stören beim Decken des Kapellendachs.«
»Du wirst zukünftig keine Dachschindeln mehr herumwuchten, und dein Gatte wird dir sicher Geschmeide aus purem Gold um den Hals legen. Also gewöhn dich an vornehme Gewänder.«
»Mhm«, sagte Almut und schob mit dem Webkamm das Muster des blaugrünen Bandes zusammen, das sie mit flinken Fingern herstellte.
Sie war glücklich, und die Zukunft lag tatsächlich glitzernd wie Flittergold vor ihr. Aber dennoch mischte sich ein winziges Tröpfchen Wehmut in ihren Frohsinn. Sie würde ihre Freundinnen verlassen müssen. Fünf Jahre hatte sie im Kreis der Beginen verbracht, fünf Jahre mit ihnen gearbeitet und gebetet, ihre Eigenarten kennen und verstehen gelernt, bei ihnen Hilfe, Unterstützung, Trost und Vertrauen gefunden. Der Konvent am Eigelstein war ihr ein schützender Hort geworden, und die tägliche Arbeit erfüllte sie mit Befriedigung.
Bald sollte sie diese Sicherheit verlassen und sich wieder dem weltlichen Leben stellen. An der Seite eines Mannes, der nicht gerade zu den schlichtesten aller...